Neuer 3D-gedruckter Sattel von Specialized - 3000-km-Dauertest

S-Works Power Mirror: Kein Druck durch 3D-Druck

Von Christoph Nelz

Foto zu dem Text "S-Works Power Mirror: Kein Druck durch 3D-Druck"
Der neue 3D-gedruckte “Mirror“-Sattel besteht aus 7799 Polymer-Verknüpfungen, die individuell angepasst werden können. | Foto: Jojo Harper

03.06.2020  |  Gestern nachmittag präsentierte Specialized seinen neuen Sattel "S-Works Power Mirror". Bei der Vorstellung am Firmensitz in Morgan Hill/ Kalifornien sagte der Specialized-Gründer und -CEO Mike Sinyard: "Wir haben über 20 Jahre Body-Geometry-Erfahrung mit Retül, der weltweit größten Datenbank für Radfahrer-Passformen, und modernste Material-Wissenschaft zusammengeführt, um die bestmögliche Kombination aus Leistung und Komfort zu schaffen, die je in einem Sattel umgesetzt wurde: der S-Works Power mit Mirror-Technologie."

Anstelle von Schaumstoff nutzt die Mirror-Technologie ein 3D-Druckverfahren mit flüssigem Polymer, um eine Waben-Struktur zu schaffen, die eine hervorragende Sitzknochenunterstützung bietet. Der Sattel ist ab sofort in zwei Größen - mit 143 und 155 mm Breite - im Handel, und kostet 399,90 Euro.
 
rsn-Mitarbeiter Christoph Nelz hatte die Gelegenheit, ein (mit dem gestern vorgestellten Serien-Sattel praktisch identisches) Vorserien-Modell des Sattels über mehrere Wochen zu testen. Hier sein Bericht:

Vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen, die 143-mm-Version des "Power Mirror"-Sattels an meinen Renner zu montieren. Seitdem bin ich über 3000 km auf ihm gefahren - und soviel vorab: Er passt, und zwar richtig gut.

Die neue "Mirror"-Technologie des "Power"-Sattels kommt direkt aus dem 3D-Drucker: Ein flüssiges Polymer schafft ein Padding mit 7799 Knoten, das direkt auf die Carbon-Schale geklebt wird.

Auf der Daten-Basis der Hintern aller Specialized-Athleten und -Ambassodore, die jemals im Body-Geometry-Programm vermessen worden waren, wurden die Sattelbreiten von 143 und 155 mm ausgesucht, und dazu ein Durchschnitts-Padding, was die Druckverteilung angeht.

Optischer Eindruck: Schon auf den ersten Blick spricht der Sattel sehr an, er folgt dem Trend der immer kürzeren und breiteren Sattelform. Zudem soll eine Entlastungs-Ritze in der Sattelmitte für zusätzlichen Komfort sorgen und den Blutfluss im Sitzbereich gewährleisten. Der Sattel ist in jeglicher Hinsicht hochwertig verarbeitet; auch nach meinem Dauertest über 3000 km ist keinerlei Abnutzung zu erkennen.

In der Praxis: In der Vergangenheit hatte ich schon öfter Probleme mit Sätteln und weiß daher, dass sich jeder Hintern seinen Sattel selbst aussucht. Bislang musste ich so manches Sattel-Problem durch verschiedene Hosen von Herstellern wie Assos, Castelli, PNS oder SQ Lab korrigieren. Daher war ich nun sehr gespannt auf den neuen "Power Mirror"...

Aber an solche Anpassungen musste ich während der Testphase nicht denken. Der "Power Mirror" passt quasi perfekt - und das mit ganz verschiedenen Sitzpolstern. Ich hatte auch auf längeren Ausfahrten keinerlei Probleme mit Taubheitsgefühlen oder Scheuerstellen, selbst bei feuchten oder nassen Bedingungen.

Der Sattel sitzt straff, ohne jeden plüschigen Hollandrad-Eindruck. Egal ob in Ober- oder Unterlenker-Position und über welche Dauer, der Sattel ist unauffällig - im besten Wortsinn. Bei der Reinigung hatte ich auch nach Ausfahrten im Regen keine Probleme, die Waben wieder sauber zu bekommen, da der Schmutz kaum an der Struktur haftet.

Fazit: Wer schon länger auf der Suche nach einem Sattel ist, der auch auf Ausfahrten über vier Stunden vollen Komfort bietet, und der keinerlei Druckstellen erzeugt, der wird mit dem "Power Mirror" fündig. Einziger Wermutstropfen: Das Preisschild von 400 Euro muss man erstmal verkraften...

 

Weiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößern

 
Weitere Informationen

Specialized Germany GmbH
Holzkirchen-Föching

Internet: www.specialized.com/de

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine