2019 bei Bahrain-Merida

Nach Tour-Aus fordert Sieberg “Überdenken der Karenzzeit“

Von Christoph Adamietz

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Marcel Sieberg (Lotto Soudal) | Foto: Cor Vos

03.08.2018  |  (rsn) – Nachdem er im Vorjahr wegen eines Magen-Darm-Virus' erstmals die Tour de France vorzeitig beenden musste, wollte Marcel Sieberg (Lotto Soudal) bei der 105. Austragung unbedingt wieder Paris erreichen. Doch auch diesmal war für den 36-Jährigen vorzeitig Schluss. Schuld war diesmal die zu knapp bemessene Karenzzeit auf der Königsetappe, die am zwölften Tag über drei Anstiege der Ehrenkategorie mit Finale in Alpe d`Huez führte.

Dabei kritisierte Sieberg vor allem den Jury-Entscheid, während der Etappe die Karenzzeit zugunsten der Fahrer anzupassen. "Wir saßen schon mit einem Fuß im Besenwagen, da wurde uns mitgeteilt, dass die Karenzzeit erhöht würde. So was habe ich in meiner Karriere auch noch nicht erlebt. Da muss man auch mal die Eier haben, die Karenzzeit so zu lassen", konnte sich der Routinier gegenüber radsport-news.com auch noch mit Abstand von fast zwei Wochen echauffieren.

Zum Vergleich zog Sieberg bei seiner Kritik die Schule heran, an der seine Frau als Lehrerin arbeitet. "Sie kann auch nicht sagen: ihr habt eine Stunde Zeit für die Arbeit. Und wenn dann ein Drittel abgegeben hat, kann sie die Zeit für die Arbeit ja auch nicht plötzlich um 30 Minuten erhöhen“, so der 36-Jährige. Die Entscheidung während des Rennens zeige aber, dass der Veranstalter kalte Füße bekommen habe: "Sie haben gemerkt, dass die Karenzzeit nicht zur Etappe passt.“

Obwohl er erstmals in den Besenwagen der Tour einsteigen musste, verließ Sieberg die Tour mit erhobenen Haupt. "Wir haben Fahrer gesehen, die zurückgekommen sind, die eigentlich nicht mehr hätten zurückkommen dürfen und die sind im Rennen geblieben. Wir sind lange genug im Geschäft, um sagen zu können: Wenn wir es alleine mit unserer Muskelkraft nicht schaffen, dann fahren wir nach Hause. Die Form war nicht so schlecht, aber es hat einfach nicht gereicht an diesem Tag", sagte er.

Sieberg forderte ein "Überdenken der Karenzzeit. Selbst wenn sie uns eine Stunde Zeit geben, heißt das ja nicht, dass wir dann frischer am Start stehen am nächsten Tag. Ich glaube, ich war bei den Bergetappen mehr k.o. als Geraint Thomas.“

Nach einigen freien Tagen in Folge seines vorzeitigen Tour-Abschieds bestreitet derzeit einige Nach-Tour-Kriterien. Im Gegensatz zu Teamkollege André Greipel war er von Lotto Soudal nicht für den Prudential Ride London am letzten Sonntag nominiert worden, und auch die am Samstag beginnende Polen-Rundfahrt bleibt ihm erspart.

Stattdessen geht es erst mit den Cyclassics in Hamburg am 19. August und bei vier Tage später folgenden Deutschland-Tour mit hochkarätigen Rennen weiter. Dabei hätte er im EM-Straßenrennen in Glasgow am 12. August starten können. Aber "als ich gehört habe, dass André nicht fährt, war für mich klar, dass ich die Reise auch nicht antrete. Als Udo Sprenger mich anrief, sagte ich, dass er jemand anderem die Chance geben soll, dabei zu sein“, so Sieberg, der wie Greipel das LottoSoudal-Team am Ende des Jahres verlassen wird.

Zuletzt wurde er immer wieder mit Bahrain-Merida in Verbindung gebracht. Nach Informationen von radsport-news.com wird der langjährige Helfer von Greipel diesen Weg auch einschlagen. Allerdings wollte Sieberg den Wechsel nicht bestätigen. "Viele werden überrascht sein, viele aber auch nicht“, blieb er im Ungefähren.

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