Deutsches Nationalteam bei der L´Avenir

Zemkes Zwischenbilanz: “Die großen Chancen haben wir verpasst“

Von Felix Mattis

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Jermaine Zemke (Rembe - rad-net) | Foto: Cor Vos

24.08.2026  |  (rsn) - Bei der wichtigsten Nachwuchsrundfahrt der Saison, der Tour de l’Avenir (2.2U), tritt Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) vom 20. bis zum 26. August für die Deutsche Nationalmannschaft in die Pedale. Außerdem hat sich der 20-Jährige bereit erklärt, für RSN jeweils nach den sieben Etappen seine Eindrücke und Gedanken zu schildern.

Kein Top-10- und nur ein Top-20-Ergebnis: Das ist die Ausbeute der Deutschen Nationalmannschaft aus den ersten vier Etappen der Tour de l'Avenir (2.2U) in flacheren Gefilden, bevor es ab Montag auf den letzten drei Teilstücken mit dem Bergzeitfahren von Flaine sowie zwei weiteren Bergankünften in die Alpen geht. "Die großen Chancen haben wir jetzt verpasst", zog Zemke daher auf dem Weg in die Berge eine etwas frustrierte Zwischenbilanz.

"Es ist wirklich schade: Die ersten vier Tage haben uns als Team gut gelegen, aber wir konnten es einfach nicht umsetzen", meinte er. "Das ist ziemlich ärgerlich, aber daraus müssen wir lernen. Jeder hatte hier ein bisschen seine Schwierigkeiten, zu normaler Form zu finden oder umzusetzen, was wir normal können. Woran das liegt, weiß ich noch nicht genau."

Die zahlreichen Stürze, durch die auch das deutsche Team in den vergangenen Tagen beeinträchtigt wurde, wollte Zemke nicht als Ausrede gelten lassen. "Hier sind schon ganz viele gestürzt, riesen Massencrashs und jeder Zweite hat irgendwo Verband an Armen oder Beinen. Deshalb können wir das nicht als Ausrede nutzen", erklärte er, gab aber zu, dass er nach seinem eigenen Sturz auf Etappe 3 nun auf der 4. Etappe durchaus "noch ganz schön Probleme mit den Wunden" hatte. Dadurch habe sich der Sonntag für ihn anders gestaltet, als erhofft und er sei mehr auf "durchkommen" gefahren, denn auf Spitzengergebnis.

Das war insofern bitter, als dass Zemke die Ankunft in Semur-en-Auxois mit einem ansteigenden Schlusskilometer, großteils auf Kopfsteinpflaster, durchaus gelegen hätte. Doch am Ende kam er selbst nur als 49. im Ziel an und Eike Behrens sorgte für das beste German-Cycling-Ergebnis auf Platz 23 – drei Plätze vor dem für die Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies fahrenden Paul Fietzke als zweitbestem Deutschen.

"Extrem gefährliche" Gruppe verpasst: "Sehr, sehr ärgerlich"

"Eike hat mit reingehalten und wurde 23. – ein durchaus starkes Ergebnis, aber nicht das, wofür wir hier waren", so Zemke, der berichtete, dass der Plan des deutschen Nationalteams schon zu Etappenbeginn nicht aufgegangen war: "Wir haben vor der Etappe gesagt, dass wir in der Gruppe dabei sein wollen und das haben wir wieder nicht geschafft. Das war sehr, sehr ärgerlich, weil es eine extrem gefährliche Gruppe war", sagte der 20-Jährige.

Tatsächlich kamen die zehn Ausreißer des Tages beinahe durch: Erst auf dem Schlusskilometer rauschte das Feld von hinten heran und im ansteigenden Schlussspurt konnten sich drei der Spitzenreiter noch in den Top 5 halten. Nur der Franzose Aubin Sparfel (Decathlon – CMA CGM Development) kam noch an allen vorbei und gewann so aus dem Feld heraus das Teilstück.

"Nachdem die zehn Mann weg waren, waren wir uns eigentlich sicher, dass die auch durchkommen und haben das Rennen für uns schon abgeschrieben. Aber wir haben uns auch nicht in der Pflicht gesehen, hinterher zu fahren, weil wir niemand hatten, der das Ding hätte abschießen können", erzählte Zemke vom Etappenverlauf aus deutscher Perspektive.

Berg-Trilogie zum Abschluss nicht fürs deutsche Team gemacht

"So haben wir erstmal nur im Feld gesessen und das Ganze beobachtet. Ich habe versucht, ein bisschen Körner zu sparen und zu versuchen, dass ich einfach durchkomme und mich vom Sturz erholen kann. Richtung Ziel wurde es im Feld nochmal richtig schnell und auf einmal haben wir sogar die Gruppe wieder vor uns gesehen. Die müssen echt viel taktiert haben, sonst wären wir nicht so nah wieder rangekommen", so der Hesse. "Ärgerlich, dass wir nicht in der Gruppe waren. Aber ich glaube da kann sich jeder an die eigene Nase packen, inklusive mir."

Im weiteren Verlauf der L'Avenir müsste nun wohl einiges zusammenkommen, damit es für das deutsche Nationalteam noch zu einem Sieg reicht. Das 11,4 Kilometer lange Bergzeitfahren von Les Carroz bei durchschnittlich 6,4 Prozent hinauf nach Flaine am Montag und auch die Königsetappe über den Col des Saisies sowie den Cormet de Roseland zur ewig langen Schlusssteigung auf den Col de l'Iseran am Dienstag oder die abschließende Bergankunft am Lago Serrù in Italien am Mittwoch – sie alle sind nicht wirklich gemacht für die diesjährige deutsche Selektion in Frankreich.

"Heute das Bergzeitfahren, da werden die Top 10 super schwer, denn dafür haben wir nicht die Rennfahrer hier. Und auch in den nächsten Tagen können wir eigentlich nur auf Gruppe gehen und das Ganze ein bisschen als Weiterentwicklung sehen – eine siebentägige Rundfahrt nutzen, um uns als U23-Fahrer weiterzuentwickeln", blickte Zemke voraus.

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