Die Favoriten bei der Vuelta a España 2026

Alle gegen Pogacar – Slowene jagt das Triple

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Alle gegen Pogacar – Slowene jagt das Triple"
Nach der Tour de France ist vor der Vuelta a España. In diesem Jahr auch für Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG). | Foto: Cor Vos

21.08.2026  |  (rsn) – Wer kann Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) schlagen? Diese Frage stellen sich 22 andere Teams bei der diesjährigen Vuelta a España (2.UWT). Wenn die Rundfahrtenergebnisse der letzten zweieinhalb Jahre eine Indikation sind, lautet die Antwort: niemand. Natürlich geht der Slowene nach seinem fünften Gesamtsieg bei der Tour de France (2.UWT) als haushoher Favorit in die Spanien-Rundfahrt.

“Es wird ein extrem hartes Rennen“, sagte Pogacar vor dem Start der Grand Tour in seiner Wahlheimat Monaco. “Hier sind einige sehr starke Rennfahrer am Start. Jeden, der hier ist, erwarte ich in Topform und es sind einige sehr, sehr gute Fahrer da. Es ist niemals einfach.“

Eine Hoffnung für seine Konkurrenten könnte sein, dass der Dominator noch andere Ziele in diesem Jahr hat. Er will zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden, zum fünften Mal in Serie die Lombardei-Rundfahrt gewinnen und in seiner Heimat Slowenien den Titel als Europameister verteidigen. Diese Planungen werden in seine Herangehensweise bei der Vuelta einfließen. “Ich muss sehen, wie meine Form während der ersten Etappen ist und auf die großen Rennen im Anschluss schauen“, erklärte er. “Ich darf das Rennen nicht komplett zerstört beenden. Ich muss smart fahren und dann sehen wir während der ersten Etappen, wie wir es angehen.“

Die Vuelta 2026 erlaubt keine Ruhepausen. Über die drei Wochen verteilen sich sieben schwere Bergankünfte und schon mit dem Eröffnungszeitfahren in Monaco kann es Abstände geben, umso mehr auf der 4. Etappe durch die Pyrenäen in Andorra. Schon dort könnte Pogacar für so große Abstände sorgen, dass er den Rest der Rundfahrt energiekonservierend angehen kann.

Gall will zweites Grand-Tour-Podium 2026

Motiviert wird der Slowene sein. Die Vuelta ist eines der wenigen Rennen, die in seinem Trophäenschrank noch fehlen. Entsprechend wird er alles daransetzen, bei seinem zweiten Anlauf in Spanien nach 2019 (Platz drei), im Roten Trikot zur Schlussetappe nach Granada zu kommen. Mit Pablo Torres, Pavel Sivakov Kevin Vermaerke und Jay Vine hat er zu diesem Zweck starke Berghelfer am Start. Nach einer krankheitsbedingt verkorksten Saison stehen noch Fragezeichen hinter dem Leistungsvermögen seines eigentlichen Adjutanten Joao Almeida. Domen Novak und Ivo Oliveira sollen den Kapitän auf den wenigen Flachstücken dieser extrem bergigen Rundfahrt unterstützen.

Eine Grand Tour bietet immer Unwägbarkeiten, selbst für einen “Außerirdischen“ wie Pogacar. Umso interessanter wird die Herangehensweise seiner Kontrahenten sein – und ob sie eher auf sich untereinander, oder auch auf den scheinbar übermächtigen Slowenen schauen.

Als erster Mann hinter Pogacar dürften viele Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) nennen. Der Österreicher wurde beim Giro d’Italia nur von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) geschlagen, auch in Spanien will er aufs Podest. In der Vorbereitung gewann er die Burgos-Rundfahrt (2.Pro) vor einigen Konkurrenten bei der Vuelta. "Beim Giro habe ich den nächsten Schritt machen können. Aber es war natürlich schon auch wichtig zu sehen, dass ich auf dem richtigen Weg bin für den zweiten Höhepunkt in der Saison“, sagte er gegenüber der Agentur APA vor dem Start in Monaco.

Mit Gregor Mühlberger hat er seinen Landsmann und Giro-Edelhelfer auch in Spanien an seiner Seite, dazu kommt mit Matthew Riccitello ein weiterer starker Berghelfer. Das Ziel lautet aber für Gall ausdrücklich Podest: "Da muss schon sehr viel passieren, dass er nicht gewinnt", sagte der Österreicher über Pogacar. "Ich rechne nicht wirklich damit, Tadej schlagen zu können."

Die weiteren Favoriten auf das Vuelta-Podium

Für die meisten geht es wohl eher darum, Erster hinter Pogacar zu werden. In dieser Phalanx finden sich auch Richard Carapaz (EF Education – EasyPost), der eine starke Tour mit dem Gewinn des Bergtrikots und zwei Etappensiegen abschloss, Oscar Onley (Netcompany – Ineos), der bei der Burgos-Rundfahrt hinter Gall Zweiter wurde, Enric Mas (Movistar), der bei seinem Heimrennen schon viermal auf dem Podest stand und Mattias Skjelmose (Lidl – Trek).

Mit dabei ist auch der Rekordsieger der Vuelta. Wie gut Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) allerdings nach seinem Unfall vor einigen Wochen in Form ist, ist ungewiss. Er selbst spielte seine Gesamtwertungsambitionen herunter – „Socken anzuziehen war in den letzten Wochen das härteste für mich“, sagte er. Ob das nur Understatement des Slowenen ist, der sich mit einem fünften Gesamtsieg als alleiniger Rekordhalter in die Annalen eintragen würde – weiß wohl nur er selbst. Klar ist: Ein Roglic in absoluter Topform wäre einer der wenigen Fahrer, die seinen Landsmann in größere Schwierigkeiten bringen könnten. Das gelang dem 36-Jährigen allerdings auch schon seit längerem nicht mehr.

Als ehemaligem Gesamtsieger gebührt auch Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) eine Nennung in der Favoritenliste. In seinem Team muss der US-Amerikaner nicht wie sonst die Rolle des Berghelfers einnehmen, sondern wird Freiheiten bekommen. Das niederländische Team könnte sich aber auch auf Etappensiege mit ihm, Wout van Aert, Matthew Brennan und Co. konzentrieren. Vielleicht ist das angesichts der Anwesenheit des neuen “Kannibalen“ die erfolgsversprechendere Option.

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