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29.06.2026 | (rsn) - Gravel boomt - das sieht man auch in Vianden in Luxemburg: Das UCI Eislek Gravel Race zieht jedes Jahr mehr Starterinnen und Starter an. Am vergangenen Sonntag ging es auf einer 37-km-Runde mit gut 780 Höhenmetern durch das luxemburgisch-deutsche Grenzgebiet. Dem Team Strassacker gelangen auf den drei zu fahrenden Runden trotz starker Konkurrenz einige Top-Platzierungen.
Mit gefletschten Zähnen und tief über den Lenker gebeugt jagt Ben Witt über das Kopfsteinpflaster. Er gibt alles, sprintet, wirft das Rad noch ein letztes Mal nach vorn – und doch reicht es am Ende nicht ganz. Im Tigersprung setzt sich sein Konkurrent Nicolas Loustaunou im Kampf um Platz zwei auf der Innenbahn hauchdünn durch. Ben wird hervorragender Dritter seiner Altersklasse (40 - 44 J.) – und setzt an diesem Tag ein bisschen die Schwerkraft außer Kraft.
Das Gravel-Rennen in Vianden ist eines der anspruchsvollsten im europäischen Rennkalender, und Ben ist als großgewachsener Rouleur unsere Lokomotive und ein Alleskönner, aber sicher kein Leichtgewicht. So muss er von Beginn an schuften: Das Rennen startet mit einem steilen, langen Anstieg, vorbei an der pittoresken Burg von Vianden, und weiter hinauf in den Wald des Naturparks Our.
Der gleichnamige Fluss hat sich über die Jahrtausende tief in die Landschaft gegraben, entsprechend schroff sind die Ufer und damit die Anstiege, die sich uns heute entgegenstellen. "Es ging direkt mit Knallgas in den ersten Anstieg über die Kasseien von Vianden", erzählt Ben im Ziel: "Und es war klar, dass ich an diesen selektiven Anstiegen nicht in Schlagdistanz sein werde."
Dieser Teil der Ardennen ist ebenso anspruchsvoll wie schön: Oben auf den Gipfeln der Uferhänge angekommen, blickt man über Täler, Wiesen, Burgen, Wälder, Felder – ehe man sich wieder in die steile Abfahrt hinab ins Flusstal stürzt. Genau hier schlägt dann wieder Bens Stunde: Als Abfahrtskünstler macht er mit Highspeed ordentlich Boden gut und jagt den Führenden hinterher. Seine Strategie war klar: An den Anstiegen kontrolliert seine Pace fahren, dann auf den besser rollenden Passagen und Abfahrten "Vollgas" – und nebenbei gut verpflegen und kühlen.
Das war ohnehin das Motto für alle: Bei Temperaturen um die 34 Grad hieß es trinken, trinken, trinken, abkühlen und den Motor nicht überdrehen. Für Letzteres mussten wir Fahrer sorgen, für alles andere unsere hervorragenden Betreuer Thommy, Sabine und Gerd. Auf jeder der 37 Kilometer langen Runden gab's von ihnen eine Flasche mit ordentlich Carbs und ein Pack Eis fürs Trikot. Während andere überhitzten und in den Anstiegen explodierten, konnten wir dank unserer Helfer weiter unsere Leistung bringen. So auch Ben: Er holte Fahrer um Fahrer ein - und fand sich im Finale plötzlich im Kampf ums Podium wieder, mit erwähntem Ausgang.
Ähnlich ging es Moritz Palm in der Hauptklasse (19 - 34 J.). Auf der ersten Rampe trotz hoher Leistungswerte noch hinten dran, aber dann sukzessive weiter vorn: Im längsten Anstieg des Tages ließ er zunächst das Gas und dann auch seine Gegner in der Verfolgergruppe stehen. Dann machte er sich als Solist auf den Weg nach Vianden. Nach drei Runden und 111 Kilometern sowie rund 2400 Höhenmetern fuhr er als Vierter über den Zielstrich und das dank seiner Aufholjagd nur eine Minute hinter dem Podium.
In einem erlesenen Feld, das vom Ex-Granfondo-Weltmeister Lars van Copenolle angeführt wurde, ein starkes Resultat – übrigens auch von unseren Höllige-Brüdern Dennis (15.) und Joshua (18.). Ersterer finishte das Rennen nach einem Crash sogar mit gebrochenem Rahmen, wie er erst im Ziel feststellte.
Ein Top-Resultat wäre beinahe auch Nils Kessler in seiner Altersklasse (34 - 39 J.) gelungen. Unser Routinier von der Mosel hatte richtig gute Beine, pflügte zu Beginn durchs ganze Feld an die Spitze und fuhr in den Anstiegen einen Gegner nach dem anderen in den K.O. Gegen Ende der zweiten Runde lag er in einer dreiköpfigen Spitzengruppe klar auf Podiums-, wenn nicht sogar Siegkurs – bis ihn ein Defekt stoppte: Eine holprige Abfahrt versetzte sein Schaltwerk in den Crash-Mode, das fortan die Arbeit verweigerte - Nils' Rennen war gelaufen.
Mehr Glück hatte ich selbst (Joscha Weber; d.Red.). Eigentlich bin ich ja "nur" noch Sportlicher Leiter und nicht mehr ansatzweise mit dem Trainingsvolumen meiner Jungs gesegnet. Dennoch hatte ich mir vorgenommen, noch mal ein Gravel-Rennen mit dem Team zu fahren. Im 73-km-Rennen (zwei Runden), in dem alle Altersklassen gemeinsam gewertet wurden, ging's ähnlich los wie in den zuvor gestarteten Rennen über die lange Distanz: Mit konstant über 400 Watt berghoch wurde kräftig aussortiert.
Zwei attackierende Franzosen musste ich früh ziehen lassen, aber dahinter mussten meine Gegner offenbar mehr leiden als ich. Nach und nach fielen die Fahrer aus der Verfolgergruppe zurück und irgendwann war ich Solist. Also gings in TT-Manier von hinten durch die vor mir gestarteten Altersklassen – und am Ende zu einem mehr als überraschenden dritten Platz.
"Unterm Strich ein tolles Wochenende mit viel Spaß, sportlichen Erfolgen, guter Zeit mit Freunden, top Verpflegung und vielen guten Erinnerungen an unser Schotterrennen in Luxemburg", bilanziert Ben - und dem ist nichts hinzuzufügen...
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