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26.04.2026 | (rsn) – Genauso souverän wie Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) dem Männerrennen seinen Stempel aufdrückte, so hat Demi Vollering (FDJ United – Suez) das Lüttich-Bastogne-Lüttich Femmes (1.UWT) dominiert. Die Europameisterin entschied die 10. Ausgabe des Ardennenklassikers über 156 Kilometer zwischen Bastogne und Lüttich nach einer Attacke an der Redoute rund 34 Kilometer vor dem Ziel für sich und ist mit nunmehr drei Siegen alleinige Rekordhalterin.
Die 29-Jährige Niederländerin, die sich bei den beiden vergangenen Austragungen des Rennens jeweils mit dem dritten Platz hatte begnügen müssen, ließ diesmal den Konkurrentinnen keine Chance und sicherte sich ihren sechsten Saisonsieg mit 1:29 Minuten Vorsprung auf eine dreiköpfige Verfolgerinnengruppe, aus der heraus sich ihre Landsfrau Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) wie bereits im Vorjahr Platz zwei sicherte.
Dritte wurde die Polin Katarzyna Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto) die damit erstmals seit der Premiere 2017 wieder auf dem Podium in Lüttich landete. Schon damals war Rang drei herausgesprungen.
Dagegen musste sich die Niederländerin Anna van der Breggen (SD Worx – Protime), Gewinnerin der ersten beiden Ausgaben, diesmal mit dem vierten Platz begnügen. Fünfte wurde die Spanierin Paula Blasi (UAE – Team ADQ / +1:48 ), die nach ihrem Sieg beim Amstel Gold Race (1.WWT) und Platz drei beim Flèche Wallonne (1.WWT) auch beim schwersten der drei Ardennenklassiker zu beeindrucken wusste.
“Es ist unglaublich. Ich wollte unbedingt noch einmal hier gewinnen. Ich liebe dieses Rennen und es bringt jedes Mal gute Erinnerungen zurück. Auch an die Zeit, als es noch gar kein Frauenrennen gab und ich Club-Fahrerin war ohne zu wissen, ob es jemals ein Frauenrennen geben würde. Dann haben wir ein Rennen bekommen, ich wurde Profi, und jetzt habe ich das dritte Mal gewonnen. Es ist einfach unglaublich. Ich bin sehr stolz auf mich, Frauensport verdient so viel mehr“, sagte eine zu Tränen gerührte Vollering im Ziel-Interview.
Ihren Sieg hatte sie mit einer geplanten und unwiderstehlichen Attacke rund 34 Kilometer vor dem Ziel vorbereitet, nachdem der ursprüngliche Plan nicht ganz aufgegangen war. “Wir wollten es an der Redoute versuchen, eigentlich mit einer Teamkollegin (Elise Chabbey, d. Red.) in einer Spitzengruppe davor. Das hat so nicht funktioniert. Ich habe es trotzdem versucht, obwohl es von da an ein weiter Weg war. Ich habe es aber geschafft“, so die bisher stärkste Fahrerin dieser Saison, deren Equipe auf nicht weniger als 15 Siege kommt, wovon sieben bei den Klassikern erzielt wurden. Vollering allein gewann vier, Chabbey siegte bei Strade Bianche, Franziska Koch triumphierte bei Paris-Roubaix, die junge Französin Celia Gery sicherte sich den Pfeil von Brabant.
“Wir wissen alle ganz genau, wie gut wir sind und um die Stärken jeder Fahrerin im Team. Wir machen einen Plan und machen es immer wieder gut. Ich bin stolz auf jede Fahrerin im gesamten Team, die sich an den Plan gehalten und keine Angst hatten, sich selbst ans Limit zu bewegen, um hier zu gewinnen. Es ist großartig“, lobte Vollering ihre Helferinnen in Lüttich.
Platz sechs belegte zeitgleich die 20 Jahre alte Kanadierin Isabella Holmgren vom deutschen Team Lidl – Trek vor Vollerings Schweizer Teamkollegin Elise Chabbey (+1:56) und Weltmeisterin Magdeleine Vallieres (EF Education – Oatly / +1:56). Als beste deutsche Fahrerin kam Niewiadomas Teamkollegin Antonia Niedermaier (+2:52) auf Position 20 ins Ziel.
