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06.07.2015 | (rsn) - Da fehlt Tony Martin eine läppische Sekunde zur Verwirklichung seines Traums, dem Gelben Trikot der Tour de France. Wäre er nur eine einzige Sekunde schneller die Mauer von Huy hochgefahren, hätte es gereicht - wirklich schade.
Für uns lief das Rennen zunächst nach Maß. Wir wollten unbedingt Serge Pauwels in die Spitzengruppe lancieren, und er hat es geschafft. Damit sicherte Serge sich sogar die Prämie eines neuen Autos, die ein belgischer Geschäftsmann für den besten Belgier nach 15 Kilometern ausgelobt hat.
Serge war sogar der virtuelle Leader, weil er der Bestplazierte der vier Ausreißer im Gesamtklassement war und die Gruppe einen schönen Vorsprung herausgefahren hat. Was kann es schöneres für einen Rennfahrer geben, als im eigenen Land für ein paar Kilometer der Führende der Tour zu sein? Der Vorsprung der Gruppe schmolz aber schnell und rund 60 Kilometer vor dem Ziel war wieder alles zusammen und dann hat‘s mal so richtig gekracht. Etwa 50 Fahrer lagen kreuz und quer auf und neben der Straße. Das Rennen wurde neutralisiert, weil sich nur einen Kilometer später ein weiterer Sturz ereignete und die Sanitäter an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen sind.
Alle Rennfahrer sind noch frisch und motiviert, und das Feld ist noch nicht richtig sortiert, deswegen ist der Druck, vorne fahren zu wollen, immens. Wir waren auch mit drei Fahrern in den Sturz verwickelt, aber für uns ging alles glimpflich aus.
Beim Abendessen haben wir auf das Gelbes Trikot von Gerald Ciolek bei der Österreich-Rundfahrt angestoßen, das die Mannschaft heute tapfer verteidigt hat. Das ist noch ein Novum für unser Team: ein Gelbes Trikot bei einer europäischen Rundfahrt verteidigt zu haben.
Groet
Jens
Jens Zemke nimmt erstmals in seiner Karriere an einer Tour de France teil, und zwar als Sportdirektor des südafrikanischen Zweitdivisionärs MTN-Qhubeka, der als erstes afrikanisches Team am Start einer Frankreich-Rundfahrt steht. Auf radsport-news.com führt der 48-jährige Hesse in den kommenden drei Wochen ein Tour-Tagebuch.
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