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26.01.2011 | (rsn) - Winterzeit ist Wechselzeit. In den letzten Wochen und Monaten hat sich auf dem
Transfermarkt einiges getan. Um Sie zum Saisonbeginn auf dem Laufenden
zu halten, gibt Radsport News einen Überblick über die 18 ProTeams,
stellt deren Aufgebote vor und bewertet Stärken und Schwächen.
Teil 15: RadioShack
Auch nach dem Abgang des 39-jährigen Lance Armstrong, der vor wenigen Tagen bei der Tour Down Under sein letztes großes internationales Rennen bestritt, bleibt RadioShack das ProTeam mit den ältesten Kapitänen. Man darf gespannt sein, ob die Haudegen einen zweiten oder gar dritten Frühling erleben werden, nachdem bereits in der vergangenen Saison bei dem einen oder anderen Routinier Abwärtstendenzen zu erkennen waren.
Kommen und Gehen: Personell änderte sich beim Rennstall von Manager Johan Bruyneel nicht viel. Sprinter Gert Steegmans kehrte in seine belgische Heimat zu Quick Step zurück, den Litauer Tomas Vaitkus zieht es wieder zu Astana. Der talentierte Südafrikaner Daryl Impey fand nach der Pegasus-Pleite noch beim kleinen Continental-Team MTN-Qhubeka Unterschlupf. Der 38-jährige Spanier José Luis Rubiera beendete seine Karriere beendete. Die Zukunft des Chinesen Fuyu Li ist noch ungewiss. Der 32-Jährige wurde im vergangenen Jahr positiv auf Clenbuterol getestet und suspendiert. Der chinesische Verband wartet jedoch zunächst das Contador-Urteil ab, ehe er selbst eine Entscheidung treffen will.
Lance Armstrong, der Chef des Teams, feiert 2011 seinen Abschied auf Raten und hat keinerlei Ambitionen mehr. Nach der Tour Down Under wird der siebenfache Toursieger zwar noch einige kleinere Rennen bestreiten, dann aber wohl nach der Kalifornien-Rundfahrt endgültig das Rad an den Nagel hängen.
Die prominentesten Neuzugänge wurden erst auf den letzten Drücker verpflichtet. Der 38 Jahre alte Robbie McEwen (von Katjuscha) und der fünf Jahre jüngere Robert Hunter (von Garmin-Transitions) hatten bereits beim Team Pegasus unterschrieben und erhöhen den Altersdurchschnitt der Oldie-Truppe nochmals. Nachdem Pegasus die ProContinenal-Lizenz verweigert worden war, fanden die beiden Sprinter doch noch ein Plätzchen in der belle étage des Radsports.
Neu im Team sind auch der Ire Philip Deignan (von Cervélo), 2009 Überraschungs-Neunter der Vuelta a Espana. Von Footon-Servetto kam der Portugiese Manuel Cardoso, der im Jahr 2010 eine Etappe der Tour Down Under gewann. Der Portugiese Nelson Oliveira, Vierter im WM-Zeitfahren der U23, wechselte vom aufgelösten spanischen Zweitdivisionär Xacobeo in die USA. Mit den drei Neo-Profis Jesse Sergent (Neuseeland), Michal Kwiatkowski (Polen) und Benjamin King (USA) holte die Teamleitung drei frische Kräfte ins Team, die erste Erfahrungen sammeln sollen.
Die Kapitäne: Vor allem für die Rundfahrten kann RadioShack mit dem Spanier Haimar Zubeldia (33) dem Cottbuser Andreas Klöden (35) sowie den US-Amerikanern Levi Leipheimer (37) und Chris Horner (39) auf vier starke und erfahrene Fahrer zurückgreifen. Während Klöden und Leipheimer in der vergangenen Saison schwächelten, gelangen Horner mit dem Gesamtsieg bei der Baskenland-Rundfahrt sowie Rang zehn bei der Tour de France zwei große Erfolge.
Nomineller Kapitän bei der Tour de France soll aber der 27-jährige Janez Brajkovic werden. Mit seinem Gesamtsieg beim Criterium du Dauphiné 2010 stellte der Slowene seine Klasse unter Beweis.
Bei einwöchigen Rundfahrten kann auch Tiago Machado glänzen. Der Portugiese wurde 2010 unter anderem Dritter beim Critérium International, Vierter der Österreich-Rundfahrt und Sechster der Tour de Romandie.
