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10.07.2025 | (rsn) – Ben Healy (EF Education - EasyPost) hat die 6. Etappe der 112. Tour de France nach einem beeindruckenden Soloritt für sich entschieden. Der 24-jährige Ire attackierte 43 Kilometer vor dem Ziel seine sieben Begleiter und holte sich den zehnten und bedeutendsten Sieg seiner Karriere nach 201,5 Kilometern von Bayeux nach Vire Normandie mit 2:44 Minuten Vorsprung auf Quinn Simmons (Lidl - Trek).
Der US-Amerikanische Meister entschied im 700 Meter langen und bis zu 14 Prozent steilen Schlussanstieg das Verfolgerduell gegen den Australier Michael Storer (Tudor / +2:51) für sich.
Auf den weiteren Plätzen folgten Healys Landsmann Eddie Dunbar (Jayco - AlUla), der Brite Simon Yates (Visma - Lease a Bike), der US-Amerikaner Will Barta (Movistar) und der Niederländer Mathieu van der Poel (Alpecin - Deceuninck), der sich nach einem Tag das Gelbe Trikot von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) zurückholte und nun mit einer Sekunde Vorsprung auf den Slowenen die Gesamtwertung anführt.
“Es ist unglaublich. Dafür habe ich alles gegeben. Nicht nur dieses Jahr, sondern immer. Dafür haben viele Menschen so viele Stunden gearbeitet. Heute konnte ich es ihnen zurückgeben. Es ist fantastisch!“, sagte Healy, der bereits im Jahr 2023 ebenfalls als Ausreißer eine Giro-Etappe gewinnen konnte und nun bei seiner zweiten Teilnahme auch erstmals bei der Frankreich-Rundfahrt jubeln konnte. “Letztes Jahr hat mir die Augen geöffnet. Seitdem glaubte ich, dass ich es schaffen kann. Ich habe hart gearbeitet und versucht, meinen Fahrstil noch zu verbessern. Ich habe mir viele meiner Rennen nochmal angesehen und das hat sich heute ausgezahlt.“
Healy war aufmerksam und mit von der Partie, als sich nach langem und hartem Kampf die Gruppe des Tages formierte, mit der Pogacar und UAE zufrieden waren – schließlich war van der Poel dabei, der als Gesamtsechster nur 1:28 Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot hatte, so dass der Slowene wie erhofft, seine Gesamtführung wieder abtreten konnte. Für Healy dagegen ging es nur um den Etappensieg.
“Das Profil hat mir gut gelegen. Ich hatte mir die Etappe schon vor der Tour im Roadbook angekreuzt. Ich habe vielleicht etwas zu viel investiert, um in der Gruppe dabei zu sein. Aber so bin ich einfach. Als ich dabei war, mussten wir wirklich hart für unseren Vorsprung arbeiten. Ich wusste, dass ich der Gruppe davonfahren muss. Ich habe mir meinen Moment gut ausgesucht und die Attacke gut getimt. Ich habe sie ein wenig überrascht. Und dann habe ich gemacht, was ich machen musste: Kopf runter und bis zum Ziel alles geben!“, schilderte er das Finale, in dem er seinen Vorsprung gegenüber dem Verfolgerduo souverän behauptete.
“Wenn ich bei Bens Attacke an seinem Hinterrad gewesen wäre, wäre das schön gewesen. Er hat das schlau gemacht und uns etwas überrascht. In der Verfolgergruppe habe ich dann dort attackiert, wo ich ursprünglich geplant hatte, für den Sieg anzugreifen. Leider war da schon einer weg“, sagte Simmons im Ziel zu Eurosport, nachdem er Storer im Kampf um Rang zwei bezwungen hatte. “Michael fuhr extrem stark. Dieses wellige Terrain am Ende eines schweren Tages ist aber wie gemacht für mich. Ich habe heute eine große Chance verpasst.“
Die Chance auf seinen zweiten Tour-Etappensieg verpasste auch van der Poel, der sich dann zwar das Gelbe Trikot zurückholte, das aber denkbar knapp mit nur einer Sekunde Vorsprung, nachdem Pogacar aus der Favoritengruppe heraus im Bergaufsprint noch Tagesneunter geworden war. Zuvor hatte Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) die Verfolger in die Schlussrampe hineingeführt, um letztlich zeitgleich mit Pogacar auf dem 15. Rang zu landen. “Ich habe alles reingeworfen, aber die letzten 200 Meter gingen die Beine zu, das war dann Kampf. Aber ich kann ganz zufrieden sein, weil insgesamt gingen die Beine heute dann doch ganz gut“, sagte der 24-Jährige gegenüber der ARD.
Da sein Teamkollege Primoz Roglic im Finale noch fünf Sekunden einbüßte, ist Lipowitz als Neunter im Gesamtklassement nunmehr bestplatzierter Red-Bull-Profi. Sein Rückstand auf van der Poel beträgt 2:32 Minuten, fünf Sekunden hinter ihm ist Roglic Zehnter. Hinter Pogacar folgt Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step / +0:43) auf Rang drei vor dem Franzosen Kevin Vauquelin (Arkéa – Samsic / +1:00) und dem Dänen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike / +1:14). Emanuel Buchmann belegt als zweitbester deutscher Profi den 24. Rang (+6:09).
