Zeitfahrsieg bei Tour de Suisse vor Vollering

Reusser setzt sich erst in letzter Abfahrt gegen Longo Borghini durch

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Reusser setzt sich erst in letzter Abfahrt gegen Longo Borghini durch"
Zeitfahr-Europameisterin Marlen Reusser (SD Worx) auf dem Weg zum Sieg in Abtwil. | Foto: Cor Vos

18.06.2023  |  (rsn) – Marlen Reusser (SD Worx) ist ihrer Favoritinnenrolle im Einzelzeitfahren der Tour de Suisse (2.WWT) gerecht geworden und hat den 25,7 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr zwischen St. Gallen und Abtwil für sich entschieden. Die Schweizerin setzte sich nach 36:42 Minuten mit acht Sekunden Vorsprung vor Teamkollegin Demi Vollering und 16 Sekunden vor der Italienerin Elisa Longo Borghini (Trek – Segafredo) durch.

Letztere hatte an der zweiten Zwischenzeit nach 20,2 Kilometern vor der Abfahrt in Richtung Ziel noch drei Sekunden vor Reusser und sechs Sekunden vor Vollering gelegen. Bergab aber drehte das SD-Worx-Duo den Spieß um.

Mit dem Zeitfahrsieg übernahm Reusser auch das Gelbe Trikot von ihrer am Vortag erfolgreichen Teamkollegin Kata Blanka Vas. Die Ungarin war im Zeitfahren 4:05 Minuten langsamer als Reusser und belegte den 51. Platz.

"Das bedeutet mir viel – wirklich. Ich habe schon seit langer Zeit von diesem Rennen geträumt und natürlich davon, dass ich dieses Zeitfahren gewinne und hier Gelb hole", sagte Reusser im ersten Siegerinnen-Interview bei ihrer Heimat-Rundfahrt. "Es war brutal heute, aber am Ende freue ich mich sehr."

Ihre Freude war umso größer, weil Reusser sich fünf Kilometer vor Schluss an der zweiten Zwischenzeit schon damit abgefunden hatte, dieses Zeitfahren gegen Longo Borghini zu verlieren, die im Anstieg die Schnellste war und deshalb knapp führte.

Longo Borghini bergab wohl vorsichtiger als Reusser und Vollering

"Ich habe gehört, wie eng es war und dachte mir dann ehrlich gesagt: Okay, das gewinne ich nicht. Denn es war Longo Borghini und ich würde sagen sie ist die beste Abfahrerin, die wir im Peloton haben – und der technische Teil kam ja noch. Deshalb dachte ich dann, dass sie gewinnt und habe mich damit schon abgefunden", so Reusser und erklärte außerdem: "Besonders, weil ich, nachdem was passiert ist, nicht in einem guten Flow war für die gefährlichen Kurven. Ich bin da nicht 100 Prozent gefahren."

Offensichtlich aber ging Longo Borghini die enge Abfahrt nach Abtwil auf dem Zeitfahrrad noch vorsichtiger an, als die Schweizerin und büßte deshalb ganze 19 Sekunden auf den letzten fünf Kilometern ein.

In der Gesamtwertung führt Reusser nach zwei Etappen nun neun Sekunden vor Vollerung und 18 Sekunden vor Longo Borghini. Gesamtvierte ist mit bereits 1:25 Minuten Rückstand die Australierin Brodie Chapman (Trek – Segafredo), die auch Tagesvierte geworden war. Amber Kraak (Jumbo – Visma) ist mit 1:39 Minuten Rückstand Fünfte der Gesamtwertung.

Kiesenhofer lange auf dem Hot Seat und Tagessechste

Das deutsche Duo Ricarda Bauernfeind (Canyon – SRAM / + 2:24) und Clara Koppenburg (Cofidis / + 2:38) kam in der Tageswertung auf die Plätze 14 beziehungsweise 18 und liegt in der Gesamtwertung mit 2:36 Minuten beziehungsweise 2:50 Minuten Rückstand auf den Rängen 14 und 16. Bauernfeinds Schweizer Teamkollegin Elise Chabbey ist mit 2:12 Minuten Rückstand Gesamtachte.

Die Österreicherin Anna Kiesenhofer (Israel – Premier Tech – Roland) hatte am Samstag viel Zeit verloren und ist mit 6:46 Minuten Rückstand daher nur 58. in der Gesamtwertung. Sie hatte im Zeitfahren am Sonntag aber lange die Bestzeit gehalten und auf dem Hot Seat gesessen, um schließlich 1:30 Minuten hinter Reusser Tagessechste zu werden.

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