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22.07.2025 | (rsn) - Es sah gar nicht gut aus für Felix Gall (Decathlon – AG2R). Nach dem Aufstehen hätte der Österreicher den Tag mit der Bergankunft auf dem legendären Mont Ventoux fast abhaken können. "Ich hatte eigentlich gut geschlafen, doch am Morgen bekam ich auf einmal Schweißausbrüche. Dann war mir wieder kalt", erzählte der 27-Jährige nach dem Rennen vor dem Teambus am Fuße des weißen Riesen der Provence.
Zum Glück hatte sich der Kreislauf eine Stunde später wieder stabilisiert. Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht und so konnte Gall feststellen: "Ein sehr spezieller Tag heute. Letztendlich bin ich aber mit einem blauen Auge davongekommen. Von daher war es vielleicht sogar ein guter Tag."
Gall war zwar der Erste aus den Top Ten, der sich aus der Favoritengruppe verabschieden musste, überholte mit seinem eigenen Tempo anschließend aber noch Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) sowie Kévin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) und erreichte als Tages-17. mit 3:33 Minuten Rückstand auf Etappensieger Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) den Gipfel. Damit baute er als Siebter der Gesamtwertung seinen Vorsprung auf den Achtplatzierten Johannessen von 33 Sekunden auf 2:11 Minuten aus und rückte bis auf 1:30 Minuten an den Sechstplatzierten Vauquelin heran.
Die "komischen Gefühle" vom Vormittag hatten sich auch auf der Piste fortgesetzt, wie der Lienzer erzählte: "Am Anstieg konnte ich zu Beginn das Tempo nicht mitgehen und musste den ganzen Anstieg allein hochfahren. Doch wie am Morgen änderte sich auch das zum Guten. Ich bin immer besser reingekommen", freute er sich, um dann sich selbst beruhigend festzustellen:
"Körperlich kann eigentlich nichts sein, sonst wäre diese Leistung nicht möglich gewesen. Man merkt, dass wir in der dritten Woche sind, die ist immer speziell. Da ist Müdigkeit, nicht nur bei mir, sondern im ganzen Fahrerfeld."
Egal wie, seinen guten siebten Platz (+14:40) in der Gesamtwertung will der Österreicher nun mindestens verteidigen. "Wenn ich mit Platz 7 in Paris einfahren kann, bin ich sehr, sehr zufrieden. Ich hätte natürlich auch nichts dagegen, wenn es noch weiter nach vorne gehen würde", sagte der Tour-Achte von 2023 mit einem Augenzwinkern.
Großes Risiko will er keins mehr eingehen, um noch etwas weiter nach vorne zu kommen, wo die ersten beiden Plätze durch den Gesamtführenden Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bilke) fest vergeben scheinen. Um Platz 3 streiten sich der Deutsche Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe / + 9:03), dessen fünftplatzierter Teamkollege Primoz Roglic (+ 11:42), der Vierte Oscar Onley (Picnic – PostNL / + 11:04) und Vauquelin (+ 13:20) als Sechster.
Den Franzosen hat Gall sicher im Blick und wird ihn wohl noch angreifen. "Ich werde aber kein großes Risiko mehr - zum Beispiel in einer Fluchtgruppe – eingehen, sondern eher an einem Schlussanstieg etwas probieren", hat sich Gall vorgenommen. "Die nächsten beiden Tage versuche ich langweilig und konservativ rüberzubringen", verriet er wohlwissend, welche Aufgaben noch auf das Peloton warten.
Gall: "Die Etappe am Col de la Loze (am Donnerstag) wird hammerhart. Da muss man als Fahrerfeld gar nicht viel machen, da sie von sich aus schon so selektiv ist. Mit La Plagne am Tag danach wird das ein Doppelschlag. Ich kann nicht viel mehr machen, als mich zu verteidigen und eine Chance nutzen, wenn diese sich bietet."
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