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26.04.2026 | (rsn) - Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat die 112. Auflage von Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen – und auch seinen 112. Profisieg gefeiert, der zugleich sein vierter Erfolg bei La Doyenne und der 13. bei einem der fünf Radsport-Monumente war. Zweiter wurde nach 259,5 Kilometern des Ardennenklassikers mit 45 Sekunden Rückstand der 19-jährige Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM). Der Franzose war der Einzige, der den vorentscheidenden Antritt des Weltmeisters an der Côte de la Redoute parieren konnte. Erst im letzten Anstieg des Tages, der Côte de la Roche aux Faucons, schüttelte Pogacar auch ihn ab.
Dritter wurde mit bereits 1:42 Minuten Rückstand Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe), der den Sprint der Verfolgergruppe vor seinem belgischen Landsmann Emiel Verstrynge (Alpecin – Deceuninck) und dem Kolumbianer Egan Bernal (Ineos – Grenadiers) gewann. Auf den Plätzen sechs bis zehn folgten zeitgleich Pello Bilbao (Bahrain Victorious), Romain Grégoire (Groupama – FDJ), Christian Scaroni (XDS – Astana), Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) und Filippo Zana (Soudal – Quick Step). Rang elf belegte der Schweizer Meister Mauro Schmid (Jayco – AlUla).
“Es bedeutet mir viel, erneut eines der wichtigsten Rennen des Jahres gewonnen zu haben. Ich fahre nicht oft und habe deswegen nicht so oft die Gelegenheit zu gewinnen. Deswegen ist der Druck auf mich hoch, an Tagen wir heute abliefern zu müssen“, sagte Pogacar im Ziel. Dort zeigte er sich beeindruckt von seinem jungen Begleiter auf Zeit. Seixas sei an der Redoute wohl am Limit gewesen, habe anschließend aber stark mitgeführt. “An der Roche-aux-Faucons habe ich dann ein hohes Tempo angeschlagen, zum Glück ist er zurückgefallen“, sagte der Sieger, der aber betonte, auch für einen Sprint bereit gewesen zu sein.
Gegen den UAE-Kapitän scheint auch in dieser Saison kein Kraut gewachsen zu sein. Dabei hatten Pogacar und Seixas zu Beginn des Rennens den Sprung in eine mehr als 50 Fahrer umfassende Spitzengruppe verpasst, zu der Evenepoel und Bernal gehörten. Der Abstand zum Feld betrug zwischenzeitlich bereits vier Minuten.
Daraus macht der Slowene – auch wegen der bärenstarken Arbeit seiner Helfer – bis zum Ziel noch einen beruhigenden Vorsprung. Es war im fünften Saisonrennen Pogacars vierter Sieg, nur bei Paris-Roubaix musste er einem Konkurrenten – Wout Van Aert (Visma – Lease a Bike) den Vortritt lassen.
Zwei Wochen später konnte er nun zum zweiten Mal nacheinander in Lüttich im Trikot des Weltmeisters jubeln. Dabei reckte Pogacar den Arm gen Himmel, um an den in dieser Woche verstorbenen Cristian Camilo Munoz zu erinnern. Der Kolumbianer war einst sein Teamkollege gewesen.
Seixas bestätigte Pogacars Eindruck und zollte dem Slowenen den gebührenden Respekt. “An der Redoute war ich am Limit, ich konnte gerade so folgen. Pogacar war heute der Stärkste“, sagte der Franzose, der sich auch bei seinem Team bedankte, das UAE bei der Verfolgung der Ausreißergruppe unterstützt und den jungen Kapitän in der entscheidenden Phase gut positioniert hatte: “Ich fühle mich jetzt sehr gut und freue mich, dass ich Zweiter geworden bin und das Team für die Arbeit belohnt habe.“ Enttäuschung klingt anders – aber es deutet ja auch vieles darauf hin, dass dem Decathlon-Juwel die Zukunft gehört.
Doch zurück zur Gegenwart: Einen möglichen dritten Doyenne-Triumph verpasste Evenepoel deutlich. Auch der Belgier wurde an der Redoute, holte sich dann aber noch zumindest den dritten Platz. “Ich war eigentlich an der Redoute ganz gut positioniert, aber die Beine waren schon etwas müde. Schon am Fuß der Steigung ging es mir zu schnell. Ich blieb aber ruhig und habe gehofft, dass ich noch irgendwie aufs Podium komme und das hat geklappt", sagte der Red-Bull-Kapitüän im Ziel.
Als bester Deutscher erreichte Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) als 26. das Ziel in Lüttich - mit 3:43 Minuten Rückstand. Zeitgleich belegte Maximilian Schachmann (Soudal – Quick Step) Rang 30. Marco Brenner (Tudor, +16:15) wurde an der Seite des wegen eines Defekts früh distanzierten Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) 103.
Das Rennen begann mit einem Paukenschlag: Eine gut 50 Fahrer umfassende Gruppe setzte sich unmittelbar nach dem Start aus dem Feld ab - und mitten drin war Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe). Ein Sturz, in den Ion Izagirre (Cofidis) verwickelt war, soll diesen frühen Split begünstigt haben. Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) hatte den Zug ebenso verpasst wie Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM), Tom Pidcock (Pinarello - Q36.5) und weitere als Mitfavoriten genannte Fahrer.
