Dimension Data kauft keine WorldTour-Punkte ein

Ryder: "Wir wollten keine großen Schecks verteilen"

Foto zu dem Text "Ryder:
Dimension Data feierte gleich fünf Etappensiege bei der Tour 2017. | Foto: Cor Vos

24.10.2016  |  (rsn) – Mit fünf Etappensiegen bei der Tour de France kann das Dimension-Data-Team zwar auf die erfolgreichste Saison seiner Geschichte zurückblicken. Dennoch müssen Mark Cavendish, Steven Cummings & Co. nach jetzigem Stand um ihre Zugehörigkeit zur ersten Division durchaus bangen, denn für die 17 zu vergebenden WorldTour-Lizenzen bewerben sich 18 Mannschaften, darunter der deutsche Zweitdivisionär Bora-hansgrohe und das neue Bahrain-Merida-Team.

Beide haben auf dem Transfermarkt mächtig zugeschlagen und sich sozusagen in die WorldTour eingekauft. Bora-hansgrohe etwa hat Weltmeister Peter Sagan, Rafal Majka und Leopold König verpflichtet. Bahrain-Merida kann mit den Neuzugängen Vincenzo Nibali, Ion Izagirre und Joaquim Rodriguez aufwarten. Alle diese Fahrer haben in der abgelaufenen Saison viele WorldTour-Punkte gesammelt, die nun ihren neuen Mannschaften angerechnet werden. Allein Sagan, der die WorldTour-Einzelwertung gewann, bringt 669 Zähler mit zum Rennstall von Manager Ralph Denk. Das Duo Rodriguez/Izagirre kommt zusammen auf 481 Punkte, Nibali hat 241 auf seinem Konto – darüber wird sich Bahrain-Merida freuen.

Dagegen hielt sich Dimension Data auf dem Transfermarkt im Gegensatz zur vergangenen Saison zurück und verpflichtete bisher erst fünf neue Fahrer – die bekanntesten sind Scott Thwaites von Bora-Argon 18 und Ben King von Cannondale-Drapac, die den Kader perspektivisch verbessern sollen. Am letzten Platz der WorldTour-Teamwertung wird sich nichts ändern, wobei der Rückstand auf das unmittelbar davor liegende IAM-Team – das wie auch Tinkoff aufgelöst wird – bereits 128 Punkte beträgt.

Dennoch zeigt sich Dimension-Data-Teamchef Douglas Ryder optimistisch in Sachen WorldTour-Lizenz. Der Südafrikaner geht davon, dass der Radsportweltverband UCI die Zahl der WorldTour-Lizenzen auf 18 aufstockt – wofür sich bereits die Team-Vereinigung AIGCP ausgesprochen hatte. “Die Teams stehen zusammen. Es gibt 18 gute Mannschaften mit guten Sponsoren, die sich darauf freuen, zusammenzuarbeiten. Es gibt eine gemeinsame Haltung der Teams“, lobte Ryder gegenüber cyclingnews.com den Zusammenhalt unter den Bewerbern und betonte: “Ich bin mir sicher, dass es 18 (WorldTour)-Teams nächstes Jahr geben wird.“

Allerdings hätte man im Rennkalender das Augenmerk verstärkt auf die WorldTour-Rennen gerichtet, wenn man früher über die Reform der WorldTour Bescheid gewusst hätte, fügte Ryder an: “Die Reform kam erst am 24. Juni und da war die Planung schon erledigt und die Hälfte der Saison war vorbei. Wenn das Regeln am 1. Januar beschlossen worden wären, dann wäre das was Anderes gewesen, aber so waren wir schon in der Saisonmitte.“

Auch seine Transferpolitik verteidigte Ryder und verkniff sich dabei nicht einen Seitenhieb gegen das neue Bahrain-Team, das Ion Izagirre aus dessen noch laufenden Kontrakt bei Movistar herausgekauft hatte. “Wir wussten nicht, dass Izagirre auf dem Markt war. Man geht nicht los und kauft einen Burschen aus seinem Kontrakt heraus. Das ist keine Taktik, die wir entwickeln wollen“, kritisierte er den vorzeitigen Wechsel. Dimension Data würde zudem bei der Zusammenstellung des Kaders anderen Kriterien anlegen. "Wir haben keine Punkte gekauft. Wir wollten keine großen Schecks an Fahrer verteilen, das würde nicht zur Kultur unseres Teams passen“, sagte er.

“Wir haben Fahrer geholt, von denen wir glauben, dass sie nächstes Jahr glänzen können“, betonte Ryder und erwähnte namentlich King und Thwaites, der in dieser Saison besonders in den flämischen Frühjahrsklassikern zu überzeugen wusste. Zudem erwartet Ryder auch von den afrikanischen Profis weitere Verbesserungen: „[2017] ist unser Jahr der Afrikaner“, fügte er an.

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