Profi-Radsport

Squadra Azzurra macht bella figura

Deutsche Frauen im Pech - falsche WM-Taktik?

29.09.2007 - Stuttgart (dpa) - Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat einen schwarzen WM-Tag erlebt. Sowohl die hoch eingeschätzten deutschen Frauen als auch der U23-Nachwuchs blieben bei den Titelkämpfen in Stuttgart ohne Medaillen.

Die «Operation Gold» der deutschen Frauen ging gründlich daneben - und sorgte im Nachhinein für böses Blut. Die favorisierten Gastgeberinnen, die 2004 und 2005 die Weltmeisterin gestellt und im Vorjahr Silber gewonnen hatten, mussten sich mit Rang 18 durch Trixi Worrack (Dissen) und Platz 21 von Judith Arndt (Leipzig) zufrieden geben.

Strahlende Siegerin nach 133,7 Kilometern war die italienische Außenseiterin Marta Bastianelli, die sich 15 Kilometer vor dem Ziel auf der letzten Runde aus einer größeren Spitzengruppe abgesetzt hatte und die Titelverteidigerin Marianne Vos (Niederlande) mit sechs Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz verwies. Bronze ging an die Italienerin Giorgia Bronzini.

Die als Vize-Weltmeisterin gestartete Trixi Worrack verlor als beste der sechs Starterinnen des BDR 14 Sekunden auf die neue Titelträgerin. Sie war am Schluss auf sich alleine gestellt, nachdem Judith Arndt elf Kilometer vor dem Ziel zum zweiten Mal im Rennen gestürzt war. «Ich bin zwei Mal gestürzt, da war dann nichts mehr zu machen. Die Rechnung ist bei uns in den letzten drei Jahren immer aufgegangen, diesmal nicht. Trixi war am Schluss ganz allein chancenlos», meinte Judith Arndt, die ihren Titelgewinn von 2004 wiederholen wollte, aber am Schluss deprimiert 58 Sekunden hinter der Überraschungs-Siegerin über die Ziellinie trudelte. Bei dem Sturz erlitt sie eine Brustbeinprellung.

Nach dem Rennen schimpfte Hanka Kupfernagel, die Gold im Einzelzeitfahren geholt hatte: «An den Mädels lag es heute nicht, dass es nicht geklappt hat, höchstens an der Teamleitung. Ich sollte zusammen mit Luise Keller als erste von uns attackieren. Das hätte ich nicht erwartet - vielleicht, wenn ich im Zeitfahren 10. geworden wäre. Deshalb bin ich mit einer Portion Wut im Bauch gefahren. Bei der letzten Attacke sind mir die Beine explodiert. Ich bin keine Maschine», ereiferte sich die 33-jährige Thüringerin, die nach vier Jahren Pause wieder ihre erste Straßen-WM bestritt. Der von der Zeitfahr-Weltmeisterin attackierte Bundestrainer Jochen Dornbusch, der alles auf Arndt gesetzt hatte, blieb diplomatisch: «Hanka hat ihren Job gut erfüllt.»

Die gefährlichste Situation für die favorisierte deutsche Equipe vor dem Finale wurde ausgangs der vorletzten von sieben Runden bereinigt. Die Italienerin Noemi Cantele, eine der großen Sieg-Anwärterinnen, und die Amerikanerin Amber Neben, die schon 22 Sekunden Vorsprung hatten, wurden gestellt. Bei der Verfolgungsarbeit tat sich wie auch davor Hanka Kupfernagel hervor. Dafür zahlte sie am Ende den Preis, aus der über 20 Fahrerinnen starken Spitzengruppe, die die letzte Runde in Angriff nahm, zurückzufallen.

Die entscheidende Attacke auf den letzten 19,1 Kilometern des schwierigen, mit drei Steigungen gespickten Kurses, setzten die Italienerinnen, für die Marta Bastianelli eigentlich nur den Boden für Noemi Cantele bereiten sollte. Dann war sie aber plötzlich alleine vorne und bekam die Order zu fahren.

«Fünf Kilometer vor dem Ziel habe ich an den Sieg geglaubt. Zwei Mal ist mir die Kette runtergerutscht. Unser Teamchef rief mir zu, ich sollte nicht in Panik ausbrechen und einfach weiterfahren. Das tat ich», sagte die 20-jährige Weltmeisterin aus Rom. Und ergänzte: «Wegen der anhaltenden Doping-Diskussion hatten wir eine schwierige Woche. Wir haben alles zur Seite geschoben und uns auf das Rennen konzentriert. Ich hoffe, dass das den Männern am Sonntag auch gelingt. Wir betreiben einen sauberen Sport und wollen das zeigen.»

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