Im Sprint ruhen die Hoffnungen auf Neuzugang McEwen, der wohl in seine letzte Saison gehen wird. Der immer noch ehrgeizige mehrfache Tour- und Giro-Etappensieger wird sich angemessen verabschieden wollen.
Bei den schweren Eintagesrennen soll es vor allem Horner richten, der 2010 bei allen drei Ardennenklassikern unter die besten Zehn fuhr. In den flämischen Rennen wird der Schweizer Gregory Rast, im Vorjahr immerhin Elfter bei Paris-Roubaix, die Kapitänsrolle übernehmen.
Geheimtipp: Bereits in seiner ersten Profisaison zeigte der 21-jährige Nelson Oliveira, dass aus ihm ein zukünftiger Top-Rund- und Zeitfahrer werden könnte. Vor allem in den internationalen Zeitfahrwettbewerben der Nachwuchsfahrer wusste der Portugiese mit Rang drei bei der EM und Platz vier bei der WM zu gefallen. Im Straßenrennen der Europameisterschaften der Klasse U23 wurde er sogar Zweiter. Hinzu kommen Spitzenergebnisse bei der Bayern-Rundfahrt, die er auf Platz sechs beendete, und der portugiesischen Nachwuchsrundfahrt GP Portugal, die er auf Rang zwei abschloss. Bei RadioShack hat Oliveira zwar namhafte Rundfahrer vor sich. Bei der einen oder anderen kleineren Rundfahrt dürfte er aber seine Freiheiten bekommen. Da sollte eine Podiumsplatzierung drin sein.
Stärken und Schwächen: RadioShack lebt von seiner großen Erfahrung. Ob McEwen, Leipheimer, Horner, Klöden,oder Zubeldia – die Kapitäne haben schon so manche Schlacht geschlagen. Bleibt abwarten, zu welchen Leistungen das Quartett im fortgeschrittenen Radsportalter noch fähig ist. Mit Brajkovic hat man einen vergleichsweise jungen Rundfahrer im Team, der das Potenzial hat, auch bei einer großen Rundfahrt vorne mitzumischen. Spannend bleibt die Frage, wie der Slowene bei der Tour de France mit der ihm zugedachten Kapitänsrolle zurecht kommen wird.
Mit den Neuzugängen Deignan und Oliveira, aber auch mit dem Belgier Sébastien Rosseler und Machado stehen starke Fahrer für kürzere Rundfahrten zur Verfügung. Für die Eintagesrennen ist die Auswahl wesentlich kleiner. Weder Horner in den Ardennenklassikern noch Rast bei den flämischen Rennen zählen zu den Sieganwärtern.
Die junger Fahrer brauchen noch einige Zeit, um in die internationale Spitze vorzudringen.
Prognose: Auch ohne Armstrong wird RadioShack den Fokus auf die Tour liegen. Klöden, Leipheimer und Horner ist allerdings keine Podiumsplatzierung mehr zuzutrauen. Brajkovic wird bei seiner zweiten Tour noch nicht die Konstanz für drei Wochen haben. Ohne echten Siegfahrer wird es für das Team schwer, die vergleichsweise magere Vorjahresbilanz von zwölf Siegen zu übertreffen.
RadioShack 2011: Lance Armstrong, Matthew Busche, Chris Horner, Benjamin King, Levi Leipheimer, Jason McCartney, Bjorn Seelander (alle USA), Tiago Machado, Nelson Oliveira, Manuel Cardoso (alle Portugal), Markel Irizar, Haimar Zubeldia (beide Spanien), Ben Hermans, Sebastien Rosseler (beide Belgien), Sam Bewley, Jesse Sergent (beide Neuseeland), Gregory Rast (Schweiz), Andreas Klöden (Deutschland), Robbie McEwen (Australien), Robert Hunter (Südafrika), Michal Kwiatkowski (Polen), Geoffroy Lequatre (Frankreich), Janez Brajkovic (Slowenien), Ivan Rovny (Russland), Philip Deignan (Irland), Fumiyuki Beppu (Japan), Dmitriy Muravyew (Kasachstan)
Neuzugänge: Robbie McEwen (Katjuscha), Robert Hunter (Garmin-Transitions), Manuel Cardoso (Footon Servetto), Philip Deignan (Cervelo), Nelson Oliveira (Xacobeo), Benjamin King, Michal Kwiatkowski, Jesse Sergent (alle NeoProfis)
Abgänge: Tomas Vaitkus (Astana), Gert Steegmans (Quick Step), Daryl Impey (MTN), Jose Luis Rubiera (Karriereende), Fuyu Li (suspendiert)
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