Dopingkontrolleure überraschten Serry bei Gala

CPA-Präsident Bugno: “Es ist genug“

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "CPA-Präsident Bugno: “Es ist genug“"
Gianni Bugno zu Gast beim Giro d´Italia 2018. | Foto: Cor Vos

07.11.2018  |  (rsn) - Gianni Bugno und die Fahrergewerkschaft CPA, der er vorsteht, haben in einer Pressemitteilung ihrem Unmut über die Durchführung von Dopingkontrollen im Privatleben von Radprofis Luft gemacht. "Nach einem weiteren Fall von Nicht-Respektierung der Privatsphäre eines Fahrers durch Anti-Doping-Kontrolleure, sagt die CPA 'Das ist genug'", eröffnet die Mitteilung, die durch einen konkreten Fall ausgelöst wurde: den des Belgiers Pieter Serry (Quick-Step Floors), der am Dienstagabend für eine Dopingkontrolle die flämische Radsport-Gala "Flandrien" der Tageszeitung Het Nieuwsblad hatte verlassen müssen.

"Es wurde schon von Fällen berichtet, wo Fahrer an ihrem Hochzeitstag, während einer Beerdigung oder am ersten Schultag ihres Kindes kontrolliert wurden", so Bugno. "Jetzt lesen wir vom Fall von Pieter Serry, während der Saisonpause, außerhalb der für die Kontrolle eingetragene Stunde, während des flämischen Radsportfestes. Wir können nicht länger zusehen, wie dieser 'modus operandi' angewendet wird, ohne die Rechte der Personen, wie ihre Privatsphäre, zu beachten."

Die Gala im Kursaal des belgischen Küstenortes Oostende lief gerade erst seit etwa fünf Minuten, als Moderator Karl Vannieuwkerke Serry bat, den Saal zu verlassen, weil vor der Tür zwei Dopingkontrolleure auf ihn warteten. Was zunächst wie ein Witz klang, war voller Ernst: Serry musste zur Kontrolle raus, um keinen Eintrag als "verpasster Test" zu riskieren - bei drei verpassten Tests wird ein Sportler gesperrt.

Wie Het Nieuwsblad berichtet, hatten die Dopingkontrolleure zunächst Serrys Wohnhaus besucht, den 29-Jährigen dort aber nicht angetroffen. Nach Rücksprache mit dem Sportler, der ihnen mitteilte, dass er in Oostende auf dem Weg zur Gala sei, kamen die Kontrolleure dorthin.

Radprofis müssen auch außerhalb der Saison täglich für Dopingkontrollen zur Verfügung stehen und ihren Aufenthaltsort bekanntgeben, um dafür erreichbar zu sein. Allerdings ist täglich nur ein Zeitfenster von einer Stunde vorgesehen. Ob die Kontrolleure Serrys Haus innerhalb dieser Stunde besuchten, ist nicht übermittelt.

Lag der Fehler bei Serry oder bei den Kontrolleuren?

Sollte er sich für diese Zeit nicht als "abwesend" in das Whereabouts-System eingetragen und vergessen haben, die Gala-Adresse dort anzugeben, müsste er laut Regelwerk den Kontrolleuren sogar dankbar sein, dass sie nicht einfach einen "verpassten Test" eintrugen, sondern ihn bei der Gala aufsuchten. Sollten sie jedoch von vorneherein zur falschen Zeit aufgekreuzt sein oder Serrys Adresswechsel nicht beachtet haben, so läge der Fehler bei ihnen und sie hätten den Fahrer in Oostende nicht belästigen dürfen. Die genaue Sachlage ist radsport-news.com nicht bekannt.

CPA-Boss Bugno jedenfalls nahm den Fall nun zum Anlass, das System der unangekündigten "Out of Competition-Tests" in Frage zu stellen. Bugno erklärte außerdem, dass Radprofis die einzigen Athleten auf der Welt seien, die zwei Prozent ihres Preisgeldes automatisch zurückzahlen, damit dieses Geld in den Anti-Dopingkampf fließen kann. "Sie respektieren die Maßnahmen, die für den Kampf gegen Doping nötig sind. Aber sie bitten wenigstens auch um Respekt für ihr Privatleben", so der CPA-Präsident.

Die CPA werde nun einen offiziellen Antrag an alle in den Anti-Doping-Kampf involvierten Institutionen vorbereiten, um sicherzustellen, dass Kontrolleure das Privatleben der Athleten künftig weniger stören - zumindest in besonderen Umständen, heißt es in der Pressemitteilung.

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