Kasache sieht kein Unrecht

In Wino veritas?

Von Matthias Seng

07.06.2006  |  Trotz aller schwerwiegenden Indizien, die auf systematisches Doping im eigenen Rennstall hindeuten, zeigt sich Alexander Winokurow fest davon überzeugt, dass sein Team Astana Würth (früher Liberty Seguros) an der Tour de France teilnehmen wird. „Es gibt keinen Grund für eine Ausladung“, so das erstaunliche Resümee des Kasachen auf einer Pressekonferenz bei der Daphiné Libéré. In Wino veritas?

Auch der drohende Lizenzentzug durch die ProTour-Kommission der UCI, die rechtliche Voraussetzung für eine Tour-Ausladung, ist für den Tour-Mitfavoriten kein Thema. „Die Lizenz bleibt ja dieselbe“, so der 32jährige Kasache. „Sie läuft auf Active Bay, nur der Sponsor hat gewechselt.“ Die Kommission ist federführend in allen finanziellen und ethischen Aspekten hinsichtlich der Teams. Allerdings scheinen ihre Mühlen eher bedächtig zu mahlen, was den ehemaligen Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc schon zu der Feststellung veranlasste: „Sie sind reichlich langsam in dieser Angelegenheit.“ Eine Entscheidung soll angeblich kommende Woche fallen.

Aber selbst wenn die Kommission dem Saiz-Team die ProTour- Lizenz nicht entziehen sollte, wird der Tour-Veranstalter ASO Manolo Saiz wahrscheinlich von der Tour aussperren. „Persona non grata“, unerwünscht, ist der umstrittene Spanier sowieso, seit er festgenommen wurde, als er als er sich bei dem Mediziner Eufemanio Fuentes, dem früheren Teamarzt von Kelme, ONCE und Liberty, offenbar mit Dopingmitteln eindecken wollte.

Winokurow scheint sich aber weniger mit den Gründen für Saiz’ Festnahme zu beschäftigen, sondern eher mit den für ihn unerfreulichen Konsequenzen. „Es wäre gut für uns Manolo dabei zu haben“, sagte der ehemalige Teamkollegen von Jan Ullrich , „seine Erfahrung ist wichtig im Hinblick auf die Teamtaktik. Aber mit Marino Lejarreta (der Sportliche Leiter, d.Red.) können wir auch eine gute Taktik ausarbeiten. Bis jetzt ist ja noch nicht entschieden, ob Manolo bei der Tour dabei sein wird oder nicht.“

„Ich versuche ruhig zu bleiben“, so Winokurow weiter. „Ich will nicht die Dauphiné gewinnen. Im letzten Jahr war ich zu früh in Form. Ich bin hier, um meinen Rhythmus in den Bergen zu finden und mir die anderen Fahrer anzuschauen.“

Bei Konkurrenten scheint der unbekümmerte Tapetenwechsel von Liberty zu Astana-Würth nicht auf ungeteilte Zustimmung zu stoßen. Thomas Voeckler (Bouygues Telecom) etwa meinte am Rand der Dauphiné, dass er sich schämen würde, in denselben Farben zu fahren wie die umbenannte und mit neuen Trikots ausgestattete spanische Mannschaft. „Wenn sie betrogen haben, wird es hoffentlich Sanktionen geben und nicht wieder nur den üblichen folgenlosen Lärm.“

Nach der Dauphiné wird Winokurow nach Kasachstan zurückkehren, um bei den dortigen nationalen Meisterschaften seinen Titel zu verteidigen. Danach wird er bis zur Tour kein Rennen mehr bestreiten in der Hoffnung, am 1. Juli zum Prolog in Straßburg antreten zu können.

Quelle: cyclingnews.com

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