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01.07.2026 | (rsn) - Bescheiden geht Specialized die Präsentation ihres neuen Rennrads nicht gerade an. Nach vielen Leaks stellt der kalifornische Hersteller das Tarmac SL9 als "schnellstes Rennrad der Welt" vor. Schon vor einigen Wochen tauchten die ersten Bilder im Internet auf. Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) pilotierte das neue Modell schließlich auch schon zum Sieg der Slowenien-Rundfahrt. Nun ist das Rad offiziell im Handel erhältlich.
Auf den ersten Blick hat sich im Vergleich zum Vorgänger optisch nicht viel geändert. Das Konstruktionsbüro in Freiburg im Breisgau blieb der Grundidee des SL8 treu, einige Verbesserungen fielen den Entwicklern aber noch ein.
Der sogenannte "Speed Sniffer“ am Steuerrohr etwa wurde nun besser in die Formsprache integriert. Dabei spielt die neue Gabel eine Rolle - sie fällt etwas flächiger aus und benötigt jetzt einen Lenkeinschlagbegrenzer.
Vielleicht am auffälligsten sind die Ausformungen an Sattelstütze und Sitzrohr. Die sogenannte Win Fin an Letzterem bringt ihren aerodynamischen Vorteil jedoch nur, wenn am Sitzrohr keine Flasche ist, was laut Specialized im Rennfinale oft der Fall ist. Bei der Rahmengeometrie ändert sich im Vergleich zum SL8 fast nichts. Viele Rahmengrößen werden nun aber mit kürzeren Kurbeln und einem schmaleren Lenker geliefert.
Trotz der aerodynamischen Verbesserungen, die mit mehr Materialeinsatz einhergehen, ist das Rad leichter geworden. Specialized gibt eine Gewichtseinsparung von 90 Gramm an, konkretisiert diese Angabe indes nicht näher. Bereits der Vorgänger war jedoch sehr leicht, was Lorena Wiebes beim Giro d’Italia zu spüren bekam.
Der Rahmen des Specialized von Olympiasieger Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) glitzert standesgemäß mit goldener Lackierung. | Foto: Red Bull - Bora - hansgrohe
Bei der Reifenfreiheit zeigen sich die Kalifornier eher konservativ und geben den Rahmen für maximal 32 mm Reifen frei. Die Konkurrenz tendiert bei modernen Straßenrädern meist schon zu 34 mm oder mehr.
Laut den Simulationen des Herstellers, bei denen Rollwiderstand, Luftwiderstand und Gewicht eingerechnet wurden, ergibt dieses Gesamtpaket das aktuell schnellste Rennrad, auf das man sich setzen kann.
Platz zu nehmen ist aber noch sehr teuer. Aktuell bietet Specialized das Fahrrad nur in der Top Ausführung S-Works und wahlweise mit Shimano Dura Ace oder SRAM RED an. Für beide Optionen sind jeweils 13.999 Euro fällig, das Rahmenset schlägt mit 5.799 Euro zu Buche, man darf aber davon ausgehen, dass günstigere Varianten folgen werden.
Bis auf die Schaltung kommen alle Anbauteile am SL9 von Specialized selbst. | Foto: Red Bull - Bora - hansgrohe
In den Presseinformationen finden sich dafür konkrete Berechnungen zu den Finals bedeutender Rennen wie Lüttich-Bastogne-Lüttich oder der Weltmeisterschaft in Montreal. Laut diesen Kalkulationen soll das Rad jeweils schneller sein als die Konkurrenz, die in diesem Fall aus dem Colnago Y1RS, dem Cervélo S5 und dem Factor One bestand. Die für die Simulationen gewählten Streckenabschnitte waren dabei jedoch nie flach und bei den Modellen der Konkurrenz handelte es sich jeweils um "reinrassige“ Aero-Bikes und nicht um Allround-Modelle wie das SL9.
Immerhin muss das Fahrrad für von Specialized ausgestattete fünf World-Tour-Teams der Männer und Frauen passen: AG Insurance - Soudal, Soudal - Quick-Step, SD Worx - Protime, FDJ - Suez United und Red Bull - Bora - hansgrohe. Das SL9 wird also idealerweise sowohl Tim Merlier zum Sprintsieg als auch Florian Lipowitz und Remco Evenepoel durchs Hochgebirge tragen.
Das schnellste Rennrad der Welt soll diesen Spagat aber perfekt lösen.