Die Stimmen zur 120. Lombardei-Rundfahrt

Jorgensen: “Direkt am See, ein Bier in der Hand – besser wird’s nicht“

Von Christoph Matt

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Obwohl Matteo Jorgenson (Visma - Lease a bike) im Finale des Herbstklassikers keine Rolle spielte, konnte er den Saisonabschluss genießen. | Foto: Cor Vos

10.10.2026  |  (rsn) – Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) hat sich bei der 120. Austragung der Lombardei-Rundfahrt zum jüngsten Sieger des Monuments seit dem Zweiten Weltkrieg gekürt. Der 20-Jährige setzte sich im Finale am Civiglio-Anstieg entscheidend aus der Favoritengruppe ab und distanzierte die Konkurrenz souverän. Hinter Seixas sicherten sich Enric Mas (Movistar) mit 48 Sekunden und Giulio Ciccone (Lidl - Trek) mit 1:05 Minuten Rückstand die weiteren Podiumsplätze.

Der frischgebackene Europameister Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) konnte der entscheidenden Attacke am vorletzten Anstieg nicht folgen, entschied aber den Sprint der ersten Verfolgergruppe für sich und belegte den vierten Platz. Die ebenfalls hoch gehandelten Isaac del Toro (UAE - Emirates - XRG) und Primoz Roglic spielten im Finale keine Rolle mehr. Die deutschen Fahrer schafften es bei diesem schwer umkämpften Saisonabschluss nicht unter die vorderen Platzierungen.

In unserem Stimmensammler können Sie nachlesen, was die Protagonisten zum Rennen zu sagen hatten.

Die Stimmen zur 120. Lombardei-Rundfahrt:

Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM / Sieger / Flash-Interview): "Ich kann es gerade noch gar nicht realisieren. Alles ist perfekt gelaufen. Das Team hat einen großartigen, einen unglaublichen Job gemacht. Jeder hat mehr gepusht, als er eigentlich musste. Ich hatte unglaublich gute Beine und das Gefühl, dass heute ein großartiger Tag wird. Ich konnte den Unterschied genau in dem Moment machen, den ich mir ausgesucht habe – vielleicht sogar etwas früher. Aber ich hatte das Gefühl, dass das Tempo am Anstieg nicht hoch genug war, zumindest für mich, um einen Unterschied zu machen. Also musste ich früh losfahren, weil es auch einige nicht so steile Abschnitte gab."

Enric Mas (Movistar / Zweiter / CyclingProNet): "Mir gefällt dieses Finale wirklich gut. Ich bin wieder einmal Zweiter hier und ganz glücklich damit. Ich hatte die Werte aus dem Jahr 2022 im Kopf, deshalb war ich zuversichtlich. Ich wusste, was ich trete. Klar, jemand wie Paul (Seixas) kann mich abhängen, aber ich hatte Vertrauen in meinen Plan und habe mich daran gehalten. Am Ende war das super. Giulio ist ein superschneller Fahrer, also musste ich es versuchen, ihn abzuhängen. Am Ende hatte ich Glück."

Tom Pidcock (Pinarello - Q36.5 / 6. Platz / Eurosport): "Als wir in den vorletzten Anstieg gingen, war meine Position schlecht. Ich musste einiges geben, um wieder nach vorn zu kommen, und bin dann am Hinterrad von Paul (Seixas) etwas zu tief gegangen. Dafür habe ich bezahlt, aber ich fühlte mich heute wirklich gut. Aber im Anstieg bin ich in den roten Bereich gegangen und das war es dann. Ich habe heute auch darunter gelitten, dass ich den Parcours nicht so gut kenne. Es war das erste Mal, dass ich in diese Richtung gefahren bin. Aber hey – keine Ausreden. Ich war nicht stark genug. So ist es."

Pello Bilbao (Bahrain - Victorious / 7. Platz / Eurosport): "Es war ein sehr emotionales Rennen. Ich wusste nicht, dass meine Kinder und meine Frau heute am Start sind. Sie haben mich beim Team-Meeting am Morgen überrascht. Der größte Erfolg meiner Karriere ist, wie ich mich heute fühle. Die Unterstützung und Wertschätzung, die ich von meinem Team bekomme, ist ein wunderbares Gefühl. Ich wollte so aufhören und auf diesem Niveau bis zum Schluss kämpfen. Ich wollte es genießen. Ich weiß, dass ich in der Vergangenheit durch meine Emotionen manchmal Fehler gemacht habe. Heute konnte ich das bis ins Finale genießen und wusste, dass ich zum letzten Mal in einem Radrennen so leiden werde. Ich bin bis zum Schluss Vollgas gefahren und war bis zum Schluss vorne dabei."

Michael Leonard (EF Education - EasyPost / 22. Platz / Eurosport): "Es war ein wirklich schwerer Tag. Die Gruppe kam schwerer weg, als ich persönlich gedacht hätte. Für unseren Vorsprung mussten wir wirklich hart arbeiten. Vom Start weg war es deswegen wirklich schwer und ich denke, dass ich im letzten Saisonabschnitt in eine ziemlich gute Form gekommen bin. Es war schön, da das Beste draus gemacht und mich ein wenig gezeigt zu haben."

Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike / 23. Platz / Eurosport): "Das Jahr ist so lang. Es ist schön, ins Ziel zu kommen, und es hat Spaß gemacht. Wir haben ein paar coole Taktiken ausprobiert. Wir waren nicht die Favoriten, weil es einfach ein so hartes und ehrliches Rennen ist. Es hat viel Spaß gemacht da draußen und war einfach ein schöner Tag. Es gibt schlimmere Arten, die Saison zu beenden: In Como, direkt am See, ein Bier in der Hand – besser wird’s nicht."

Fausto Masnada (MBH Bank – CSB Telecom Fort / 65. Platz / Eurosport): "Es war nicht der Plan, heute in die Gruppe zu gehen. Es war nicht leicht, die Ausreißer einzuholen. Aber das Peloton hat uns nie mehr als drei Minuten gegeben. Wir haben versucht, alle gut zusammenzuarbeiten, um oben an der Ghisallo noch vorne zu sein. Das haben wir geschafft, aber ich hatte auf dem Rundkurs um Como schon schlechte Beine und meinen Tank schon geleert. Ich glaube, mein Teamkollege Fancellu hat es in die Top 20 geschafft. Also war es am Ende ein guter Tag für uns. Wir haben es genossen."

Tiesj Benoot (Decathlon – CMA CGM / 76. Platz / Eurosport): "Ich habe alles aus mir rausgeholt und war besser, als ich gedacht hätte. Ich war noch bei den letzten 30 oder 35 Fahrern, genau weiß ich es nicht. Ich konnte die Positionierung für die erste Überfahrt der San Fermo machen und das war es dann. Ab da hat Paul (Seixas) allein einen Superjob gemacht. Ich hatte das Glück, auf dem Civiglio das Rennen etwas im zweiten Teamwagen mitverfolgen zu können. Ich habe gesehen, dass er das Tempo bestimmt und einen nach dem anderen abgehängt hat. Das war wirklich beeindruckend. Es ist meine zwölfte Saison als Berufsradfahrer und das erste Mal, dass ich Teil eines Aufgebots bin, das ein Monument gewinnt. Es ist wirklich toll, eine Saison so abzuschließen."

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