Stürze prägen 8. Vuelta-Etappe

Pogacar scheidet aus, Coquard beendet 13 Jahre des Wartens

Von Guido Scholl

Foto zu dem Text "Pogacar scheidet aus, Coquard beendet 13 Jahre des Wartens"
| Foto: Cor Vos

29.08.2026  |  (rsn) - Bryan Coquard (cofidis) hat die 8. Etappe der Vuelta a Espana (2.UWT) im Massensprint gewonnen. Der Franzose setzte sich in einem von Stürzen überschatteten Teilstück knapp gegen Mads Pedersen (lidl - Trek) und Jordi Meeus (Red Bull - Bora - hansgrohe) durch. 34 Kilometer vor dem Ziel stürzte der Gesamtführende Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) schwer und musste die Rundfahrt aufgeben. Auch im Zielsprint kam es zu einem Massensturz mehrerer Fahrer.

"Es waren 13, glaube ich", korrigierte ein gelöster Coquard den Reporter im Zielinterview, der gemeint hatte, der Franzose habe zwölf Jahre auf solch einen Sieg gewartet. Diese Reaktion verdeutlichte, wie sehr sich Coquard nach einem Sieg auf diesem Level gesehnt hatte. „Ich bin oft Zweiter geworden in den Grand Tours. Ich bin jetzt 34 Jahre alt und sehr stolz, sehr happy. Meine Mannschaft hat eine perfekten Job gemacht".

Die Etappe war von Stürzen geradezu übersät, insgesamt lagen sechsmal Fahrer auf dem Boden, und immer waren es mehrere. Der erste Crash mit etwa einem Dutzend Rennfahrern hatte sich bereits in der Neutralisation ereignet. Da war unter anderem Pavel Sivakov (UAE – Emirates – XRG) betroffen. Gut drei Stunden später war dann die Rundfahrt für seinen Kapitän Pogacar beendet, nachdem er offenbar durch einen auf der Straße liegenden Stein zu Fall gekommen und schwer an der Schulter verletzt worden war.

Das Feld verharrte nach dem Aus des Leaders eine Weile in Schockstarre. Pogacars Teamkollegen warteten zunächst auf den Mann in Rot, um dann die Etappe im Bummeltempo zu Ende zu fahren. Sie erreichten das Ziel 11:35 Minuten hinter dem Tagessieger.

Neuer Gesamtführender der Spanienrundfahrt ist jetzt Enric Mas (Movistar), der aber umgehend erklärte, das Rote Trikot auf der 9. Etappe nicht zu tragen. Es wäre sein erstes Leader-Jersey überhaupt. Auch bei der Siegerehrung streifte der Spanier es nicht über. "Es ist ein komisches Gefühl, dieser Tag wird mit dem Crash von Tadej für immer verbunden sein", kommentierte Mas seine Entscheidung.

Eigentlich wollte Visma – Lease a Bike den Vorsprung von Wout Van Aert in der Punktwertung durch einen Sieg beim Zwischensprint etwas vergrößern, da ihm da noch Pogacar mit nur zwei Zählern Rückstand im Nacken saß. Kaum hatte der Paris-Roubaix-Sieger dieses Ziel erreicht, kam es zum wohl folgenreichsten Sturz des Jahre. Dadurch hat Van Aert jetzt ein 57-Zähler-Polster zu seinem für die Etappe favorisierten Teamkollegen Matthew Brennan, der im Finale schlecht positioniert war und nur Zehnter wurde.

Kampflos übernahm Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) die Spitze der Bergwertung, da Pogacar auch dort an der Spitze gelegen hatte. Oscar Onley (Netcompany – Ineos) behielt das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Auch auf Platz eins der Teamwertung änderte sich nichts: Decathlon – CMA CGM bleibt in Front.

So lief die 8. Etappe der Vuelta a Espana

Noch während der Neutralisation ereignete sich ein Sturz, in den unter anderem Pavel Sivakov (UAE - Emirates - XRG) verwickelt war. Eine ganze Reihe Fahrer lag da am Boden, auch Diego Uriarte (Kern Pharma), Sander De Pestel (Décathlon), Gianmarco Garofoli (Soudal - Quick-Step) und Floris van Tricht (NSN Cycling). Uriarte und van Tricht stiegen später aus.

Sinuhé Fernandez (Burgos – Burpellet BH) setzte sich nach gut 10 Kilometern ab. Sein Teamkollege Jose Luis Faura probierte noch, aufzuschließen, wurde aber wieder geschnappt. Unterwegs gab es dann noch einen weiteren Sturz, der zur Aufgabe von Mattia Gaffuri (Picnic - PostNL) führte.

Das Team Visma – Lease a Bike machte die meiset Zeit die Nachfürharbeit – in Person von Steven Kruijswijk, dem es gelang, den zwischenzeitlich auf 4:30 Minuten angewachsenen Vorsprung des Solisten sukzessive zu verkleinern. Nur sporadisch half Alpecin – Deceuninck mit. In der Anfahrt zum Zwischensprint stiegen weitere Visma-Helfer ein und stellten Fernandez 38 Kilometer vor dem Ziel.

Das Streckenprofil der 8. Etappe der Vuelta a Espana | Foto: Veranstalter

In Simat de la Vadigna sicherte sich Van Aert dann locker die 20 Punkte, doch dann verdrängte der tragische Pogacar-Sturz das sportliche Geschehen in den Hintergrund. Der Slowene versuchte trotz seiner heftigen Blessuren noch einmal aufs Rad zu steigen, während im Feld das Tempo gedrosselt wurde. Doch nach einem Kopfschütteln beendete Pogacar die Vuelta a Espana.

Attacken am Berg der 2. Kategorie, der im Vorfeld als entscheidend eingestuft worden war, blieben in der Folge des Sturzes, der die Berufskollegen des Mannes in Rot geschockt zu haben schien, aus. Es dauerte bis nach dem von Van Aert gewonnenen Bergpreis, ehe Xabier Azparren (Pinarello - Q36.5) die allgemeine Schockstarre auflöste und es solo probierte. Erst 1500 Meter vor Schluss wurde der Spanier gestellt.

Van Aert zog auf den letzten 700 Metern den Sprint an, dann ging Christophe Laporte an ihm vorbei, doch da hatte der schlecht positionierte Matthew Brennan längst das Hinterrad seines Teamkollegen verloren. In einem unübersichtliche Sprint, bei dem sich der sechste Sturz des Tages ereignete, schien Pedersen schon der sichere Sieger zu sein, doch dann schob Coquard sein Vorderrad noch im Tigersprung vorbei und gewann eine nicht nur für ihn historische Etappe.

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