Italiens Nationalcoach wehrt sich gegen Cipollini-Kritik

Bettini: "Ich habe niemandem Geschenke gemacht"

Foto zu dem Text "Bettini:
Italiens Nationalcoach Paolo Bettini im Gespräch mit seinem Kapitän Filipp Pozzato Foto: ROTH

24.09.2010  |  (rsn) – Italiens Nationalcoach Paolo Bettini hat auf die Kritik von Mario Cipollini an Italiens WM-Formation reagiert und die von ihm nominierte Auswahl verteidigt. „Ich würde Mario raten, hierher zu kommen und sich den Kurs anzuschauen“, sagte Bettini der Gazzetta dello Sport nach dem ersten Teamtraining auf dem abschließenden Rundkurs im australischen Geelong. „Ich habe niemandem Geschenke gemacht. Jeder, der hier ist, hat seine Form unter Beweis gestellt.“

Cipollini hatte Zweifel geäußert, ob das italienische Aufgebot in der Lage sei, das Regenbogentrikot zu gewinnen und Bettini vorgeworfen, vor allem solche Fahrer zu nominieren, die er persönlich gut kenne. So hält es der ehemalige Weltklassesprinter für einen Fehler, dass kein reiner Sprinter wie etwa Daniele Bennati (Liquigas) in Australien dabei ist. „Bennati war bei der Vuelta in keiner Superform“, begründete Bettini die Nichtnominierung des 30-Jährigen.

Cipollini hatte einen Vergleich zum italienischen Fußball-WM-Kader gezogen, bei dem der damalige Nationaltrainer Marcello Lippi eher auf altgediente Spieler seines Vertrauens als auf junge, möglicherweise unbequeme Spieler gesetzt hatte. Italien hatte nach der Vorrunde bereits die Heimreise antreten müssen.

„Ich sehe keinen Fahrer, der zu Hause geblieben ist und der den Nominierten überlegen wäre“, sagte Bettini dazu. „Ich leugne nicht, dass ich einige Fahrer ausgewählt habe, mit denen ich befreundet bin, aber niemand konnte sich seines Platzes sicher sein.“

Bettini setzt in Melbourne statt auf die Sprinter auf zwei endschnelle Klassikerspezialisten und einen Allrounder: Das italienische WM-Aufgebot wird von Filippo Pozzato, Giovanni Visconti und Vincenzo Nibali angeführt. Den Vuelta-Gewinner hätte er dem ehemaligen Weltmeister Alessandro Ballan vorgezogen, weil Nibali schlichtweg in besserer Verfassung sei, befand Bettini. „Ballan hätte eine Rolle als Kapitän bekommen können, aber er war nicht gut genug “, so der 36-Jährige. „Bei Nibali war es genau das Gegenteil: Er war besser als ich dachte.”

Den Sprintern traut der zweifache Weltmeister auf dem WM-Kurs offenbar nicht zu, in die Entscheidung eingreifen zu können. „Cavendish wird nicht bis zum Ende vorne dabei sein. Andernfalls würden wir alle komplett falsch liegen“, erklärte Bettini.

Cipollini dagegen hatte den 25 Jahre alten Briten neben dem Belgier Philippe Gilbert und dem Spanier Oscar Freire zu seinem WM-Favoriten erklärt.

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