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05.09.2020 | (rsn) - Nicht nur die Tour de France beginnt am 29. August 2020, sondern mit dem Giro Ciclistico d’Italia auch das längste Etappenrennen der Klasse U23 . Mit dabei ist zum dritten Mal in Folge das Tirol KTM Cycling Team. Bis zum 5. September warten acht harte Etappen und der Kampf um das Rosa Trikot auf die fünf Fahrer aus der österreichischen Kontinentalmannschaft. Auf der vorletzten Etappe musste mit Tobias Bayer auch der letzte verbliebene Fahrer des Teams die Rundfahrt vorzeitig beenden mit gesundheitlichen Problemen. In einem Tagebuch berichtet das Team von seinen Erlebnissen.
Unser heuriger Giro d`Italia U23. Was für eine dramatische Geschichte. Licht und Schatten. Sonnenschein und heftigste Gewitter. Alle unsere Fahrer voll motiviert und richtig gut drauf. Haben gebrannt für diese Rundfahrt. Bereit, ihr Bestes und mehr zu geben.
Und dann verwandelt zu Beginn der Rundfahrt der Regen die ausgetrockneten Straßen plötzlich in glitschige Rutschbahnen. Sturzorgien sind die Folge. Carbon kratzt über den Asphalt. Fahrer am Boden. Viele Fahrer. Immer wieder. Schmerzverzerrte Gesichter. Zerrissene Trikots. Zerfetzte Haut. Blut. Geschundene Körper. Und dennoch quälen sie sich wieder hoch. Setzen sich auf ihre Räder. Versuchen weiterzufahren. Von Tag zu Tag. Manche schaffen es. Doch für viele werden die Leiden zu groß. Das gefürchtete Akronym die Folge: DNF. Did not finish.
Einmal mehr zeigte sich auch am Beispiel dieser Rundfahrt, wie eng Faszination und Brutalität bei diesem wohl härtesten Sport beisammen liegen. Und dass alle diese jungen Sportler bereit sind, große Entbehrungen und Leiden auf sich zu nehmen, um ihren Traum vom Radprofi zu leben.
Mittendrin auch unser Team, in diesem Drama: Samuele Rivi holt sich auf der ersten Etappe das blaue Trikot für die Intergiro Wertung. Stürzt dann schwer einen Tag später. Muss aufgeben. Auch Markus Wildauer, Florian Gamper und Felix Engelhardt liegen auf der Straße. Mehrmals. Rücken. Hüfte. Knie. Alles lädiert, geschwollen, entzündet. Schmerzen. Große Schmerzen. Der Rennausstieg eine logische Folge.
Derweil kämpft Tobias Bayer seinen Giro. Praktisch alleine. Holt eine Spitzenplatzierung nach der anderen. Elf. Sieben. Drei. Neun. Neun. Und trägt auch noch für einen Tag das Grüne Trikot des Bergbesten. Chapeau für diese herausragende Leistung! Gestern hat Tobias krankheitsbedingt das Rennen beenden müssen. Auf der siebten von acht Etappen. Somit hat keiner unserer Fahrer die Rundfahrt beendet.
Was bei oberflächlicher Betrachtung einem Totalausfall gleichkommt, verdient in Wahrheit großen Respekt und Applaus. Denn die Jungs haben gekämpft und alles gegeben. Doch zu groß die Schmerzen. Zu groß die Gefahren für ihre Gesundheit. Und von den seelischen Wunden wegen des DNF wollen wir gar nicht sprechen.
Vor allem in diesem Jahr, mit diesem kargen Rennkalender im U23-Bereich, mit den vielen Absagen. Und jetzt der nächste Tiefschlag: Nach der Absage der Rad-WM 2020 im schweizerischen Aigle-Martigny hat die UCI mit Imola schnell einen Ersatzort für die WM Ende September gefunden. Doch die Freude darüber währte im Junioren - und U23 Bereich nur kurz. Denn die UCI hat entschieden, in Imola nur die Eliterennen der Frauen und Männer zu fahren. Einfach so. Ohne Begründung.
Eine Respektlosigkeit gegenüber dem Nachwuchs sondergleichen. Wo bleibt der Aufschrei der vielen nationalen Verbände? Der lautstarke Protest. Die Solidarität für die junge Rennfahrergeneration. Auch von den WorldTour- und ProContiTeams.
Ich kann sie leider nicht hören!
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