Bei Pogacars Sturz von Rad getroffen

Van der Poel konnte seinen “Lenker nicht gut festhalten“

Von Kevin Kempf

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Mathieu van der Poel (Alpecin - Deceuninck) legte im Finale die linke Hand nur noch auf den Lenker. | Foto: Cor Vos

22.03.2026  |  (rsn) – Als Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) kurz vor der Cipressa am Boden lag, Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) mit seinem Teamkollegen Matteo Jorgenson daneben stand und mit Biniam Girmay (NSN) ein weiterer Anwärter auf den Sieg zu den Sturzopfern gehörte, sah es aus, als wäre Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) der erfolgreichen Titelverteidigung bei Mailand-Sanremo (1.UWT) ohne einen extra Schweißtropfen vergossen zu haben, deutlich näher gekommen. Doch nichts war weniger wahr.

“Ein Rad von Lidl – Trek traf mich“, berichtete der Niederländer dem TV-Sender NOS. Wie viele Fahrer in den Sturz verwickelt waren, wurde erst einige Minuten später deutlich. Zunächst konzentrierte sich die Regie nur auf Pogacar und van Aert, der noch länger als der Slowene an der Unfallstelle warten musste. Erst als der Weltmeister die Verfolgung schon einige Zeit aufgenommen hatte, wurde zwischen seiner Gruppe und dem stark dezimierten Peloton ein weiterer Pulk gezeigt. Dort machte Jasper Philipsen Tempo für seinen Kapitän van der Poel.

“Meine Mannschaft hat mich da gut zurückgebracht“, erklärte der Alpecin-Kapitän. Bis auf Philipsen war aber niemand zu sehen – und auch der bekam die Lücke nicht ganz zu, sodass van der Poel auch selbst kurz in den Wind musste. Im Gegensatz zu Pogacar kam er kurz vor der Cipressa wieder nach vorn. “Ich fühlte da schon, dass ich nicht mehr super war. Ich bin mit meinem eigenen Tempo aufgerückt und da kam Tadej auch schon vorbei“, erinnerte sich van der Poel.

Der Weltmeister wirbelte mit seinem aufgerissenen Regenbogentrikot an van der Poel und Co. vorbei, setzte sich an die Spitze und wurde dort von Brandon McNulty und Isaac Del Toro lanciert. Als der Mexikaner seine Arbeit verrichtete, tauchte auch der Alpecin-Fahrer endlich in den vordersten Positionen auf. Der Attacke Pogacars konnte er neben Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) als einziger folgen. “Ich war dabei, als ich dabei sein musste, aber ich fühlte mich nicht super. Über Funk habe ich gesagt, dass ich meinen Lenker nicht gut festhalten kann. Ich habe alles probiert.“

Am Poggio ging es zu schnell

Das Trio erreichte die Kuppe der Cipressa und blieb auch in der Abfahrt zusammen. Erst da wurde dem Zuschauer deutlich, dass van der Poel nicht nur aufgehalten, sondern direkt am Sturz beteiligt war. Wo ihm sonst die Gesichtszüge selten entgleisen, zog er nun ständig schmerzverzerrte Grimassen. Seine linke Hand blutete und er legte sie mehr auf sein Arbeitsgerät, als dass er es mit ihr festhielt.

Trotzdem scheute er den Wind nicht und leistete im Flachen seinen Teil an der Führungsarbeit. Doch an der letzten Steigung hatte er das Nachsehen, als Pogacar das Tempo verschärfte. “Er war sehr stark. Auf dem Poggio musste ich schnell mein eigenes Ding machen. Ich wollte wie Ganna letztes Jahr mein Tempo fahren, aber leider pokerten Tadej und Tom nicht“, resümierte er.

So fuhr das Führungsduo immer weiter weg, während van der Poel selbst in der Abfahrt vom Peloton eingeholt wurde. Hinter Pogacar, Pidcock und dem auf dem letzten Kilometer enteilten van Aert sprintete der 31-Jährige noch um Platz vier. Dabei musste er vier Profis den Vortritt lassen, was im Endergebnis Rang acht bedeutete. Wichtiger im Hinblick auf die nächsten Rennen war aber das Gesundheitsfazit im Ziel: “Mein Finger tut weh, aber ich glaube, es ist nicht so schlimm.“ Weiter gehen soll es für van der Poel am 27. März bei der E3 Classic (1.UWT).

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