Richard Banusch - Deutscher Meister für 48 Stunden

Warum korrigierte der BDR den Fehler im U23-Zeitfahren so spät?

Von Joachim Logisch


Das Podium des U23-Einzelzeitfahrens in Chemnitz musste korrigiert werden. V.l.: Patrick Haller (rad-net Rose), Richard Banusch (LKT Team Brandenburg), Julian Braun (Lotto-Kern Haus). | Foto: Cor Vos

28.06.2017  |  (rsn) - Die tollen Deutschen Meisterschaften in Chemnitz endeten mit einem üblen Missklang! Dabei spielt der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) keine unerhebliche Rolle.

Erst nach 48 Stunden nämlich erfuhr Richard Banusch (LKT Team Brandenburg), dass ihm der Titel im U23-Einzelzeitfahren am Freitag zu Unrecht verliehen und er auf Rang elf zurückgestuft worden war. Bis Sonntagabend  musste Patrick Haller (rad-net Rose) warten, bis ihm der Triumph offiziell zuerkannt wurde. Das Meistertrikot soll ihm "bei einer anderen Veranstaltung überreicht werden", so der BDR.

48 Stunden fühlte sich Richard Banusch als Deutscher Meister, obwohl es ihm nicht ganz geheuer vorkam, wie er Dienstag gegenüber radsport-news.com ehrlich gesteht. "Ich war schon überrascht, weil ich mit dem Erfolg nicht gerechnet hatte. Es war im ersten Moment unwirklich, dass ich schon in meinem ersten Jahr bei der U23 so einen Erfolg eingefahren habe. Denn meine Vorbereitung war nicht optimal gewesen, da ich zwei Wochen vorher noch bei den Deutschen auf der Bahn gestartet war. Ich dachte aber, dass die Zeitnahme bei einer Deutschen Meisterschaft korrekt sein muss und die Zeit stimmt." 38:01 Minuten soll der 18-Jährige nach der ersten Messung für den 31,2 Kilometer langen Parcours gebraucht haben. Der ein Jahr ältere Haller 38:24.

Voller Freude gab Banusch deshalb auch am Abend einen aus. "Nach dem Rennen haben wir bei meinem Lieblingsitaliener in Cottbus in einer gemütlichen Runde zusammengesessen und gefeiert. Das war ein schönes Gefühl, dass alle so hinter einem stehen", berichtete er.

Doch am Sonntag platzte der Traum, denn tatsächlich soll er für den Percours 39:14 Minuten, also 1:13 Minuten mehr, gebraucht haben. Banusch: "Nach dem Straßenrennen teilte mir Teammanager Steffen Blochwitz mit, dass ein Messfehler vorliege. Er hatte es schon früher am Sonntag erfahren. Das war schon ein schöner Schlag für mich." Erklären kann er sich den Fehler aber nicht. "Ich habe vor Schluss noch einen anderen Fahrer überholt. Der fuhr so 20, 30 Meter hinter mir. Die Begleitfahrzeuge waren schon vorher rausgewunken worden. Wir sind doch alle mit einem Transponder gefahren. Ich verstehe nicht, warum man das nicht richtig auslesen konnte", sagte er.

Der Spezialist im Punktefahren auf der Bahn versteht auch nicht, warum der Fehler erst so spät korrigiert wurde: "Wenn die schon überlegt haben, dass es nicht stimmen kann, dann verstehe ich nicht, dass sie trotzdem eine Siegerehrung durchgeführt haben."

radsport-news.com wollte vom BDR wissen, wie es zu dem Fehler kommen konnte und warum es so lange dauerte, bis das Ergebnis korrigiert wurde. Uns wurde mitgeteilt, dass es als Erläuterung zu dem Fall nicht mehr als die bekannte Pressemeldung geben werde.

Nachdem er die böse Nachricht Sonntagabend erfahren hatte, packte Banusch schnell seine Sachen. "Ich war geschockt und bin dann schnell mit meinen Eltern nach Hause gefahren. Ich wollte keine Fragen zu meinem Titelgewinn beantworten, weil die Korrektur noch nicht bekanntgegeben worden war." Das geschah erst am Montag in Form einer kurz gehaltenen Pressemitteilung.

Besonders hart trifft den 18-Jährigen, dass er im Internet böse beschimpft und ihm der Fehler angekreidet wurde. "Das ist nicht in Ordnung", sagte Banusch traurig.

Im Gespräch mit radsport-news.com gab sich der LKT-Fahrer aber gleich wieder kämpferisch: "Ich werde jetzt trainieren und nächstes Jahr wieder angreifen. Mein Ziel ist es, den Titel zu gewinnen."

 

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