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01.10.2007 - Stuttgart (dpa/sid) - Als der alte und neue Weltmeister Paolo Bettini mit einer Schuss-Geste über die Ziellinie raste, provozierte der Italiener die Gastgeber ein letztes Mal.
Wohl selten zuvor hatte ein einzelner Athlet eine Rad-Weltmeisterschaft so geprägt wie der 33- Jährige - allerdings spielte Bettini dabei eine äußert zwielichtige Hauptrolle. Doch UCI-Chef Pat McQuaid wollte nach den beschämenden Tagen in Stuttgart von einem traurigen Höhepunkt nichts wissen. «Paolo Bettini kam, sah und siegte. Ein Fahrer, der unter diesem Druck und diesen Umständen gewinnt, ist ein fantastischer Athlet», sagte der Präsident des Weltverbandes UCI zum Abschluss der skandalumwitterten Titelkämpfe.
Nach seinem wiederholten Triumph nutzte der aufgewühlte Bettini die Pressekonferenz zur Generalabrechnung mit seinen Kritikern. «Ich bin noch genauso wütend wie vor dem Rennen. Ich lasse mich und meine Karriere nicht kaputtmachen. Wenn jemand gegen mich Doping-Beweise hat, soll er sie auf den Tisch legen. Wenn nicht, werden die Beschuldigungen teuer», sagte der Olympiasieger von 2004, dessen Wutrede von den italienischen Journalisten bejubelt wurde.
Zuvor hatte Bettini über seinen Anwalt eine Verleumdungsklage gegen die Stadt Stuttgart, das WM-Organisationskomitee und das ZDF angekündigt.
BDR-Präsident Rudolf Scharping bedauerte, dass Bettini «seiner besonderen Verantwortung als Weltmeister» nicht nachkam und die Ehrenerklärung für einen sauberen Radsport nicht unterschrieb. Trotz «etwas aufgeblasener Begleitmusik» sei die WM aber eine gelungene Veranstaltung gewesen. Scharpings Zorn richtete sich gegen Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann, die gegen einen Bettini-Start vor Gericht gezogen war und die UCI und den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) kritisiert hatte. «Es ist Frau Eisenmann nicht gelungen, die WM zu zerstören», sagte Scharping der Deutschen Presse-Agentur dpa.
>Für den BDR, die UCI und die WM-Stadt Stuttgart werden die Aufräumarbeiten noch lange dauern. Jede der drei Parteien fordert noch ausstehende Gelder, jede wähnt sich im Recht. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster bemühte sich um Schadensbegrenzung. «Wir werden eine gemeinsame Regelung mit dem BDR und der UCI finden», sagte der CDU-Politiker.
Die Stadt Stuttgart denkt über eine Schadenersatzklage gegen die UCI von bis zu einer Million Euro nach - und hielt vorerst Gelder von 600 000 Euro, die für die UCI und den BDR vorgesehen sind, zurück. Der Weltverband kündigte im Gegenzug rechtliche Schritte gegen die Stadt Stuttgart an, um die Finanzmittel zu bekommen.
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