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27.05.2018 | (rsn) - Besonders anstrengen musste sich Chris Froome (Sky) in Rom nicht mehr. Dass sein Rosa Trikot von Titelverteidiger Tom Dumoulin (Sunweb) noch einmal angegriffen würde, war schon vor der Schlussetappe des 101. Giro d'Italia kaum zu erwarten. Doch als die Jury die finalen Zeiten wegen schlechter Straßenverhältnisse bereits nach drei der insgesamt zehn 11,5 Kilometer langen Runden auf dem Kurs in der "ewigen Stadt" nahm, stand es fest: Nach seinen Siegen bei der Tour de France und der Vuelta a Espana im Vorjahr hat Froome mit der Italien-Rundfahrt auch die dritte Grand Tour in Folge gewonnen.
"Drei in Folge - ich glaube nicht, dass es bei mir schon richtig durchgesickert ist", gab sich Froome in Rom überwältigt. "Ich bin sicher, ich werde es in ein paar Tagen realisieren, wenn ich etwas Zeit zum Reflektieren hatte. Es ist einfach unglaublich - für jeden Radfahrer ist das ein Traum. Alle drei Führungstrikots innerhalb von zehn Monaten mit nach Hause zu nehmen, ist ein unglaubliches Gefühl."
Angesichts dessen, wie Froomes Giro-Sieg im Verlauf der drei Rennwochen zustande kam, dürfte der Triumph noch berauschender für den Briten sein. Schon am Samstagabend in Cervinia sagte er nach der letzten Bergetappe: "Dieser Giro war die Schlacht meiner Karriere." Erst der Sturz vor dem Auftaktzeitfahren in Jerusalem, dann eine sehr durchwachsene erste Giro-Hälfte und ein riesiger Rückstand nach zwei Wochen.
4:52 Minuten lag Froome nach der 15. Etappe in Sappada hinter der Maglia Rosa von Simon Yates (Mitchelton-Scott). Das Thema Gesamtsieg schien aussichtslos, zumal ganze sechs Fahrer vor ihm lagen. Doch vier Tage später stellte er den Giro mit einem 80-Kilometer-Solo über den Colle delle Finestre und Sestriere nach Jafferau auf den Kopf, das in die Geschichte eingehen wird - und das dafür sorgte, dass Froomes Glaubwürdigkeit als sauberer Athlet erneut mit großen Fragezeichen versehen wurde.
"Ich kneife mich noch selbst. Ich kann nicht glauben, dass ich hier bin", sagte er in Rom angesichts seines dritten Grand-Tour-Gesamtsieges in Folge. Dabei sprach er natürlich das Triple an. Ironischerweise könnte diese Aussage aber von jedem im Radsport sein, der den Briten auf Grund seiner Salbutamol-Affäre gar nicht am Start des Giros sehen wollte - und von jenen, die am Freitag die 19. Etappe verfolgten und angesichts der Geschehnisse ihren Augen nicht trauen wollten.
Rund eine Viertelstunde rollte Froome in Rom nach Etappensieger Sam Bennett (Bora-hansgrohe) ins Ziel. Nachdem die Jury die Zeit nach der dritten der zehn Runden genommen hatte, ließ Froome es gemeinsam mit seinem Team locker angehen. Genau wie der Gesamtzweite Tom Dumoulin (Sunweb) und der Gesamtdritte Miguel Angel Lopez (Astana) rollte der frischgebackene Giro-Sieger in gemächlicherem Tempo durch die "ewige Stadt", konnte sogar noch das Ambiente genießen, während vorne mit Vollgas um den letzten Sprintsieg gekämpft wurde.
"Es war toll, die Atmosphäre in Rom aufsaugen zu können - all diese Monumente, die Zuschauermengen, es war eine tolle Atmosphäre da draußen", sagte er, nachdem er Seite an Seite mit all seinen Teamkollegen den Zielstrich überquert hatte. Froome genoss seinen ersten Giro-Sieg in vollen Zügen - ungeachtet aller Kritik, aller Fragen und auch jener Verhandlungen um seine Salbutamol-Affäre, die ihn sowohl diesen Triumph als auch den bei der Vuelta im vergangenen September kosten könnte.
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