Von Cabo da Roca nach Wladiwostok - 16 000 km - Tagebuch

Eurasia-Challenge: „Welcome to Russia, my crazy friend!“

Von Jonas Deichmann


| Foto: Jonas Deichmann

26.07.2017  |  Nicht in 80 Tagen um die Welt, sondern in 70 Tagen durch Europa und Asien: Der Münchner Ausdauer-Athlet Jonas Deichmann will als erster Mensch Europa und Asien in 70 Tagen mit dem Rad durchqueren.
Der 30jährige ist auf gutem Kurs, gleich zwei neue Guinness-Weltrekorde aufstellen: schnellste Radtour durch Europa, von Cabo da Roca nach Ufa, und die erste Rad-Durchquerung Eurasiens überhaupt - von Cabo da Roca nach Wladiwostok.
Los ging's am 2. Juli in Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Europas, auf seine 16 000 Kilometer lange Reise durch die größte zusammenhängende Landmasse der Welt. Jonas führt ein Tagebuch für
radsport-news.com; hier das fünfte Update.

20. Juli
Heute hatte ich eine mental schwierige Strecke zu bewältigen: 200 km gerade aus, nicht hoch, nicht runter, nur gerade aus. Da ist es wirklich schwer, sich zu motivieren. Zwischendurch habe ich an einer Tankstelle angehalten, um etwas zu Essen zu kaufen. Und dann steckt ein Betrunkener Sachen von meinem Fahrrad in seine Taschen. Aggressiv wurde er dann auch noch, als ich ihn aufforderte, mir meine Sachen zurückzugeben. Aber letztendlich habe ich nach einigen Diskussionen dann doch wieder alles zurückbekommen.

So ein Tag macht natürlich weniger Spaß. Jetzt bin ich also in Russland angekommen, am Grenzübergang war's recht entspannt. Die Grenzwache hat mich gefragt, wo es denn hingeht. Als ich ihm zwei Mal gesagt habe, noch bis nach Wladiwostok, da hat er gelacht, meine Hand geschüttelt, und gesagt: „Welcome to Russia, my crazy friend!“

21. Juli
In Russland ist es nun hügeliger, und der Verkehr ist die Hölle. Die Straße war heute fürchterlich, es gab keinen Standstreifen, die LKWs rasen mit Zentimeter-Abstand an mir vorbei. Und die alten russischen Ladas lassen immer eine dicke Abgaswolke hinter sich. Beim Überholen werde ich einfach nicht beachtet, das ist echt lebensgefährlich. Einmal musste ich vom Fahrrad in den Graben springen, und habe mich dabei überschlagen. Gottseidank nur noch einen Tag auf dieser Schnellstraße. Ich hoffe sehr, dass die nächste Autobahn dann wieder einen Standstreifen für mich hat.

22. Juli
Die russischen Straßen bringen mich wirklich an meine Grenzen. Sehr schlechte Bedingungen, und starker Verkehr, der viel zu nah an mir vorbeirast. Muss öfters Pausen einlegen, um mich auch mental ein wenig erholen, und um mich wieder besser konzentrieren zu können. Bald wird es wohl besser. Ich bin nun insgesamt schon über 5000 km gefahren, und werde Donnerstag schon in Ufa sein - der erste Weltrekord.

23. Juli
Ich merke langsam, dass ich nun weit weg von den Großstädten bin: Der Verkehr wird weniger, die Distanzen zwischen Siedlungen betragen nun bis zu 200 km. Die Landschaft geht von weiten Feldern in endlose Wälder über - ich nähere mich langsam Sibirien. Heute hat mich dann noch ein Dauerregen erwischt, mit starkem Gegenwind. Es war sehr anstrengend, und wieder eine große Herausforderung. Eine weitere brenzlige Situation mit einem LKW: Musste wieder in den Graben. Auch wenn ich es verdrängen muss - so nah war ich dem Tod wohl noch nie.

24. Juli

Die Sonne ist wieder raus, es gibt starken Rückenwind - bestens. Außerdem bin ich wieder auf der Autobahn: Breite Straße, wenig Verkehr, und ein Standstreifen für mich. Die Landschaft ist wunderschön - ich bin im wilden Osten angekommen. Das erste Schild nach Ufa habe ich nun endlich gesehen: Noch 700 km bis zum Weltrekord!

Essen ist hier leider ein Riesenproblem. Die Speisekarten verstehe ich überhaupt nicht, und so kommt immer eine Überraschung auf den Tisch. Und ich muss mehr Essen einpacken für unterwegs. An den Tankstellen gibt's oft nur Schokoriegel. Manchmal muss ich auch hungrig schlafen gehen.

Drückt mit weiter die Daumen!
Euer Jonas.

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