Distanzierte Schreiber bleibt dem Podium fern

Brand erobert Europameistertitel am Grünen Tisch

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Brand erobert Europameistertitel am Grünen Tisch"
| Foto: Cor Vos

07.11.2026  |  (rsn) – Mehr als zwanzig Minuten wähnte sich Marie Schreiber als Cross-Europameisterin. Dann kam die Einblendung, dass sie auf den zweiten Platz deklassiert wurde – der Titel gehörte der Niederländerin Lucinda Brand. Die Luxemburgerin schlug die Weltmeisterin zwar im Zweiersprint, fuhr dabei aber einen Schlenker, der ihre Konkurrentin behinderte, wie die Jury urteilte.

Ceylon del Carmen Alvarado stürzte in der letzten Runde und musste ihre beiden Konkurrentinnen ziehen lassen. Ihr wurde auf dem Podium in Zeddam die Bronzemedaille verliehen. Mit Titelverteidigerin Inge van der Heijden, Denise Betsema und Manon Bakker belegten Niederländerinnen auch die Positionen vier bis sechs.

Als Brand circa 30 Minuten nach Rennende zum Ziel-Interview antrat, stand das Endergebnis noch nicht definitiv fest. “Es ist ein weiterer Titel, aber es ist ein komischer. Es war ein schweres Rennen“, fasste sie die Lage schnell zusammen. Zum Sprint befragt, reagierte sie ausweichend: “Wir kamen zu zweit auf die Zielgerade und sie hat ihren Sprint vielleicht einen Bruchteil eher lanciert, als ich meinen. Ich habe versucht, an ihr vorbeizufahren und bin auch ihre Höhe gekommen. Wie es dann geendet ist, ist die Entscheidung der Jury. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Eine deutliche Meinung hatte dahingegen offenbar Schreiber, auch wenn sie die verbal nicht äußerte. Die Silbermedaillengewinnerin blieb der Podiumszeremonie fern und nahm damit die darauf stehende Strafe in Kauf.

Im nur 28 Fahrerinnen großen Feld musste sich Judith Krahl in der letzten Startreihe aufstellen. Auf den ersten Metern machte sie einige Positionen gut, die sie aber nicht allesamt halten konnte. Mit 4:06 Minuten Ruckstand erreichte die Deutsche Meisterin das Ziel auf Platz 23.

So lief die EM der Frauen:

Schreiber machte sofort Ernst. Sie ging als Dritte ins Gelände und kam in Führung liegend zur Treppe. Dort rannte sie deutlich schneller hoch als die Konkurrenz und nach 99 Stufen lag sie fünf Sekunden vor den ersten Verfolgerinnen. Als Alvarado an denen vorbeiging, war der Rückstand des Feldes bereits auf 12 Sekunden angewachsen. Die Niederländerin setzte sich zwar vom Rest ab, doch Zeit auf Schreiber machte sie nicht gut. Die kam 13 Sekunden vor Alvarado und 23 vor dem Feld zur ersten Zielpassage.

Die Oranje-Armada formierte sich nun und schaute zu, wie Lucinda Brand sich auf die Verfolgung ihrer Landsfrau machte. Die holte sie ein und lag zu dem Zeitpunkt 17 Sekunden hinter der Führenden. Unter Leitung von Brand kam das niederländische Duo eingangs der dritten von sieben Runde auf 14 Sekunden heran. Auf der sehr langen Zielgerade weigerte sich Alvarado allerdings in den Wind zu gehen, was Brand mit Kopfschütteln quittierte.

Im Gelände arbeitete Alvarado dann wieder mit. Gemeinsam kam das Duo bei der Zielpassage auf zehn Sekunden heran, allerdings attackierte Brand ihre Landsfrau auf dem Asphalt. Die konnte folgen und war plötzlich allein, als Brand sich einen Sturz leistete. Die Fenix-Fahrerin schloss zu Schreiber auf, strauchelte aber auf der Treppe und fiel so wieder zurück. Aber die Rotterdammerin machte nun auf dem Rad den besten Eindruck und schloss die Lücke erneut schnell, während sich Brand schwertat.

Als die Rundenanzeige auf fünf gestellt wurde, vereinte sich das Trio wieder. Ein Verfolgerquartett lag da 47 Sekunden hinten und machten bei der nächsten Streckenumrundung vier davon gut. Eingangs der Schlussrunde war er wieder auf 54 Sekunden angewachsen, da Brand vorn einige Male Druck gemacht hatte.

Schreiber attackierte aus dritter Position erneut an der Treppe, konnte sich dieses Mal aber nur einen kleinen Vorsprung erlaufen, den die Niederländerinnen schnell wettmachten. In einer Rechtskurve endeten dann die Titelträume von Alvarado auf dem Waldboden. Brand ging nicht mehr in die erste Position. So lauerte sie auf der Zielgerade an Schreibers Hinterrad. Die ging sehr früh, doch Brand hatte Probleme vorbeizukommen. Als das doch zu gelingen schien, fuhr die Luxemburgerin einen Schlenker, der Brand behinderte.

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