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22.03.2016 | (rsn) - Luca und Christian Henn sind zur Saison 2016 gemeinsam zum Team Kuota-Lotto gewechselt. Während der 19-Jährige Luca seine erste U23-Saison in Angriff nehmen wird, fungiert sein Vater Christian als sogenannter Performance Director und wird die Sportliche Leitung verstärken. Am Rande der Teampräsentation in Koblenz traf radsport-news.com die beiden Heidelberger zum Interview.
Wie sind Ihre ersten Eindrücke vom neuen Team?
Luca Henn: Ich war mit den Jungs ja bereits im Trainingslager, im ersten Rennen lief es auch ganz gut. Ich würde sagen, dass ich mich schon gut integriert habe und ich freue mich auf die Saison mit meinen Teamkollegen.
Christian Henn: Teamchef Florian Monreal ist sehr ehrgeizig, nie ruhig – er will immer mehr (lacht). Es ist ein junges, aufstrebendes Team, mit dem ich gerne zusammenarbeite. Die Eindrücke sind durchweg positiv.
Luca, wie wichtig war es für Sie, dass Ihr Vater Sie bei Ihrer ersten KT-Station begleitet?
Luca Henn: Das ist für mich persönlich natürlich eine gute Sache. Am Anfang ist man doch etwas nervös, alles ist neu. Wenn man da familiäre Unterstützung hat, ist das echt praktisch.
Herr Henn, war es für Sie klar, dass Sie sich dem Rennstall in offizieller Funktion anschließen würden, für den Ihr Sohn sein erstes U23-Jahr absolviert?
Christian Henn: Da ich beim Radsport Rhein – Neckar als Trainer tätig bin, war es völlig offen, ob ich auch in einer Mannschaft in der Luca fährt, tätig sein werde. Beim Team Kuota–Lotto ergab sich nun die Möglichkeit.
Ist Ihr Vater Ihe erste Anlaufstelle oder suchen Sie sich auch bei anderen Mitgliedern des Teams Rat?
Luca Henn: Wir haben ja mit Robert Retschke und Christopher Hatz auch zwei erfahrene Fahrer im Team. Die versorgen einem auch während des Rennens mit Ratschlägen, so komme ich gut an Informationen heran. Aber atürlich klar hat mein Vater auch ein sehr großes Wissen, was mir weiterhilft.
Wie ist Luca eigentlich zum Radsport gekommen, Herr Henn?
Christian Henn: Er ist aus eigenem Antrieb geschehen. Er war vorher beim Leistungsturnen, hat Handball gespielt, war im Schwimmverein. Ich habe darauf geachtet, dass meine Söhne schon früh Sport treiben, gerade auch verschiedene Sportarten ausprobieren. Irgendwann kam Luca dann zu mir und meinte, er wolle Rennrad fahren. Seine ersten Rennen hat er dann im ersten U15-Jahr bestritten. Damals war er aber auch nicht jedes Wochenende aktiv, ich wollte das auch nicht forcieren. Erst wenn man in den Junioren-Bereich kommt, muss man schauen, dass es richtig voran geht. Er ist bisher seinen Weg gegangen, jetzt schauen wir, wie es weitergeht.
Wären Sie auch zum Radsport gekommen, wenn Ihr Vater kein Radprofi gewesen wäre?
Luca Henn: Schwer zu sagen, man hat den Radsport ja schon irgendwie in die Wiege gelegt bekommen. Aber mir macht der Radsport auch sehr viel Spaß, so dass ich vielleicht auch auf anderem Weg dazu gekommen wäre.
Versuchen Sie, den Erfolgen Ihres Vaters nachzueifern?
Luca Henn: Beim Aufräumen findet man schon ein paar alte Fotos oder Trainingsdaten. Die schaue ich mir natürlich gerne an. Alles andere wird die Entwicklung dann zeigen.
Herr Henn, würden Sie gerne mit Ihrem Sohn tauschen und 2016 selbst noch mal das erste U23-Jahr bestreiten?
Christian Henn: Das kann ich mit einem ganz klarem "Nein" beantworten. Ich hatte eine tolle Zeit als aktiver Radrennfahrer von der Jugend bis zum Profi, und danach auch als Sportlicher Leiter. Ich hatte auch nie das Verlangen nochmals als Seniorenfahrer Radrennen zu fahren.
Bei Rick Zabel ist es so, dass er häufig auf seinen Vater angesprochen oder sogar als „der kleine Zabel“ bezeichnet wird. Haben Sie Angst, dass es Ihnen auch so gehen könnte?
Luca Henn: Ja, damit rechne ich. Ich selbst schaue ja auch, was mein Vater in den einzelnen Jahrgängen erreicht hat. Bisher habe ich damit kein Problem, noch finde ich genug Raum, um eigene Erfahrungen zu machen.
Wie schwer ist es für den Vater, den eigenen Sohn als Sportlicher Leiter zu betreuen?
Christian Henn: Ich denke, es geht schon in die Richtung, dass man besonders streng gegenüber dem eigenen Sohn ist, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass man ihn bevorteilt. Aber ich werde natürlich auch bei Rennen im Auto sitzen, an denen Luca dann nicht teilnimmt. Für mich sind alle Sportler gleichgestellt, ich sehe da auch keine Probleme.
Luca, was haben Sie sich für Ihr erstes U23-Jahr vorgenommen?
Luca Henn: Natürlich geht es für mich erst einmal darum, mich im U23-Bereich zurechtzufinden. Als Saisonhöhepunkte habe ich mir aber die Bundesligarennen rausgepickt. Natürlich trainiere ich aber auch auf UCI-Rennen und die Deutsche Meisterschaft hin, da will man ja auch gute Ergebnisse einfahren.
Welcher Fahrertyp sind Sie?
Luca Henn: Bei den Junioren bin ich gut über die Wellen mit drüber gekommen. Wenn die Berge nicht all zu lang waren und es dann noch mal zum Sprint gekommen ist, habe ich meine besten Ergebnisse geholt. Letztlich würde ich mich erst einmal aber als Allrounder bezeichnen.
Wird im Training schon spezifisch trainiert, um sich in eine gewisse Richtung zu entwickeln?
Christian Henn: Wir trainieren zunächst einmal in die Breite. Was Luca auch gut kann, ist Zeitfahren, das darf man im Training auch nicht vernachlässigen. Dann schauen wir, wie die Saison gelaufen ist.
Sie selbst haben EPO-Doping zu Ihrer aktiven Zeit zugegeben. Was geben Sie Ihrem Sohn zum Thema Doping mit auf den Weg?
Christian Henn: Ich gehe davon aus, dass meine Erfahrungen rund um das Thema Doping – und die waren am Ende des Tages doch alles andere als erfreulich – ein unmissverständliches Zeichen für Luca sind. Er muss aus den Fehlern des Vaters lernen. In diesem Bereich tauge ich nicht als Vorbild. Er soll gewissenhaft und gut trainieren und seine Leistungen sauber erbringen – nur so kann er langfristig weiterkommen.
Mit Luca und Christian Henn sprach Christoph Adamietz
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