Vorschau WM-Teamzeitfahren der Frauen

Kann Sunweb Boels-Dolmans wieder ärgern? Und wer holt Bronze?

Von Felix Mattis aus Innsbruck

Foto zu dem Text "Kann Sunweb Boels-Dolmans wieder ärgern? Und wer holt Bronze?"
Das Team Sunweb, hier angeführt von Lucinda Brand (links), auf dem Weg zu WM-Gold 2017 in Bergen. | Foto: Cor Vos

23.09.2018  |  (rsn) - Ladies first! Bevor am Sonntagnachmittag die Männer zum letzten Mal mit ihren Profi-Teams um WM-Medaillen im Mannschaftszeitfahren fahren, sind am Vormittag die Frauen an der Reihe. Und auch wenn mit Cervélo-Bigla die Bronze-Medaillengewinnerinnen der beiden vergangenen Jahre in Innsbruck fehlen, so dürfte auf dem 54,5 Kilometer langen Kurs - die Frauen müssen, oder dürfen, den knapp fünf Kilometer langen Anstieg nach Axams nicht hinauf - ein spannendes Rennen bevorstehen.

Boels-Dolmans geht zwar als Top-Favorit in den kollektiven Kampf gegen die Uhr, doch das war die Mannschaft von Teamchef Danny Stam im vergangenen Jahr auch schon. Und am Ende standen Hans Timmermans und seine sechs Frauen von Sunweb auf dem Podium ganz oben und sorgten für Teil eins des von ihren männlichen Teamkollegen später perfekt gemachten Doppelsiegs.

Sunweb ist auch diesmal der größte Herausforderer von Boels-Dolmans. Zwar müssen die Titelverteidigerinnen auf die unlängst im Training unabhängig voneinander jeweils schwer gestürzten Floortje Mackaij und Sabrina Stultiens verzichten. Doch mit Ellen van Dijk, Coryn Rivera, Leah Kirchmann und Lucinda Brand stehen trotzdem vier Frauen im Aufgebot, die vom Vorjahr schon wissen, wie es sich anfühlt, zu Gold zu rasen. Ergänzt werden sie durch Liane Lippert und Pernille Mathiesen, so dass der 6er-Kader kaum schwächer sein dürfte als im Vorjahr.

Boels-Dolmans hat sich nur auf einer Position verändert: Megan Guarnier, die am kommenden Samstag mit dem WM-Straßenrennen ihre Karriere beenden wird, fehlt im Teamzeitfahr-Aufgebot der Weltmeisterinnen von 2016 und wird durch Amalie Dideriksen ersetzt. Mit ihr kämpfen Straßen-Weltmeisterin Chantal Blaak, Karol-Ann Canuel, Christine Majerus, Amy Pieters und Anna van der Breggen um Gold.

Eher mit Außenseiterchancen auf den Titel, aber sehr guten Karten im Kampf um eine Medaille startet die deutsche Canyon-SRAM-Mannschaft von Ronny Lauke. Alena Amialiusik, Alice und Hannah Barnes, Elena Cecchini sowie die beiden Deutschen Lisa Klein und Trixi Worrack haben in exakt dieser Formation zwar noch nie ein Mannschaftszeitfahren miteinander bestritten. Doch mit Worrack und Amialiusik, die nach langer Verletzungspause am Sonntag ihr Comeback gibt, stehen immerhin noch zwei Weltmeisterinnen von 2015 im Aufgebot.

Herausgefordert dürfte Canyon-SRAM im Kampf um die (Bronze-)Medaille  vor allem durch Mitchelton-Scott und Wiggle-High5 werden, da Cervélo-Bigla den Start bei der WM überraschend abgesagt hat. Interessant dabei: Die Australierinnen von Mitchelton-Scott waren im Gegensatz zu ihren männlichen Teamkollegen in den vergangenen nie besonders stark im Teamzeitfahren - nahmen 2016 und 2017 nicht einmal an der WM teil.

In diesem Sommer aber verbesserten sie sich, fuhren mit der Hilfe von Einzelzeitfahr-Weltmeisterin Annemiek van Vleuten bei der Ladies Tour of Norway sogar auf Rang zwei hinter Boels-Dolmans und vor Sunweb. Doch van Vleuten ist in Innsbruck nicht dabei, was ihr Team erheblich schwächen wird. Die Niederländerin konzentriert sich auf die Einzelwettbewerbe.

Deshalb dürfte es schwer werden, Canyon-SRAM und auch Wiggle-High5 zu schlagen. Letztere nämlich kommen mit ihrem stärkst möglichen Aufgebot nach Innsbruck, um im letzten Rennen Teamgeschichte die jahrelange Schwäche im Kampf gegen die Uhr endlich abzustreifen: Lisa Brennauer, Kirsten Wild, Audrey Cordon Ragot, Annette Edmondson, Emilia Fahlin und Katie Archibald ist eine Medaille durchaus zuzutrauen, Platz fünf sollte das Minimalziel sein.

Ärgern könnte die "Big 5" vor allem das dänische Team Virtu Cycling um Mieke Kröger und Doris Schweizer, das bereits als zweites von der Startrampe rollt und voraussichtlich die lange Zeit stehende Richtzeit vorlegen wird. Stark ist außerdem die slowenische Mannschaft BTC City Ljubljana mit Corinna Lechner.

Start ist am Sonntag bereits um 10:10 Uhr, wenn mit BePink aus Italien die erste Mannschaft in der Area47 von der Rampe rollt. Die Titelverteidigerinnen von Sunweb starten um 10:43 Uhr als letztes Aufgebot. Insgesamt nehmen nur zwölf Teams an den Weltmeisterschaften teil - was aber die höchste Starterzahl seit Richmond 2015 (13) bedeutet.

Die Teams des WM-Mannschaftszeitfahrens: BePink, Virtu Cycling, Parkhotel Valkenburg, Cogeas-Mettler, BTC City Ljubljana, Valcar PBM, Wiggle-High5, Alé Cipollini, Canyon-SRAM, Mitchelton-Scott, Boels-Dolmans, Sunweb

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