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10.11.2017 | (rsn) – Nach vielen Jahren in der dritten Liga kündigte das Team Burgos BH im Spätsommer an, sich für 2018 um einen Platz in der zweiten Division bemühen zu wollen. Nachdem die Mannschaft von Julio Andrés in der ersten Runde der Lizenzvergabe noch durchgefallen war, konnte der Spanier im Interview mit radsport-news.com nun aber erleichtert mitteilen, das dem Antrag mittlerweile stattgegeben wurde. Andrés äußerte sich zudem über die Verpflichtung von Silvio Herklotz und einen möglichen Start bei der Vuelta 2018.
Herr Andrés, hat ihr Team mittlerweile die ProContinental-Lizenz vom Weltverband UCI erhalten?
Andrés: Ja. Wir haben die offizielle Bestätigung am 2. November erhalten. Das ist ein großer Schritt für uns.
Was steckt genau hinter Ihrem Projekt?
Andrés: Wir sind in Deutschland sicherlich noch nicht vielen ein Begriff, lassen Sie mich deshalb einige Dinge zu unserem Team sagen. Wir führen seit 30 Jahren ein Rad-Team, das die letzten zwölf Jahre im Continental-Bereich aktiv war, wir verfügen also nicht gerade über wenig Erfahrung. Diesen Sommer sind unsere Sponsoren mit dem Wunsch an uns herangetreten, eine ProContinental-Lizenz zu lösen und haben uns dafür das entsprechende Budget zur Verfügung gestellt. Wir wussten, dass es schwer sein würde, das Projekt zu realisieren, aber da wir von allen Geldgebern positive Signale erhalten hatten, entschieden wir uns dazu, den Schritt zu gehen und 2018 ein Profiteam auf die Beine zu stellen. Jetzt ist der Traum eine wunderbare Realität.
Die Namen der meisten ProContinental-Teams wurden bereits schon vor einigen Wochen von der UCI offiziell präsentiert, Ihre Mannschaft hat allerdings gefehlt. Warum?
Andrés: Hier muss ich ein wichtiges Detail erklären. Die UCI hat am 4. Oktober nicht die Lizenzen verteilt. An diesem Tag wurde nur mitgeteilt, welche Teams die Bankgarantien, Sponsorenverträge und Verträge mit zehn Fahrern vorgelegt hatten. Aber das war nicht gleichbedeutend damit, dass man auch eine Lizenz erhalt. Bei der ersten Durchsicht sind wir noch durchgefallen, das stimmt. Aber wie bereits erwähnt, haben wir uns erst im Sommer dazu entschieden, eine ProContinental-Lizenz zu lösen. Das war eindeutig zu spät. Vom Tage unserer Entscheidung war es ein Zeitfahren gegen die Deadline. Wir hatten nicht alle Papiere zum 1. Oktober vorlegen können, wir wussten aber, dass die wirkliche Prüfung die vom 20. Oktober sein würde, nämlich die von der UCI und Ernst&Young (Wirtschaftsprüfer, d. Red.). Und an diesem Tag war bei uns alles perfekt. Wir haben die Lizenz in der Tasche, unsere Arbeit ist getan.
Sie haben mit Silvio Herklotz von Bora-hansgrohe auch einen Deutschen verpflichtet. Wie kam es dazu?
Andrés: Wir kennen Silvo sehr gut. Er war einer der besten U23-Fahrer der Welt und auch jetzt ist er erst 23 Jahre alt. Wir konnten ihm zwei wichtige Dinge bieten, die für seine Entwicklung wichtig sind: Vertrauen und Freiheiten. Wir verstehen natürlich, dass alle Fahrer gerne bei den großen Teams wie Bora, Movistar oder Sky fahren wollen. Aber das ist eben nicht möglich. Wir verfolgen andere Strategien, wollen Talente an uns binden. Silvio war eine unserer Prioritäten bei der Kaderzusammenstellung und wir sind sehr glücklich, dass wir ihn verpflichten konnten. Er fährt jetzt für ein kleineres Team, aber er wird mehr Freiheiten bekommen. Dazu wird unser Kalender für ihn als Kletterer und Rundfahrer perfekt passen. Und er wird von uns keinen Druck bekommen.
Wie Sind sie insgesamt mit der Kaderzusammenstellung zufrieden?
Andrés: Sehr. Mit Herklotz und Matvey Mamykin (von Katusha-Alpecin, d. Red.) haben wir zwei ähnliche Fahrertypen unter Vertrag genommen. Sie sind beide erst 23 Jahre alt, gute Kletterer, haven WorldTour-Erfahrung und sie können das Team führen. Dazu haben wir mit José Mendes, Jordi Simon, Diego Rubio und Jesus Ezquerre erfahrene Jungs dazu geholt. Das Team ist nicht auf einen Akteur ausgerichtet. Außerdem denke ich, dass viele der jungen Fahrer sich in unserem Umfeld gut entwickeln können. Sie werden ihre Freiheiten erhalten und wir sind sicher, dass wir im Gegenzug gute Leistungen von ihnen bekommen. Wir haben ein fantastisches Team beisammen, sechs Fahrer unseres Conti-Teams wurden übernommen, dazu kommen zehn neue Fahrer aus einem Mix von jung und alt, mit Sprintern und Kletterern. Jetzt geht es darum, eine Familie zu werden.
Was sind die Ziele des Teams?
Andrés: Die erste Saison Jahr im ProContinental-Bereich ist immer die schwerste. Delko Marseille oder Manzana Postobon sind gute Projekte, aber auch für sie war es schwer, im ersten Jahr Siege zu holen. Für uns wird es ähnlich sein. Es braucht große Anstrengungen, um den Rennkalender, die Logistik, die gesamte Struktur zu verbessern und sich dann auch noch auf das Sportliche zu konzentrieren. So gehen wir erst einmal bescheiden in das Jahr. Wir können nicht 16 Einzelfahrer sein, wir müssen ein Team mit einem Ziel sein: demütig sein und zugleich unsere Farben zeigen. Unsere Philosophie ist letztlich einfach zu verstehen: Wir wollen aggressiv fahren und in den Fluchtgruppen vertreten sein.
Ist die Vuelta a Espana ein realistisches Ziel für 2018?
Andrés: Sie sprechen mit einem spanischen Team, es wäre als dumm von uns, wenn wir nicht sagen würden, dass wir von einem Vuelta-Start 2018 träumen. Aber ich erinnere Sie nochmals an unsere Philosophie: demütig sein, was die Ziele betrifft, aber aggressiv in den Rennen fahren. Wir können nicht darüber Druck erzeugen, indem wir mit den Medien sprechen. Wir müssen Druck auf die Veranstalter ausüben, indem wir gute Rennen fahren und indem wir in jeglicher Sicht ein gutes Projekt sind. Natürlich werden wir die Entscheidung der Vuelta-Organisatoren akzeptieren, egal wie sie ausfällt. Wir hoffen auf Wildcards bei vier UCI-Rennen. Letztlich hängt es, von den Zusagen ab. Wir gehen das Projekt jedenfalls Schritt für Schritt an.
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