RSNplusPlötzlich betrug der Abstand 3:30 Minuten

Entstand die Lücke zu Evenepoel, weil UAE auf cool machte?

Von Joachim Logisch aus Lüttich

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Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe, vorn) überzeugte bei Lüttich-Bastogne-Lüttich als Helfer von Remco Evenepoel. | Foto: Cor Vos

26.04.2026  |  (rsn) - Rund eine halbe Stunde nach dem Start der 112. Ausgabe von Lüttich-Bastogne-Lüttich vermeldete unser Ticker, dass Topfavorit und Titelverteidiger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) dreieinhalb Minuten hinter seinem großen Konkurrenten Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) zurückliegen würde. 

'Wie konnte das passieren?', fragte sich jeder, denn eine Aufklärung gab es bis ins Ziel nicht wirklich, wo Pogacar mit seinem Sieg vor Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) und Evenepoel die Kräfteverhältnisse wieder zurechtgerückt hatte.

Merkwürdig schien auch, dass der Abstand zwischen der 50-köpfigen Gruppe um Evenepoel und Verfolger Pogacar anfänglich nur 20 Sekunden betrug, der aber sehr schnell auf dreieinhalb Minuten anwuchs.

RSN recherchierte vor Ort, wie es zu diesem überraschenden Split kommen konnte. ___STEADY_PAYWALL___

Der drittplatzierte Evenepoel konnte in der Pressekonferenz nach dem Rennen keine Auskunft geben: "Ich weiß es nicht genau, weil ich vorne war, als es passierte. Plötzlich teilte sich das Feld in zwei Teile und wir befanden uns in einer Gruppe von etwa 50 Fahrern. Und irgendwann hatten wir bereits mehr oder weniger zwei Minuten Vorsprung", sagte der Belgier

Dass es ein Sturz war, der kurzzeitig für Verwirrung im hinteren Feld sorgte, bestätige Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) gegenüber RSN: "Die sind bei mir fast hinten reingestürzt. Ich lag auch fast. Ich bin da ausgeklickt, konnte mich aber abfangen. Und auf einmal war dann die Gruppe weg“, schilderte der 32-Jährige das Geschehen.

"Es gab einen kleinen Sturz. Vendrame (Jayco - AlUla, d. Red.) ist Izagirre (Cofidis) von hinten reingefahren und beide lagen am Boden. Ob der Sturz jetzt ausschlaggebend war, weiß ich nicht“, sagte Georg Zimmermann (Lotto - Intermarché) gegenüber RSN. Der Deutsche Meister meinte damit, dass das hintere Feld durch den Unfall nicht aufgehalten wurde, da er auf einer breiten Straße passierte. Zimmermann: "Es war mehr eigenverschuldet, dass da die Lücke aufgegangen ist!“

Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe) war über mehr als 100 Kilometer die “Lokomotive“ an der Spitze der Ausreißergruppe. | Foto: Cor Vos

Zunächst schien niemand die Verantwortung für die Nachführarbeit übernehmen zu wollen. "Es war komisch, weil UAE zwar gefahren ist. Alle haben natürlich auf sie geschaut. Ich glaube aber, die wollten am Anfang auf cool machen, weil sie vorne auch jemanden hatten und meinten, erstmal abwarten und schauen zu können. Ich bin eigentlich der Meinung, dass sie die Lücke hätten zufahren können. Sie waren ja fast dran. Es sah so aus, als hätten sie die Gruppe absichtlich gehen lassen. Das Tempo war dann für einen Moment raus. Vorne sind sie aber auch sehr schnell gefahren“, erklärte Zimmermann, dass der Abstand so schnell von 20 Sekunden auf über drei Minuten anwachsen konnte.

"Ich war überrascht, dass die 50 Leute vorne so gut harmonierten und so ein Tempo vorlegen konnten. Vor allem, da Remco dabei war“, staunte Zimmermann. Doch es lag nicht daran, dass die Spitzgruppe so gut harmonierte, sondern an Nico Denz, der für seinen Kapitän Evenepoel mächtig auf die Tube drückte. "Ich habe keine Ahnung, was da anfangs passiert war. Ich hatte gesehen, dass es vorne den Fight um die Gruppe gab und auf einmal ein Loch bei 30, 40 Mann entstand. Ich bin dann mit Remco hingefahren, der hinter mir am Rad fuhr. Plötzlich waren wir mit 50 Mann vorne, weil irgendwer ein Loch gelassen hatte. Und bei 60 km/h so eine Lücke zuzufahren, ist halt nicht ganz so einfach“, meinte Denz mit einem Lächeln um die Mundwinkel.

Gefühlte 125 Kilometer lang hielt die Red-Bull-Lokomotive das Tempo hoch. “Wir sind einfach extrem schnell vom Start weg losgefahren und irgendwer (hinter ihnen, d. Red.) hat gemeint, er müsste nicht hinterherfahren. Dann war halt ein Loch im Feld“, erklärt Denz gegenüber RSN den Umstand, der ihn schon so früh an die Spitze des Feldes zwang.

Das Streckenprofil des 112. Lüttich-Bastogne-Lüttich | Foto: Veranstalter

Doch dann stockte es an der Spitze. "Auf dem Hinweg nach Bastogne war die Motivation von anderen Teams noch ein bisschen größer. Allerdings habe ich leider nicht ganz verstanden, warum man nicht ein bisschen mehr investiert hat, weil nur Remco als großer Favorit vorne war. Ich hätte erwartet, dass einigen diese Situation passt“, wunderte sich Denz, dass niemand die günstige Situation ausnutzen wollte. Lediglich Ineos Grenadiers, das durch Egan Bernal und Laurens De Plus vorne vertreten war, half etwas mit.

"Von Bastogne an waren wir nachher noch zu dritt, die gefahren sind. Ich bin so hart und so schnell gefahren, wie ich konnte. Der Berg bei La Roche-en-Ardenne war dann leider 500 Meter zu lang für mich“, entschuldigte Denz sich fast dafür, dass er den Anschluss verlor und später das Rennen vorzeitig beendete. 

Doch seine Aufgabe hatte er bis dahin längst mehr als erfüllt.

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