Aufgabe im WM-Rennen nach 35 Kilometern

Streit im Hotel: Van der Poel verbrachte Nacht bei Polizei

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Streit im Hotel: Van der Poel verbrachte Nacht bei Polizei"
Mathieu van der Poel musste das Rennen in Wollongong schnell aufgeben. | Foto: Cor Vos

25.09.2022  |  (rsn) – Das WM-Straßenrennen der Männer in Wollongong hat einen seiner großen Favoriten bereits nach 35 Kilometern verloren - und zwar in Folge eines bizarren Vorfalls. 

Mathieu van der Poel stieg zu diesem frühen Zeitpunkt des 266 Kilometer langen Rennens aus, nachdem er eine turbulente Nacht verbracht hatte. Medienberichten zufolge war der Niederländer bis 4 Uhr auf einer Polizeistation, weil er mit zwei Teenagerinnen im Hotel in Sydney in Streit geraten war.

Die beiden sollen die van der Poels Nachtruhe gestört und mehrmals an seine Zimmertür geklopft haben. Der 27-Jährige reagierte darauf wohl ungehalten. Wenig später stand die Polizei vor seiner Tür und nahm ihn mit auf die Wache. Erst um vier Uhr soll er ins Hotel zurückgekehrt sein - ohne Reisepass, der laut australischem Recht in solchen Fällen wohl wochenlang einbehalten wird. 

Am Mikrofon des belgischen Fernsehsenders Sporza legte van der Poel seine Sicht der Dinge dar: "Ich lag früh im Bett, wurde aber leider am Einschlafen gehindert", erzählte er. Sein Teammanager Christoph Roodhooft präzisierte: "Mathieu ist um 21 Uhr ins Bett gegangen. Aber scheinbar machten Kinder in einem anderen Zimmer und auf dem Flur viel Krach. Nachdem sie mehrmals an Mathieus Tür geklopft hatten, ist er rausgegangen und hat sie zurechtgewiesen."

Nacht in Polizeigewahrsam

"Ich habe ihnen nicht ganz freundlich gesagt, dass sie aufhören sollen", beschrieb van der Poel die Szene. "Und dann wurde ich auf die Wache mitgenommen, scheinbar sind sie hier sehr streng", wunderte sich der viermalige Querfeldeinweltmeister über das Vorgehen der Polizei. 

Die publizierte allerdings eine andere Version der Geschehnisse. "Gegen 22:40 Uhr soll es im Novotel Brighton-Le-Sands zu einem verbalen Zwischenfall zwischen einem Mann und zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren gekommen sein. Der Mann soll beide Teenagerinnen gestoßen haben, woraufhin eine von ihnen zu Boden fiel und eine gegen die Wand schlug, was zu einem kleinen Kratzer an ihrem Ellbogen führte. Die Hotelleitung wurde informiert, woraufhin die Polizei kam und der Mann festgenommen wurde", hieß es im offiziellen Bericht.

Roodhooft bezweifelte diese Version der Ereignisse. "Ich war nicht dabei, aber kann mir das schwer vorstellen. Die Eltern der Kinder waren auch nicht dabei, aber scheinbar war die abgegebene Erklärung der Teenagerinnen stark genug, um Mathieu mitzunehmen", so der Belgier. Van der Poel kam am frühen Morgen erst zum Hotel zurück und ging noch ins Rennen, das um 10.15 Uhr Ortszeit began. Nach 30 Kilometern konnte er am Mount Keira dem hohen Tempo der Franzosen aber nicht mehr folgen. Fünf Kilometer später stieg  van der Poel ins Auto.

Rechtliche Konsequenzen

Damit ist für van der Poel die Angelegenheit noch nicht erledigt, denn er muss nun juristische Konsequenzen fürchten. "Der Mann wurde in beiden Fällen angeklagt und wird voraussichtlich am Dienstag vor Gericht erscheinen", hieß es im Polizeibericht. Sein Reisepass wurde dem Sieger der Flandern-Rundfahrt abgenommen, diesen bekommt er vermutlich erst Ende Oktober zurück, eine Standardprozedur laut australischen Medien.

Für Roodhooft ist das eine besorgniserregende Situation. "Mathieu war letzte Nacht wirklich in einer Zelle! Sie sind hier sehr streng, auf der anderen Seite der Welt. Wir haben keine Chance und stehen dumm da. Wir können es nur über uns ergehen lassen", meinte er.

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