Pogacar musste nicht nur das Gelbe, sondern auch das grüne Punktetrikot - an Jonathan Milan (Lidl – Trek) sowie das Gepunktete Trikot des besten Kletterers – an seinen Teamkollegen Tim Wellens – abgeben. Evenepoel verteidigte das Weiße Trikot des besten Jungprofis, Visma – Lease a Bike bleibt in der Teamwertung vorn.
Die 6. Etappe der Tour de France startete rasant. Intermarché – Wanty und Lidl – Trek setzten sich an die Spitze des Feldes und kontrollierten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 50 km/h das Rennen bis zum Zwischensprint nach 22 Kilometern. Dort holte sich Jonathan Milan (Lidl – Trek) die maximal möglichen 20 Punkte im Kampf um das Grüne Trikot. Dahinter sprinteten Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck) und Biniam Girmay (Intermarché – Wanty) auf die Plätze zwei und drei.
Unmittelbar entbrannte der Kampf um die Ausreißergruppe des Tages. Zuerst versuchten es Quinn Simmons (Lidl – Trek) und Ben Healy (EF Education – EasyPost). Sie wurden an der Côte du Mont Pincon (3. Kat) vom Feld wieder eingeholt. Simmons nahm dort aber noch den Bergpreis und zwei Zähler mit.
Am zweiten Anstieg des Tages entwickelte sich ein regelrechtes Ausscheidungsrennen. An der Côte de la Ranconniere (3. Kat.) holte sich Tim Wellens (UAE - Emirates – XRG) zwei Punkte und damit virtuell das Bergtrikot von seinem Kapitän Pogacar zurück. Nach 60 Kilometer setzte sich eine weitere, von van der Poel initiierte Gruppe leicht ab.
Das Streckenprofil der 6. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter
Dabei waren noch Healy, Simmons, Harold Tejada (XDS – Astana) und Will Barta (Movistar). Kurz darauf stießen Eddie Dunbar (Jayco – AlUla), Simon Yates (Visma – Lease a Bike) und Michael Storer (Tudor) hinzu. Der Abstand auf das Feld blieb aber zunächst gering, ehe nach über zwei Rennstunden und knapp gefahrenen 100 Kilometern hinten Ruhe einkehrte.
Die achtköpfige Gruppe hatte nun erstmals einen Vorsprung von über einer Minute und das Team UAE – Emirates – XRG kontrollierte in der Folge das Geschehen im Feld. Dahinter fanden zurückgefallene Fahrer um Wout Van Aert (Visma – Lease a Bike), der zu Beginn der Etappe noch Akzente gesetzt hatte, zusammen. Im noch weiter zurückliegenden Grupetto waren die Sprinter um Milan dabei.
Währenddessen wuchs der Rückstand des von UAE angeführten Hauptfeldes auf die Ausreißer weiter an. Am nächsten Bergpreis an der Côte de Mortain Cote 314 betrug er 2:45 Minuten auf Dunbar, der sich vor Healy zwei Zähler holte. Zu diesem Zeitpunkt deutete sich bereits an, dass Pogacar sein Gelbes Trikot nicht verteidigen wollte. An der Côte de Juvigny-le-Tertre betrug der Abstand schon 3:45 Minuten. Angesichts der zwei Punkte, die an Storer gingen, und einem Zähler, den Dunbar mitnahm, war klar, dass Wellens erneut ins Gepunktete Trikot schlüpfen würde.
42 Kilometer vor der Ziellinie setzte Healy seine unwiderstehliche Attacke. Er konnte sich schnell einen Vorsprung von einer halben Minute auf seine Kontrahenten herausfahren. An der Côte de Saint-Michel-de-Montjoie (3. Kat.) war der bereits auf eine Minute angewachsen, ehe Storer und Simmons sich auf die Jagd nach dem Spitzenreiter machten.
Doch 15 Kilometer vor dem Ende war klar, dass Healy angesichts eines Vorsprungs von nunmehr eineinhalb Minuten von Storer und Simmons nicht mehr eingefangen werden würde. Auf den letzten Kilometern wurde der Abstand zu den beiden Verfolgern sogar noch größer, hinter ihnen fiel der Rest der Gruppe auch noch auseinander. Van der Poel konnte seinen Begleitern nicht mehr folgen und kam schließlich mit 3:58 Minuten Rückstand als Achter ins Ziel. Das reichte aber, sich um eine Sekunde wieder an die Spitze der Gesamtwertung zu setzen.
2:44 Minuten nach Healy sicherte sich Simmons Platz zwei, nachdem er sich von Storers frühzeitiger Attacke unbeeindruckt zeigte und den Tudor-Kapitän auf den letzten Metern mühelos abfing. Mit knapp 5:30 Minuten Rückstand kam das von Pogacar angeführte und weiter geschrumpfte Feld an.
Lipowitz setzte sich im Schlussanstieg an die Spitze und erreichte schließlich als Fünfzehnter das Ziel zeitgleich mit Pogacar, der auf den letzten Metern nochmals beschleunigte und als Tagesneunter nicht nur bester Fahrer der Favoritengruppe war, sondern um ein Haar das Gelbe Trikot noch verteidigt hätte.
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