Internationale Studie „Cycling & Health“ veröffentlicht

10.06.2004  |  Wer sich in den Fahrradsattel schwingt, stärkt Körper und Seele. Das ergab die soeben veröffentlichte Studie „Cycling & Health“ des Fahrradsattelherstellers Selle Royal in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln. Mit „Cycling and Health“ liegt die größte Studie vor, die bisher zum Thema Radfahren und Gesundheit durchgeführt wurde.

Unter Leitung von Prof. Dr. Froböse, Vorsitzender des Zentrums für Gesundheit der DSHS, wertete ein Expertenteam insgesamt über 7.000 Studien rund um dieses Thema aus. Wichtigstes Ergebnis: Gravierenden Zivilisationsproblemen wie z.B. Rückenschmerzen oder Herz-Kreislauf-Störungen kann durch das Radfahren präventiv vorgebeugt werden. Daraus entstanden ist ein umfassendes Kompendium, dass sich insbesondere mit den positiven Auswirkungen des Radfahrens auf die Gelenke, den Rücken, das Immun- sowie das Herz-Kreislaufsystem auseinandersetzt.

Kaum zu glauben, dass viele Deutsche die wohltuende Wirkung dieser Freizeitbeschäftigung noch nicht in vollem Maße kennen und nutzen, wie eine von Selle Royal in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage bewies. Während 75 Prozent der Deutschen generell Rad fahren, können nur 22 Prozent die konkreten positiven gesundheitlichen Aspekte des Fahrradfahrens, wie z. B. Gewichtsverlust, Verminderung des Cholesterinspiegels oder Stärkung des Immunsystems, benennen. An diesen Wissenslücken setzt „Cycling and Health“ an und geht detailliert auf verschiedene gesundheitliche Vorteile des Radfahrens ein.

Ausgewogene körperliche Aktivität, wie sie beim Radfahren gegeben ist, reduziert das Herzinfarktrisiko um mehr als 50 Prozent. Das Schlagvolumen des Herzens erhöht sich, die Pumpleistung wird ruhiger, der Blutdruck sinkt – kurz: Das Herz arbeitet ökonomischer und wird weniger belastet. Außerdem baut der Körper beim Radfahren negatives LDL-Cholesterin ab, welches für die „Verkalkung“ der Blutgefäße verantwortlich gemacht wird. Dagegen wird die Menge des positiven HDL-Cholesterins, das für den Gefäßschutz verantwortlich ist, erhöht. In Folge dessen werden die Blutgefäße flexibler, Ablagerungen von Plaque treten weniger leicht auf, das Risiko einer Arterienverkalkung vermindert sich. Radfahren wirkt damit einer der Hauptursachen entgegen, die zu jährlich 150.000 Todesfällen aufgrund von Herzversagen führen.

Auch der Rücken profitiert vom Radfahren. Wenn der Fahrer die optimale Sitzhaltung mit leicht nach vorn gebeugtem Oberkörper einnimmt, gerät die Rückenmuskulatur unter Vorspannung und stabilisiert den Rumpf. Die gleichmäßigen Beinbewegungen kräftigen besonders die Region im Bereich der Lendenwirbelsäule, die leicht durch Bandscheibenvorfälle gefährdet ist. Denn eine Rückenmuskulatur, die durch Radfahren gestärkt wird, hält Vibrationen und Schläge besser von der Wirbelsäule fern. Schließlich stimuliert das Radfahren auch die kleinen Muskeln an den Rückenwirbeln, die durch herkömmliche Gymnastikübungen nur schwer erreicht und entspannt werden. Diese Effekte machen Radfahren zu einer idealen Freizeitbetätigung für Menschen, die an Rückenschmerzen leiden: In Deutschland ist dies jeder dritte Bundesbürger über 40 Jahre.

Für die Kniegelenke ist Radfahren ebenfalls vorteilhaft. 70-80 Prozent des Körpergewichtes werden durch den Fahrradsattel aufgefangen. Damit ist Radfahren eine gute Alternative zum Jogging, das leicht Gelenke und Knorpel schädigt. Die zyklischen Bewegungen beim Fahren stellen ein Minimum an Belastung der Gelenke dar und gewährleisten so eine optimale Ernährungssituation des Knorpels. Dieser wird nicht über Blutgefässe versorgt, sondern über den Katalysator Gelenkschmiere. Steht das Gelenk unter wenig Druck, können Energie und Nährstoffe ungehindert in den Knorpel diffundieren. Wer seine Gelenke durch regelmäßiges Radfahren schont, beugt damit dem Risiko einer Erkrankung an Arthrose vor und sorgt dafür, dass Gehen und Laufen auch im Alter keine Probleme bereiten.

Schließlich wirkt sich regelmäßiges Radeln positiv auf das Immunsystem aus. Der Körper des Radfahrenden schüttet chemische Verbindungen aus, die die Stimmung aufhellen und ein Wohlgefühl entstehen lassen. Phagozyten, die Fresszellen des menschlichen Körpers, werden durch Radfahren schon unmittelbar nach Fahrbeginn mobilisiert, um Bakterien und sogar Tumorzellen zu vernichten. Radfahren wird daher als Therapie für Aidskranke und Krebspatienten eingesetzt. Aber auch wer seinen Körper vorsorglich gegen Infektionskrankheiten stärken will, profitiert von dieser sanften Art der Fortbewegung.

Wer regelmäßig Rad fährt, erspart sich Arztbesuche, Medikamente und eventuell sogar aufwändige Therapien, die heute Einkommen und Krankenkassen belasten. Auch wenn erst im Alter mit regelmäßiger Bewegung begonnen wird, sind Erfolge spürbar. Menschen, die an typischen Zivilisationsbeschwerden wie Rücken-Schmerzen, Übergewicht und Herzkrankheiten leiden, könnten viele gesunde Jahre verbringen, wenn sie ihr körperliches Wohlbefinden und ihre Gesundheit auf dem Fahrradsattel in Schwung bringen.

Mit detaillierten Vorschlägen zeigt die Studie, wie Fahrradfahren in den Alltag integriert werden kann, um optimale gesundheitliche Ergebnisse zu erzielen. Dauer und Häufigkeit der Fahrten sollten je nach Kondition, Alter, Fahrgewohnheiten und dem gewünschten Ergebnis abgestimmt werden. Schon nach 10 Minuten Fahrradfahren wirkt sich Radfahren auf die Muskulatur, Durchblutung und Gelenke aus. Ab 30 Minuten treten positive Einflüsse auf die Herzfunktionen auf, und ab 50 Minuten wird der Fettstoffwechsel angeregt. Diese Erfolge können Alltags-Radfahrer noch erheblich steigern, wenn sie das Radfahren mit festen Zeiten zum Freizeitspaß machen. So kann eine Frau zwischen 45 und 60 Jahren, wenn sie statt 20 Minuten 60 Minuten täglich fährt, die positive Wirkung auf ihr Immunsystem um das Dreifache steigern. Beeindruckende Effekte nach kurzer Zeit – dieses Phänomen sollte die Entscheidung für das Radfahren leicht machen. Welche Fortbewegungsart ermöglicht auf so sanfte Weise mehr Lebensqualität?

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