RSNplusWind, Tenbosse & Parikeberg das Salz in der Suppe

Alles Muur und Bosberg? Darauf kommt´s an beim Omloop Nieuwsblad

Von Felix Mattis

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Die Streckenkarte des Omloop Nieuwsblad der Männer 2026. | Grafik: Flanders Classics

28.02.2026  |  (rsn) – Die alte Ronde – diesen Beinamen bekommt der Omloop Nieuwsblad von den Fans seit einigen Jahren. Seit das "Eröffnungsrennen" der belgischen Klassikersaison nämlich 2018 nicht mehr im Startort Gent zu Ende ging, sondern in Ninove, hat es das alte Finale der Flandern-Rundfahrt adoptiert. Und in diesem Jahr macht der Omloop mit einer kleinen Streckenänderung wieder einen Schritt weiter in Richtung Ronde-Historie. Die große Frage ist: Verändert das den Rennverlauf am Openingsweekend?

Bevor die große Ronde van Vlaanderen ihr Ziel 2012 nach Oudenaarde verlegte und das Kwaremont-Paterberg-Doppel zu ihrem neuen Herzstück machte, standen bei "Vlaanderens mooiste" die Mauer von Geraardsbergen und der Bosberg im Rampenlicht. Über sie ging es aus den Hügeln der "flämischen Ardennen" nach Ninove, beziehungsweise in Ninoves Vorort Meerbeke, zum Zielstrich.

Nun stehen die "Muur" und der Bosberg seit acht Jahren als Scharfrichter auf dem Omloop-Programm und von 2019 bis 2025 richtete sich darauf der große Fokus. Sicher: Am steilen Molenberg mit seinem engen Sträßchen wurde vorsortiert, doch die lange überwiegend flache bis leicht abschüssige Anfahrt von Berendries und Vossenhol-Elverenberg nach Geraardsbergen sorgte zur Einläutung des Finales noch für genug Raum zum 'Reparieren' entstandener Schäden an der Renntaktik und zum Zusammenführen von Gruppen. ___STEADY_PAYWALL___

Tenbosse und Parikeberg verschärfen das Vorfinale

2026 nun wird dieses Vorfinale verschärft – mit der Rückkehr eines anderen Anstieg-Doppels, das zuletzt 2018 beim Omloop so gefahen wurde, oder eben bis 2011 auch bei der Ronde. Die Kombination aus Tenbosse (500 m bei 6,1%) und Parikeberg (800 m bei 8,4%) wurde in die zehn Kilometer von Niederbrakel nach Geraardsbergen wieder eingebaut, der Anstieg Vossenhol-Elverenberg fällt dafür weg. 

Dadurch wird das lange Flackstück vom 33,5 Kilometer vor dem Ziel überquerten Berendries (940 m bei 7%) in Richtung Geraardsbergen einmal häufiger unterbrochen. Die zwei kurzen, asphaltierten Rampen erschweren den Sprintern und ihren Teams vor der berüchtigten Kapelmuur (475 m bei 9,3%) das Leben.

Das Streckenprofil des Omloop Nieuwsblad der Männer 2026. | Grafik: Flanders Classics

Dass die entscheidende Attacke eines Solisten an Tenbosse oder Parikeberg lanciert wird, ist unwahrscheinlich. Trotzdem aber könnte das neue alte Anstiegs-Duo das Zünglein an der Waage werden, das erstens frühe Attacken am gepflasterten Molenberg (463 m bei 7%) mit seinen bis zu 14 Steigungsprozenten 45 Kilometer vor dem Ziel wirkungsvoller macht und zweitens einige Sprinter angeknockter zum rennentscheidenden Effort an der bis zu 20 Prozent steilen, groben Kopfsteinpflasterrampe hinauf zur pittoresken Kapelle bringt, so dass dort größere Lücken entstehen können.

Es ist eines dieser typischen Beispiele für die flämischen Klassiker, bei denen das große Finale an den berühmtesten Rampen im Fokus steht und letztendlich auch die Vorentscheidung oder Entscheidung bringt, kleine Details im Rennverlauf vorher aber den wahren Unterschied machen können, in welche Richtung ein Rennen läuft. Und der Omloop ist schließlich ein Rennen, das in jedem Jahr auf des Messers Schneide steht: Sprintfinale oder doch der Erfolg einer Kleingruppe?

