Bei letzter Grand Tour für Red Bull auf dem Podium

Roglic verpasst Vuelta-Rekord und ist trotzdem zufrieden

Von Paul Grosch

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Zum ersten Mal in seiner Karriere stand Primoz Roglic als Zweiter auf dem Podium der Vuelta a Espana. | Foto: Cor Vos

14.09.2026  |  (rsn) – Seine möglicherweise letzte Chance auf den Rekord konnte Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) nicht nutzen. Der 36-jährige Slowene muss sich bei der Vuelta a Espana 2026 mit dem zweiten Gesamtrang zufriedengeben. Auf Enric Mas (Movistar) und sein fünftes Rotes Trikot, mit dem er zum alleinigen Rekordsieger der Spanien-Rundfahrt vor Roberto Heras aufsteigen könnte, fehlen Roglic auch nach der Schlussetappe in Granada 2:15 Minuten. Mit seiner letzten Grand Tour im Red-Bull-Dress sind Fahrer und Team dennoch zufrieden.

“Das Ergebnis ist am Ende natürlich superschön. Dieser zweite Platz ist ein Sieg für mich“, sagte ein glücklicher Roglic am Sonntagabend bei Eurosport. “Der Weg dorthin war für mich natürlich hart. Schon alleine, in welcher Verfassung ich in Monaco an den Start gegangen bin. Das habe ich wahrscheinlich nur gemacht, weil ich dort zu Hause starten wollte. Ich hätte dort nie erwartet, das am Ende erreichen zu können.“

Die Vorbereitung vor der Spanien-Rundfahrt verlief nicht optimal. Roglic hatte nach der Tour de Suisse und den Nationalen Meisterschaften im Juli eine Rennpause eingelegt. Alles war auf die Vuelta ausgelegt. Dann wurde er im Training von einem Auto angefahren, was seinen Auftritt bei der Clásica San Sebastián Anfang August verhinderte. Auch die Vuelta a Burgos, das normalerweise als letztes Etappenrennen in Vorbereitung auf die Vuelta gilt, musste der Slowene auslassen. Seine Form vor dem Auftaktzeitfahren in Monaco am 22. August war somit unsicher.

Kein Sieg, aber doch ein Rekord für Roglic

Das deutsche Team gab als Ziele einen Etappensieg und das "bestmögliche Ergebnis in der Gesamtwertung" mit Roglic aus. Der Belgier Jordi Meeus erreichte viermal ein Top-Drei-Ergebnis, im Kampf um einen Tagessieg war jedoch meist Jungstar Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike). Roglic schaffte es zum sechsten Mal in seiner Karriere auf das Gesamtpodium - damit glich er in dieser Kategorie ebenfalls mit Heras aus - zum ersten Mal als Zweiter.

Nach der sturzbedingten Aufgabe von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) auf der 8. Etappe schien es so, als wäre die Vuelta so offen wie lange nicht. Roglic konnte sich in den Bergen zuvor immer in der Verfolgergruppe hinter dem Weltmeister halten und lag in der Gesamtwertung plötzlich auf dem 2. Platz hinter Mas. Lediglich eine Minute betrug sein Rückstand. Mit dem langen Zeitfahren in der Schlusswoche schien das fünfte Rote Trikot plötzlich in Reichweite. Doch genau dieses Trikot schien Mas wie vielen anderen Fahrern zuvor Flügel zu verleihen.

Auf den folgenden Bergetappen in der zweiten Woche verlor Roglic kontinuierlich immer mehr Zeit. Im Zeitfahren holte er außerdem “nur“ 33 Sekunden auf den spanischen Gesamtführenden gut. Auf den zwei anschließenden Bergetappen versuchte es Red Bull noch einige Male, doch Mas und Movistar waren zu stark. Roglic hingegen vermisste oft stärkere Helfer in den Bergen, die ihm als Anfahrer für Attacken oder Relaisstation auch taktisch mehr Optionen gegeben hätten.

Keine Kraft mehr für die große Schlussoffensive

Auf der Königsetappe am Samstag warf das Team noch einmal alles rein und schaffte es, auch später in der Etappe einige Helfer um seinen Kapitän zu platzieren. “Wir hatten noch einmal einen Plan ausgearbeitet und alle haben sich daran gehalten“, erklärte Sven Vanthourenhout, der Sportliche Leiter von Red Bull. “Wir hatten drei Punkte auf der Strecke markiert, an denen wir angreifen konnten. An jedem dieser Punkte stand mindestens ein Helfer bereit, der Primoz unterstützen konnte.“

Doch die Großoffensive verpuffte. “Bei Kilometer 147 fragten wir Primoz, doch bald wurde klar, dass ihm die Kraft für den Plan fehlte“, sagte Vanthourenhout gegenüber der slowenischen Nachrichtenagentur STA. “Unsere Fahrer standen bereits an der Spitze bereit, um ihm zu helfen, aber er meinte, er wollte lieber bis zum Schlussanstieg warten.“ An genau diesem Collado del Alguacil war es dann Felix Gall (Decathlon – CMA – CGM), der Fahrer, der hinter Roglic in der Gesamtwertung lag, der attackierte.

Doch der Slowene zeigte seinen gewohnt großen Kampfgeist und rettete seinen zweiten Gesamtrang mit einem Vorsprung von 29 Sekunden ins Ziel. “Er hat sich ein Lob verdient“, zeigte sich auch Vanthourenhout trotzdem zufrieden. “Wir wussten, dass er nach der Kollision mit dem Auto nicht optimal vorbereitet war. Letztendlich haben wir das Beste aus dem Team und aus Primoz selbst herausgeholt.“ Der Tenor des fünfachen Vuelta-Gesamtsiegers hörte sich ähnlich an.

“Ich habe mit dem gesamten Team zusammen mein Bestes gegeben“, sagte der gewohnt faire Verlierer. “Gestern habe ich realisiert, dass Enric zu stark war. Am Ende kommt ein zweiter Platz dabei heraus. Gratulation an Enric und sein gesamtes Movistar-Team. Sie haben sich den Sieg verdient. Mein Sieg ist heute der zweite Platz.“ Es war das neunte Grand-Tour-Podium seiner Karriere. Von den aktiven Fahrern hat er damit am meisten.

“Das wusste ich gar nicht. Es ist eine verrückte Statistik“, sagte Roglic in der Mixed Zone am Sonntag. “Es ist verrückt, wie viele Tage ich bei Grand Tours verbracht habe. Das gibt uns Radfahrern so viel im Hinblick auf die Erfahrung. Ich habe wirklich auch viel fürs Leben gelernt.“ Nachdem bekannt wurde, dass der Slowene Red Bull am Ende der Saison verlässt, gab es im Sommer viele Spekulationen über die Zukunft. Zumindest öffentlich ist noch nichts bekannt. “Ich weiß nicht, ob noch Podiumsplatzierungen dazu kommen“, sagte ein nachdenklicher Roglic am Ende.

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