Zemke erzählt vom Finale der Tour de l´Avenir

Mit nur halbem Feld zum Start und per Hetzjagd zum Schlussanstieg

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Mit nur halbem Feld zum Start und per Hetzjagd zum Schlussanstieg"
Jermaine Zemke (Rembe - rad-net) | Foto: Cor Vos

27.08.2026  |  (rsn) - Bei der wichtigsten Nachwuchsrundfahrt der Saison, der Tour de l’Avenir (2.2U), tritt Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) vom 20. bis zum 26. August für die Deutsche Nationalmannschaft in die Pedale. Außerdem hat sich der 20-Jährige bereit erklärt, für RSN jeweils nach den sieben Etappen seine Eindrücke und Gedanken zu schildern – und wir machen einen Text daraus.

Während Lorenzo Finn für die Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies die Schlussetappe der 62. Tour de l'Avenier (2.2U) mit der Bergankunft am Lago Serrù gewonnen hat und damit den prestigeträchtigen Gesamtsieg feiern konnte, hatte die Deutsche Nationalmannschaft auch am letzten Tag keinen Grund zum Jubeln.

Eike Behrens fuhr als erster German-Cycling-Vertreter 9:25 Minuten nach Finn auf Platz 48 über den Zielstrich und war mit 30:25 Minuten Rückstand auf Platz 33 schließlich auch bester Deutscher im Schlussklassement.

"Wir sind alle durchgefahren. Das können nicht allzu viele Teams von sich behaupten, weil schon viele durch Stürze, Krankheit oder das Zeitlimit ausgeschieden sind. Aber trotzdem können wir nicht zufrieden sein mit der Rundfahrt, die wir hier gezeigt haben. Wir waren für einen Etappensieg hier und davon waren wir weit, weit, weit entfernt", bilanzierte Teamkollege Zemke auf der Rückreise am Donnerstag, die aufgrund eines Reifenschadens am Auto länger dauerte, als erhofft, gegenüber RSN schonungslos ehrlich.

Das deutsche Sextett hatte es schwer: Fürs Hochgebirge, wo die L'Avenir stets entschieden wird und die letzten drei Etappen ausgetragen wurden, war die Mannschaft von U23-Bundestrainer Ralf Grabsch ohnehin nicht aufgestellt. Und auf den ersten vier flacheren bis hügeligen Teilstücken wurde man vom Sturzpech verfolgt – aber eben nicht nur das: "Wir müssen daraus lernen – auch die Windkantensituation und all das", erklärte Zemke, befand aber auch:

"Wir haben Charakter bewiesen und uns wirklich durchgekämpft, auch durch die letzten harten Tage nochmal mit Fausto (Penna, Anm. d. Red.) als aktivstem Fahrer auf der Königsetappe. Aber generell lief es einfach nicht, wie wir es uns erhofft haben. Trotzdam hat die Rundfahrt für uns alle sicher einen guten Mehrwert, dass wir nochmal besser in Form kommen."

Deutlich über 50 km/h in der Anfangsphase

Angesichts des Terrains mit einem 30 Kilometer langen Schlussanstieg waren die Erwartungen vor der vollständig in Italien ausgetragenen Schlussetappe beim Nationalteam auch nicht besonders groß. "Wir hatten den Plan, in die Gruppe zu gehen, weil das so ziemlich die einzige Chance war, uns nochmal zu zeigen", erzählte Zemke.

Bevor um einen Platz in der Ausreißergruppe gekämpft werden konnte, musste man aber nach der Neutralisation nochmal bei Kilometer 0 anhalten. "Wir haben uns schon gewundert, warum. Dann haben wir uns umgedreht und irgendwie waren nur noch 50 Mann da", so Zemke lachend. Der Grund? Der Teamparkplatz befand sich auf der anderen Seite einer Bahntrasse, als die Startlinie. Und kurz bevor das Peloton sich in Bewegung setzte, ging die Schranke herunter. "Die Hälfte des Feldes kam deshalb nicht zum Start."

Als nach einigen Minuten des Wartens bei Kilometer 0 dann alle beisammen waren, ging es los – und das sofort mit einem Höllentempo. "Ich war am Anfang extrem aktiv und habe mir die erste Stunde richtig einen eingeschenkt, um in die Gruppe zu kommen. Wir hatten die ersten 30 Kilometer deutlich über 50 im Schnitt – 53 oder so", erzählte Zemke vom Angriffshagel der ersten Kilometer. "Aber leider wurden wir nicht weg gelassen. Bora wollte unbedingt den Etappensieg und hat keine große Gruppe fahren lassen."

"Richtig hart, einfach nur dabei zu bleiben"

Die letztlich vierköpfige Ausreißergruppe des Tages um den Belgier Matisse Van Kerckhove (Visma – Lease a Bike Development) löste sich erst zu Etappenmitte an einem kleineren Anstieg – "über Stärke", wie Zemke meinte.

"Aber dann im Tal zum Schlussanstieg ist Bora ein abartiges Tempo gefahren – wir hatten auch Rückenwind und es war dadurch sogar richtig hart, einfach nur dabei zu bleiben. Es war also die ganze Zeit richtig schnell und sobald es dann in den Schlussanstieg ging, hat es sich auseinandergezogen und auch schnell ein Gruppetto gebildet."

Seite an Seite mit Mauro Brenner kam der Hesse 24:32 Minuten nach Sieger Finn im Ziel der Schlussetappe bei der wichtigsten U23-Rundfahrt des Jahres an. Tim Glossner folgte 2:07 Minuten dahinter, Paul-Felix Petry war bereits 4:25 Minuten vor Zemke und Brenner oben, Fausto Valentin Penna 8:08 Minuten vor ihnen und Behrens hatte das Ziel schon 15:07 Minuten zuvor erreicht.

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