Tour-Ausflug nach Nogaro endete im Sturz-Chaos

Sorgen Motorsportstrecken tatsächlich für sichereren Giro?

Von Kevin Kempf

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Der erste von drei Stürzen im Finale der 4. Etappe der Tour de France 2023 | Foto: Cor Vos

04.11.2026  |  (rsn) – Eine ”moderne Route” wurde die Strecke des Giro d’Italia 2027 von Luca Guercilena genannt. Der Rundfahrt-Direktor berief sich bei dieser Einschätzung unter anderem auf die drei Rennstrecken – jene in Misano, Mugello und Monza -, die in den am Dienstag vorgestellten Parcours eingebaut wurden. Während in Monza das Zeitfahren gestartet wird, darf in Misano und Mugello ein Massensprint erwartet werden. Bei diesen Ankünften sollen die Rennstrecken für mehr Sicherheit sorgen.

Doch die Frage ist, ob Auto- und Motorradcircuits tatsächlich die Sicherheit fördern. Ein bekanntes und rezentes Gegenbeispiel ist die 4. Etappe der Tour de France 2023. Die endete zum einen auf der Motorsport-Rennstrecke von Nogaro und zum anderen im Sturz-Chaos.

Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech), der dem späteren Etappensieger Jasper Philipsen den Sprint anzog, äußerte sich im Ziel kritisch: “Eine Rennstrecke ist nicht sicherer als eine herkömmliche Straße, das haben wir heute gesehen. Es war sehr, sehr schnell und im Feld sind diese Kurven schwierig zu fahren. Außerdem gab es keine Auslaufzonen.“

Die für den Motorsport konzipierten Kurven unterscheiden sich teilweise deutlich von denen im öffentlichen Straßenverkehr und damit auch von den im Radsport üblichen Streckenführungen. Sie sind auf hohe Geschwindigkeiten und bestimmte Fahrlinien ausgelegt. Im dichten Fahrerfeld können sich daraus Probleme ergeben: Die Fahrer müssen Kurven bei hohem Tempo und häufig nebeneinander durchfahren.

Die große Fahrbahnbreite vermittelt dabei eine trügerische Sicherheit. Wie zuletzt bei den Sprintfinals der Tour of Guangxi (2.UWT) zu sehen war, kann gerade der Platz zum Nebeneinanderfahren auf den letzten Kilometern zu Positionskämpfen und Chaos führen.

Ein weiterer möglicher Risikofaktor ist die Gummierung des Asphalts. Auf Motorsportstrecken lagert sich durch die Reifen der Fahrzeuge besonders auf der Ideallinie Gummiabrieb ab. Bei trockenen Bedingungen kann diese Schicht den Grip verbessern. Bei Nässe kann eine stark gummierte Fahrbahn dagegen rutschiger werden. Neben dem Reifenabrieb können sich auch Ölreste auf dem Asphalt ansammeln. Allerdings sind moderne Rennstreckenbeläge keineswegs grundsätzlich glatt: Ihre Oberflächen werden gezielt auf eine möglichst hohe Reifenhaftung - auch bei Nässe - ausgelegt.

Trotzdem äußerte auch Anfahrer Jasper De Buyst nach der Ankunft in Nogaro vor gut drei Jahren Bedenken. “Niemand von uns ist es gewohnt, auf einer derart breiten Strecke ins Ziel zu kommen – die Einfahrt ist ziemlich schmal, danach folgen wieder sehr breite Fahrspuren. In Kurven dieser Art kann man einfach weiter in die Pedale treten, und man kann sie problemlos zu zehnt nebeneinander durchfahren. Letztendlich ist es wie eine lange Gerade, nur noch gefährlicher“, sagte er.

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