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23.12.2024 | (rsn) – “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Lange Jahre wurde Altkanzler Helmut Schmidt als Urheber dieses Ausspruchs geführt. Heute ist längst nicht mehr klar, ob das so stimmt. Entscheidend ist das im Zusammenhang mit Ralph Denk aber kaum. Wichtiger ist dabei, dass sich der 51-Jährige Zeit seiner Karriere als Manager seines Radsportteams nie an diese “Empfehlung“ gehalten hat. Weder, als er 2010 das Kontinental-Team NetApp gründete und mit ihm 2017 unter dem Namen Bora – hansgrohe in die WorldTour aufstieg, noch als er sich vor ein paar Jahren an Dietrich Mateschitz wandte und damit den ersten Schritt zum Einstieg von Red Bull in das einzige deutsche Profiteam machte.
Streng genommen ist der Rennstall seit dem Einstieg des Weltkonzerns allerdings nicht mehr seiner. Die Übernahme der 51 Prozent an der Betreibergesellschaft der Mannschaft spiegelt sich mittlerweile auch in deren Namen wider. Seit dem 11. September trägt die pro RD pro cycling gmbH nicht mehr die Initialen von Ralph Denk, sondern die des österreichischen Getränkeherstellers, wie ein Blick ins Handelsregister verrät – ein kleiner, aber feiner Unterschied. Bereits seit Juli ist beim Amtsgericht Traunstein die Prokura von Sander Vonk vermerkt. Der Niederländer ist Finance Manager bei der RB-Tochter Red Bull Media House. Deren Tochter, Red Bull Media House Germany, gehört wiederum nun der größte Teil der Betreibergesellschaft, die davor noch vollständig in Denks Händen lag.
“Es fühlt sich immer noch gut an“, sagte der Raublinger am Rande des Medeintags auf Mallorca. Und nutzte die Pressekonferenz, um seiner Vision ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. “Ich möchte das attraktivste Team der Welt werden“, so sein neustes großes Ziel. Wohlwissend, dass dazu vor allem sportlicher Erfolg gehört und die Konkurrenz, allen voran das UAE Team Emirates, langfristig mit Tadej Pogacar den Mann in seinen Reihen hat, der aktuell das Nonplusultra in Sachen Attraktivität im Radsport ist.
Doch mit dem Einstieg des Großsponsors – auf wieviele Millionen Euro Red Bull das Jahresbudget aufstockt, blieb derweil erwartungsgemäß geheim; es wird jedoch auf rund 50 Millionen Euro geschätzt – sollte schon mal der finanzielle Rahmen dafür passen. Grundstein für den Attraktivitäts-Boost ist dabei der Gewinn der Tour de France, ein von Denk lange gehegtes Ziel, das durch viel Geld mittelfristig zumindest nicht in weitere Ferne rückt.
Darüber hinaus will er Historie schreiben, denn auch nach so vielen Jahren gibt es noch Ziele, die bisher unerreicht blieben. “Ich bin ja in den Radsport verliebt und schaue mir deshalb auch historische Sachen und Statistiken an“, leitete Denk gegenüber RSN sein Zahlenspiel ein und erläuterte dann: “Keines der 18 WorldTeams hat es (in seiner Geschichte, d. Red.) geschafft, alle drei Grand Tours, die fünf Monumente und die Weltmeisterschaft zu gewinnen.“
Dann listete er auf: “Movistar gibt es seit den 80er Jahren, die hießen damals Reynolds. Auch Visma – Lease a Bike gibt es schon sehr lange, erstmals als Kwantum. Und UAE hieß früher Lampre. Aber keiner hat das erreicht. Uns gibt es seit 2010. Und ich würde das gerne schaffen. Zwei Grand Tours (Giro und Vuelta), ein Monument (Paris-Roubaix) und die Weltmeisterschaft haben wir schon.“ Nach Denks Recherchen dürfte auch hier UAE die größte Gefahr sein, lediglich Vuelta und Roubaix sind noch offen.
Im UCI Team-Ranking 2024 belegte Red Bull – Bora – hansgrohe Rang fünf hinter dem weit enteilten UAE Team, das mehr als doppelt so viele Punkte gesammelt hatte, sowie Visma – Lease a Bike, Soudal – Quick-Step und Lidl – Trek, die allesamt in Reichweite lagen. Um den Abstand zur Weltspitze weiter zu verringern beziehungsweise sogar ganz wettzumachen, nannte Denk drei entscheidende Faktoren, die er “für den Gamechanger“ hält.
“Neben den Basics wie Training und Leidenschaft ist eine der Schlüsselkomponenten in meinen Augen die Ernährung“, so Denk. Um auf dem Gebiet voranzukommen, hat sich das Team die Dienste von Asker Jeukendrup gesichert. Der Niederländer, selbst mehrfacher Starter beim Ironman Hawaii, sei eine „Ikone“ auf seinem Gebiet. “Ich denke, er kann uns helfen, dass wir auf diesem Gebiet besser werden.“ Jeukendrup arbeitete in der Vergangenheit unter anderem bereits für die Britische Olympische Gesellschaft oder diverse große Fußballvereine wie den FC Chelsea oder den FC Barcelona. Seit Jahren war er aber auch schon am Red Bull Athlete Performance Center tätig, parallel dazu noch für Visma – Lease a Bike. Das wird künftig nicht mehr möglich sein.
Ebenfalls großen Wert legt die Mannschaft in Zukunft auch die technische Weiterentwicklung. Dafür wurde Dan Bigham von Ineos Grenadiers ins Boot geholt, für ihn die neue Stelle als Head of Engineering geschaffen. “Aus unserer Sicht ist er der größte Experte auf dem Gebiet, den es gibt“, so Denk über den Briten, der auch bereits in der Formel 1 für Mercedes tätig war.
Als dritte große Säule, auf die sich Red Bull – Bora – hansgrohe ab der neuen Saison stützen will, nannte Denk “Mental Performance“. Neben Jeukendrup und Bigham, deren Verpflichtung bereits bekannt war, hat sich das Team für dieses Fachgebiet York-Peter Klöppel ins Boot geholt, ein Name, der zuvor noch nicht kommuniziert wurde. Auch er gehört aber bereits dem Red-Bull-Kosmos an, ist Head of Mental Performance im Athleten-Center in Thalgau und war zuletzt vor allem an der Seite von Formel-1-Dominator Max Verstappen im Einsatz.
In der Vergangenheit habe das Team für Psychologie keine Ressourcen gehabt. Zum modernen Radsport gehöre es aber dazu. Dabei soll Klöppel “nicht nur die Fahrer unterstützen, sondern auch den Staff, etwa wie und wann sie am besten bestimmte Dinge mit den Fahrern besprechen können“, sagte Denk abschließend.
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