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15.10.2026 | (rsn) - Die Mannschaftsverfolgung war jahrelang eines der Aushängeschilder des deutschen Bahnradsports, vor allem als die Disziplin noch auf Amateure ausgelegt war und vor 1989 die beiden deutschen Staaten regelmäßig Titel und Medaillen holten. Nach der Einführung der Profi-Regeln 1993 gehörte der deutsche Vierer bis Anfang der Nuller-Jahre zu den dominierenden Ländern, blieb lediglich 1995 und 1997 ohne Medaille bei den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften.
2000 folgte der Höhepunkt mit dem letzten von drei WM-Titeln sowie dem Olympiasieg, bei dem der deutsche Vierer als erstes Team die Vier-Minuten-Marke durchbrechen konnte. 2001 und 2002 folgten noch eine Bronze- und eine Silbermedaille, ehe eine lange Durststrecke begann. Kein einziger Athlet des aktuellen Vierers war 2002 schon geboren.
___STEADY_PAYWALL___2024 wurde die 22-jährige Durststrecke mit Bronze bei den Welttitelkämpfen beendet. Kurz darauf bekamen die Ausdauer-Männer mit Lucas Schädlich einen neuen und jungen Bundestrainer, der vorher im Nachwuchs für German Cycling sehr erfolgreich arbeite. Sein Ziel ist es nun, den Vierer für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Keine leichte Aufgabe, denn es gibt nur acht verfügbare Tickets für Los Angeles. 18 Teams hatten für die Weltmeisterschaften in Shanghai - dem Auftakt der Olympia-Qualifikation - gemeldet und rund zwei Drittel davon dürfen sich Chancen ausrechnen.
Vierer-Mitglied Tim Torn Teutenberg gewann im August die Philadelphia Classic. | Foto: Cor Vos
Dementsprechend zufrieden waren die deutschen Männer nach dem sechsten Rang in der Qualifikation. Zwar fehlten auf die dort zeitschnellsten Dänen immerhin sechs Sekunden, doch im Vergleich zu den letzten beiden Weltmeisterschaften in Santiago de Chile, wo der deutsche Vierer 7,5 Sekunden zurücklag und 2024, wo gleich acht Sekunden auf Dänemark fehlten, zeigte sich die stetige Verbesserung des immer noch jungen Gespanns.
Neben den Medaillengewinnern von 2024, Tim Torn Teutenberg und Benjamin Boos, setzte Schädlich in Shanghai auf Max-David Briese und Moritz Binder. Nach der Qualifikation sah der Bundestrainer auch keinen Anlass, die Formation in der 1. Runde zu verändern. In der unterlag man dann Neuseeland. “Unsere Ziele waren klar. Wir hatten zum einen noch gegen die Neuseeländer eine Rechnung aus dem Vorjahr offen, wo wir um 17 Tausendstel den Einzug ins Kleine Finale verpasst haben und zum anderen wollten wir uns auch noch mal steigern. Das ist uns beides jetzt nicht gelungen“, schilderte Schädlich gegenüber RSN.
Deswegen wurde die finale Bilanz getrübt. “Wir gehen jetzt nicht zufrieden und besonders glücklich aus dem Turnier raus.“ Der Rückstand auf die in der 1. Runde schnellsten Dänen stieg wieder auf 7,5 Sekunden an und die Deutschen hatten die langsamste Zeit der acht Teams aufzuweisen. “Die Abstände sind aber insgesamt auch um einiges größer zwischen den Teams, als ich das vorher erwartet habe“, meinte der deutsche Bundestrainer dazu und fügte noch an: “Wir haben aber auf alle Fälle einen guten Schritt nach vorne gemacht.“
Bruno Keßler bekam von Tudor keine Freigabe für die Bahn-WM. | Foto: Cor Vos
Im Kampf um die Olympiaqualifikation war der achte Platz ein Plus, doch die Trauben hängen höher. Das Ziel, nur bei den Spielen dabei zu sein, sollte keine Prämisse sein. “Wir hatten eine gute Vorbereitung, konnten aber hier in Shanghai nicht ganz aus dem Vollen schöpfen“, analysierte Schädlich und sprach damit das Fehlen von Bruno Keßler, der von seinem Team Tudor Pro Cycling U23 keine Freigabe für die Weltmeisterschaften bekam, an. Mit Moritz Mauss (UAE - Emirates - Gen-Z), Felix-Ben Jochum (Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur) oder Paul-Felix Petry (Rembe - rad-net), der in Shanghai als Ersatzfahrer mit dabei war, hat Schädlich noch weitere interessante Fahrer mit dabei, die sich auch regelmäßig zu den Kaderlehrgängen auf der Bahn einfinden.
“Wir wissen ganz genau, dass das Niveau immer höher wird und müssen konsequent weitermachen. Natürlich haben wir noch ein paar Dinge, woran wir in Richtung Olympia schrauben wollen. Wenn wir aber Italien oder Dänemark Paroli bieten wollen, dann ist das eine große Hausaufgabe“, blickte Schädlich voraus. Nach dem Jahreswechsel warten schon wieder die Heim-Europameisterschaften in Berlin, im April dann drei Weltcups. Dort überall gilt es gut zu fahren, um die Punkte für die Olympia-Qualifikation zu sammeln: “Dennoch ist viel möglich, denn das hat man auch in Shanghai gesehen mit Frankreich, die von Platz acht in der Qualifikation noch in das Kleine Finale eingezogen sind.“ Die Tickets für Los Angeles sind eng umkämpft, aber auch die deutschen Ausdauerfahrer kennen ihre Aufgabe und streben nach mehr. Die junge Generation könnte den Vierer wieder zur Paradedisziplin machen.
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