Profi-Radsport

Sportminister verspricht lückenlose Aufklärung

Beginnt im Peloton das große Zittern?

27.05.2006 - Madrid (dpa/Ra) - Nach den Razzien, Festnahmen und Verhören der vergangenen Tage dürfte nicht nur bei spanischen Radprofis das große Zittern beginnen. Offenbar ist eine große Zahl von Fahrern in den größten Dopingskandal seit der Festina-Affäre von 1998 verwickelt.

In der Nacht zum 27. Mai sind Haftbefehle gegen die beiden Hauptverdächtigen erlassen worden. Der zuständige Untersuchungsrichter ordnete die Inhaftierung des Arztes Eufemiano Fuentes und des Laborchefs José Luis Merino an, wie aus Justizkreisen in Madrid verlautete. Der Richter räumte ihnen allerdings die Möglichkeit ein, gegen Zahlung einer Kaution von jeweils 120 000 Euro die Haft zu umgehen. Zwei weitere Verdächtige wurden auf freien Fuß gesetzt. Die vier dürfen Spanien jedoch nicht verlassen und müssen sich alle zwei Wochen bei Gericht melden.

Der Richter hatte Fuentes, Merino und die anderen zwei Verdächtigen mehr als sechs Stunden lang vernommen. Sie waren am Dienstag im Zusammenhang mit dem Skandal um präparierte Blutkonserven festgenommen worden. Weitere Festnahmen sind nach Angaben der Polizei nicht zu erwarten. Es sei jedoch damit zu rechnen, dass im Zuge der Ermittlungen bekannte Namen ans Licht kommen. «Wir gehen davon aus, dass eine große Zahl von Sportlern verbotene Mittel angewendet hat», sagte Polizeichef Joan Mesquida.

Das in die Affäre verwickelte Liberty-Radteam hat wegen der Dopingvorwürfe seinen wichtigsten Geldgeber verloren und steht nun vor dem Aus. Der Versicherungskonzern Liberty Seguros kündigte seinen Sponsorenvertrag. Der Direktor des Liberty-Radteams, der Spanier Manolo Saiz, war ebenfalls am Dienstag festgenommen worden. Der 46-Jährige, eines der Schwergewichte des internationalen Radsports, wurde nach seiner Vernehmung aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Er galt nach Ansicht der Ermittler nur als ein «Kunde» und nicht als aktives Mitglied des Doping-Rings.

Die Ermittler hatten bei der größten Doping-Razzia in Spanien ein Madrider Speziallabor ausgehoben, das Radprofis in großem Stil mit präparierten Blutkonserven versorgt haben soll. Die Verdächtigen sollen Radprofis in einem Labor Blut abgenommen, dieses mit roten Blutkörperchen angereichert und den Sportlern vor wichtigen Rennen injiziert haben.

Die Polizei stellte bei Hausdurchsuchungen rund 200 Beutel mit Blutkonserven und ein umfangreiches Arsenal an Dopingmitteln jeder Art sicher. Die Konserven trugen Codes, mit denen möglicherweise zahllose Radprofis identifiziert werden können, für die das Blut bestimmt war. Die Ermittler verfügen zudem über Videoaufnahmen von Sportlern, die das Labor besuchten. Der spanische Sportminister Jaime Lissavetzky versprach eine lückenlose Aufklärung. «Hier wird nichts vertuscht werden», sagte er.

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