Bei strahlendem Sonnenschein ließ das Feld lange Zeit keine Ausreißaktionen zu. Ein Sturz von Weltmeisterin Vallieres (EF Education – Oatly) war zunächst der einzige Aufreger, ehe an der Col de Haussire, dem ersten von zehn Anstiegen, nach knapp 30 Kilometern die ersten Fahrerinnen zurückfielen. Zugleich formierte sich eine mit Elise Chabbey (FDJ United - Suez), Sara Casasola (Fenix - Premier Tech), Nienke Vinke (SD Worx - Protime), Femke De Vries (Visma - Lease a Bike) und Riejanne Markus (Lidl - Trek) stark besetzte Gruppe, der aber auch keine längere Existenz beschieden war.
Besser sah der Versuch von Femke Gerritse (SD Worx - Protime) aus. Die Niederländerin attackierte nach rund 40 Kilometern und erarbeitete sich schnell einen Vorsprung mehr als zwei Minuten, der aber an der Côte de Wanne, dem zweiten Anstieg des Tages, bereits wieder auf die Hälfte geschrumpft war. An der Côte de la Haute-Levée war auch Gerritse wieder gestellt
Visma – Lease a Bike und UAE – Team ADQ machten auf dem Weg zum Col du Rosier die Tempoarbeit im Feld. Einige Fahrerinnen mussten dem hohen Tempo bereits hier Tribut zollen, doch Èvita Muzic (FDJ United - Suez), Mischa Bredewold (SD Worx - Protime) und Liane Lippert (Movistar) kämpften sich in der folgenden Abfahrt wieder an das Peloton heran.
Das Streckenprofil des 10. Lüttich-Bastogne-Lüttich Femmes | Foto: Veranstalter
Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) testete dann ihre Gegnerinnen am Col du Maquisard und fuhr in einer Vierergruppe mit wenigen Sekunden Vorsprung über die Kuppe. Danach lief allerdings wieder alles zusammen. Am folgenden Anstieg zur Côte de Desnié setzte sich dann eine siebenköpfige Gruppe mit Chabbey, Teamkollegin Juliette Berthet, Femke de Vries (Visma - Lease a Bike), Noemi Rüegg (EF Education - Oatly), Holmgren, Niedermaier und Maeva Squiban (UAE – ADQ) vom Feld ab und hatte kurzzeitig einen Vorsprung von knapp 40 Sekunden. Vor der Côte de la Redoute war der Ausreißversuch aber bereits wieder beendet, und das Finale begann.
FDJ United -Suez führte Vollering in die Côte de la Redoute hinein. 500 Meter vor der Kuppe des 1,6 Kilometer langen Anstiegs forcierte die Niederländerin das Tempo und setzte ihre entscheidende Attacke. In der folgenden kurzen Abfahrt lag sie 15 Sekunden vor einer vierköpfigen Verfolgerinnengruppe mit Pieterse, Niewiadoma, Holmgren und Niamh Fisher-Black (beide Lidl - Trek), aus der Fisher-Black zurückfiel. Der Abstand zu der überragenden Vollering wuchs bis zum Fuß der Côte de Forges auf 30 Sekunden an.
Vollering baute im Anstieg zur Côte de la Roche-aux-Faucons, dem letzten Anstieg des Tages, ihren Vorsprung auf über eine Minute aus und beseitigte damit alle Zweifel, das ihr der Rekord gelingen würde. Der Kampf um Platz zwei dagegen blieb auch nach dem Anstieg spannend. Niewiadoma, Pieterse und Holmgren waren weiterhin zusammen unterwegs und hatten auf die Verfolgerinnen einen Abstand von 30 Sekunden. Dort hatte sich ein weiteres Trio gebildet, nachdem van der Breggen attackiert hatte. In ihrem Schlepptau hatte sie Chabbey und die erneut starke Blasi.
Im letzten steilen Abschnitt des Rennens schaffte van der Breggen solo den Anschluss zum Verfolgerinnentrio und lancierte sofort den nächsten Angriff. Damit war die Niederländerin plötzlich Teil des Kampfs um die Podestplätze, Holmgren allerdings nicht mehr, denn die Kanadierin konnte diesem Tempo nicht folgen.
Vollering fuhr ungefährdet ihrem nächsten großen Klassikersieg in dieser Saison entgegen. Auf der Zielgerade ging van der Breggen an erster Position in den Sprint, in dem sie aber chancenlos war. Pieterse dagegen zog von dritter Position auch an Niewiadoma vorbei und holte damit vor der Polin Platz zwei. Blasi sicherte sich im Sprint gegen Holmgren den fünften Platz, nachdem sie auf den letzten Kilometern noch an die Kanadierin herangefahren war.
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