In der ersten großen Gruppe waren neben Evenepoel unter anderem Egan Bernal, Laurens De Plus (Ineos - Grenadiers), Quinten Hermans (Pinbarello - Q36.5), Magnus Cort, Andreas Leknessund und Alexander Kamp (alle Uno-X Mobility), Dylan van Baarle, Louis Vervaeke, Pascal Eenkhorn (alle Soudal - Quick Step) und Hugo Houle (Alpecin - Deceuninck). Picnic - PostNL war gleich mit fünf Mann vorn vertreten, unter anderem mit Gijs Leemreize. Evenepoel hatte Nico Denz als Helfer an seiner Seite. Der Abstand zum Feld mit Pogacar und Co. betrug bereits 3:30 Minuten, als mit der Côte de Saint Roch nach gut 80 Kilometern die erste von elf klassifizierten Steigungen erreicht war. Kurz darauf wurden daraus sogar vier Minuten.
Die Helfer von Pogacar und Seixas spannten dann zusammen und reduzierten den Rückstand in der darauffolgenden Rennphase auf 2:30 Minuten. So ging es 130 Kilometer vor dem Ziel in den Col de Haussiere, wo das von Tim Wellens (UAE – Emirates – XRG) angeführte Feld die Lücke auf 2:10 Minuten schrumpfen ließ, während vorn De Plus das Tempo bestimmte. Denz musste an jenem zweiten Anstieg abreißen lassen. Das hatte zur Folge, dass vorn die Einigkeit weg war – weshalb die Verfolger den Abstand um eine weitere Minute reduzieren konnten.
Das Streckenprofil des 112. Lüttich-Bastogne-Lüttich | Foto: Veranstalter
100 Kilometer vor dem Ziel lösten sich Kamp, Eenkhorn, Leemreize und Houle aus der Spitzengruppe, Vesitroffer schaffte kurze Zeit später den Sprung nach vorn. Bei den übrigen Ausreißern danach die Luft endgültig raus, so dass es 94 Kilometer vor dem Ziel wieder zum Zusammenschluss mit dem Feld kam. Eenkhorn und Veistroffer mussten bereits in der Côte de Wanne, der Steigung, die die schwerste Phase einläutete, abreißen lassen. Pidcock, der kurz zuvor durch Defekt gestoppt worden war, schaffte es dort nicht, den Rückstand zum Feld entscheidend zu verkleinern. Damit war die Doyenne für den Briten abgehakt. Im unteren Teil der bis zu 20 Prozent steile Côte de Stockeu, Anstieg Nummer vier, war es dann auch um die restlichen drei Ausreißer geschehen.
Maximilian Schachmann (Soudal – Quick Step) probierte es kurz vor dem Col du Rosier mit einem Solo, das von Pavel Sivakov (UAE – Emirates – XRG) aber nach knapp drei Kilometern schon wieder beendet wurde. Außer Sivakov hatte Pogacar in dieser Phase auch noch Benoit Cosnefroy und Domen Novak zur Seite, der zur frühen Spitzengruppe gehört hatte. Sivakov bestimmte bis zur Côte de Desnié das Tempo, wo Novak übernahm.
An der Cote de la Redoute bereitete Cosnefroy das Terrain für seinen Kapitän vor. Der Titelverteidiger trat gut einen Kilometer vor der Kuppe an, nur Seixas konnte Pogacar folgen. Das Duo fuhr mit 20 Sekunden Vorsprung auf Skjelmose über die Kuppe. Hinter dem Spitzenduo bildete sich eine Gruppe mit Evenepoel, Bernal, Izagirre, Mauro Schmid (Jayco – AlUla), Pello Bilbao (Bahrain Victorious), Romain Grégoire (Groupama – FDJ), Christian Sacroni (XDS – Astana) Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) und einigen weiteren Profis.
Bei den Verfolgern herrschte allerdings keine Einigkeit. Es schlossen weitere abgehängte Fahrer auf, und die Lücke ging immer weiter auf. Die Cote de la Roche-aux-Faucons nahm das Duo mit 1:30 Minuten Vorsprung in Angriff. Pogacar zwang seinem jungen Begleiter gleich unten hinein sein Tempo auf, Seixas konnte zunächst folgen, doch 600 Meter vor der Kuppe begann er erst mit dem Oberkörper zu wippen – dann musste er sich geschlagen geben.
Im letzten Anstieg des Tages löste sich Skjelmose von den anderen Verfolgern. Seixas fiel zwar hinter dem wie entfesselt fahrenden Pogacar schnell auf über eine halbe Minute zurück, hatte zu dem Dänen aber ein beruhigendes Polster von rund 1:20 Minuten. Der wiederum wurde fünf Kilometer vor dem Ziel wieder gestellt.
Pogacar hatte da bereits eine Minute Vorsprung gegenüber Seixas und konnte seinen vierten Sieg bei “La Doyenne“ – und den dritten in Serie - ausgiebig feiern. Lüttich-Debütant Seixas rollte mit 44 Sekunden Rückstand über den Zielstrich. Evenepoel zog eine knappe weitere Minute dahinter den Sprint in der Verfolgergruppe früh an und gewann ihn ungefährdet vor Verstrynge und Bernal, um sich so noch den letzten freien Platz auf dem Podium zu sichern.
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