2025 kam es in Ninove bei den Männern zum Sprintsieg von Sören Waerenskjold. | Foto: Cor Vos

Auch 2026 wird beides wieder möglich sein, das ist trotz der leichten Verschärfung des Parcours' sicher. Die Sprinter am Start werden sich von Tenbosse und Parikeberg nicht entmutigen lassen. Doch im Gegensatz zum Vorjahr, als Stefan Küng auf den letzten zehn Kilometern allein gegen den Wind kämpfte und erst an der Flamme Rouge schließlich geschluckt wurde, bevor Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility) im Sprint eines 50-Mann-Feldes gewann, kommt auch die Wettervorhersage möglichen Angreifern entgegen:

Verhilft Rückenwind in diesem Jahr den Angreifern zum Erfolg?

Am Samstagnachmittag soll der Wind diesmal nämlich mit bis zu 35 km/h aus Südwesten blasen und damit auf den letzten 26 Kilometern von Tenbosse bis ins Ziel für Schiebekante bis Rückenwind sorgen. Das sollte möglichen Ausreißern helfen.

Die äußeren Umstände und die kleine Streckenänderung in Kombination könnten das Finale beim Omloop 2026 verlängern und tatsächlich bereits rund 50 Kilometer vor Rennende mit dem Positionskampf vor dem engen Linksabzweig hinein in den Molenberg so richtig beginnen lassen. Von da an jedenfalls dürfte kaum mehr Ruhe einkehren. 

Die Entscheidung über den Sieg aber, das ist klar, fällt natürlich auch in diesem Jahr erst mit dem großen Kopfsteinpflaster-Doppel aus Muur-Kapelmuur und Bosberg (980 m bei 5,8%), die 15,7 beziehungsweise 11,8 Kilometer vor dem Ziel überquert werden. Die letzten elf Kilometer führen dann wellig und leicht abfallend nach Ninove zum Ziel.

Bei den Frauen kam es 2026 zum Sensationserfolg von Lotte Claes aus einer unterschätzten, frühen Ausreißergruppe. | Foto: Cor Vos

Sollten einige Sprinter und vor allem deren Teamkollegen nach dem Bosberg noch in Reichweite sein, um Angreifer einzufangen, so könnte es erneut zum Massensprint auf der ansteigenden Zielgerade in der Elisabethlaan kommen – wobei übrigens die Positionierung im Schlusskilometer besonders interessant ist, weil er in einem langen Rechtsbogen verläuft. Andernfalls aber ist mit Taktikschach in Kleingruppen zu rechnen.

Übrigens: Auf den letzten 60 Kilometern und damit ab der Durchfahrt durch den flachen Kopfsteinpflastersektor "Holleweg" etwas südöstlich von Oudenaarde ist die Strecke und damit das gesamte rennentscheidende Finale des Omloop Nieuwsblad für Frauen und Männer identisch. 

Vorher fahren die Frauen auf ihren ersten 77 Kilometern vom Sixdays-Velodrom 't Kuipke in Gents Zentrum über Merelbeke, Wetteren und Eke relativ simpel auf flacherem Terrain nach Oudenaarde. Die Männer dagegen absolvieren vor ihrer Passage durch den Holleweg bereits zwei Schleifen durch die flämischen Ardennen über das Kopfsteinpflaster von Haaghoek sowie Leberg und Eikenberg.

Das Streckenprofil des Omloop Nieuwsblad der Frauen 2026. | Grafik: Flanders Classics

Auch die Männer fahren dabei eine größere Runde durch Oudenaarde und Eke, allerdings in entgegengesetzter Richtung zu den Frauen. Gestartet wird das Männerrennen (ab 13:40 Uhr im hier im Liveticker) an der Floralienhal in Gent um 11:05 Uhr, das der Frauen um 13:35 Uhr. Die Männer werden nach 207,6 Kilometern ab 15:40 Uhr im Ziel in Ninove erwartet, die Frauen nach ihren 137,6 Kilometern ab 17:05 Uhr.

Die Streckenkarte des Omloop Nieuwsblad der Frauen 2026. | Grafik: Flanders Classics

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