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24.07.2025 | (rsn) - Am Ende wurde es im Kampf um Platz drei der Gesamtwertung und das Weiße Trikot ganz knapp für Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe). Nur 22 Sekunden rettete der 24-Jährige am Cole de La Loze gegenüber dem am Schluss stark aufkommenden Oscar Onley (Picnic – PostNL). Das war der Preis dafür, weil er zuvor sehr mutig angegriffen hatte. Mit einer etwas defensiveren Fahrweise wäre es vielleicht nicht so knapp geworden, doch das ist nicht sein Stil: Lipowitz greift an, wenn er eine Chance sieht!
Mit einer mutigen Taktik war sein Team in die Königsetappe der Tour mit drei Bergwertungen der höchsten Kategorie gestartet. Das Ziel war nicht nur, die Position von Lipowitz abzusichern, sondern auch Primoz Roglic vielleicht noch vom fünften Platz in der Gesamtwertung nach vorne zu bringen und um den Etappensieg zu kämpfen.
Das sah auf zwei Dritteln der 171 Kilometer langen Strecke auch recht vielversprechend aus. Schon 18 Kilometer vor dem Gipfel des Col du Glandon hatte sich Roglic aus dem Peloton abgesetzt und eine starke Gruppe mit dem späteren Etappensieger Ben O‘Connor (Jayco – AlUla), Felix Gall (Decathlon – AG2R La Mondiale), Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike), Einer Rubio (Movistar) und elf weiteren Fahrern gebildet.
Lipowitz hielt sich derweil an die Favoriten um das Gelbe Trikot von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), denen er aber im oberen Teil des Col de la Madeleine nicht folgen konnte. Während die Topstars zur Roglic-Gruppe aufschlossen, erreichte der junge Deutsche den Gipfel mit 30 Sekunden Verspätung. Nach der Abfahrt, auf der er zu Thymen Arensmann (Ineos Grenadiers) aufgeschlossen hatte, betrug der Rückstand 47 Sekunden. Doch in der Ebene kamen beide wieder an die Favoritengruppe heran.
“Als wir im Tal waren und den Anschluss an Jonas (Vingegaard) und Pogi (Tadej Pogacar) geschafft haben, schauten sich alle ein bisschen an und dann habe ich es probiert und habe die Lücke bekommen“, schilderte Lipowitz seinen Soloangriff, der vielleicht nicht die beste Idee gewesen war.
Der Gesamtdritte hatte wohl mitbekommen, dass die Gruppe um Onley, die zwischenzeitlich schon 2:30 Minuten zurück war, wieder herankam, weil Pogacar & Co. plötzlich ins Touristentempo fielen, um vor der entscheidenden Bergankunft auf dem Col de la Loze auf ihre ebenfalls abgehängten Helfer zu warten und keiner die Führungsarbeit übernehmen wollte. Besser wäre es gewesen, Lipowitz und Roglic hätten sich vor die Gruppe gespannt. Unter ihrem Tempodiktat wäre Onley sicher nicht zurückgekommen.
“Dann habe ich versucht zu pacen“, so Lipowitz, der sich bis zu Beginn des Anstiegs fast drei Minuten Vorteil auf die Verfolger erarbeitete und möglicherweise auch vom Etappensieg träumte. Roglic blieb dafür nun bei den Favoriten. “Wir haben beide offene Rollen und wenn man den Tag hat und keine Zeit verlieren kann, dann muss man auch fahren“, begründete Lipowitz, warum er attackierte. Seine Beine spielten mit und das Risiko, Zeit zu verlieren, schien gering. Da Onley am Col de la Madeleine Schwächen gezeigt hatte, dachte Lipowitz wohl, dass er auch am Col de Loz keine Zeit mehr gutmachen könnte. Womit er aber falsch lag.
Nachdem Lipowitz sich schnell einen deutlichen Vorsprung auf die Favoritengruppe erarbeitet hatte, schmolz der im knapp 26 Kilometer langen Schlussanstieg zusammen, bis er in Folge der Tempoverschärfung durch Pogacars Team schließlich acht Kilometer vor dem Ende gestellt wurde. “Die letzten zehn Kilometer habe ich dann gemerkt, dass die Energie nicht mehr da ist. Dann war es nur noch eine Qual. Und die letzten zwei Kilometer waren wirklich die Hölle. Wahrscheinlich habe ich im Tal einfach zu viele Körner liegen lassen“, meinte Lipowitz, der aber letztlich “super happy“ war, wie er gegenüber dem ZDF betonte: “Ich bin ganz schön eingegangen, aber ich habe mein Bestes gegeben. Ich habe etwas probiert.“
Auch sein Sportdirektor Enrico Gasparotto hob die positiven Aspekte hervor. “Florian ist ein junger Fahrer bei seiner ersten Tour de France. Er mag es, offensiv zu fahren. Und du musst was riskieren, wenn du was gewinnen willst. So waren wir bei der Dauphiné erfolgreich, so haben wir hier zwei Fahrer in den Top 5“, sagte der Schweizer nach der Etappe in einer Mitteilung von Red Bull und lobte Lipowitz für dessen Auftritt: “Als am Madeleine die Attacken begannen, ist er ruhig geblieben und hat seinen Rhythmus gefunden. Und als er die Gruppe mit Primoz erreichte, hat er sich gut gefühlt und wollte etwas probieren.“
Allerdings verzichtete die Sportliche Leitung darauf, Roglic am Schlussanstieg zum schwächelnden Jungstar zurückzubeordern, so dass der erfahrene Slowene seinem Teamkollegen auf den letzten Kilometern hätte unterstützen können. So ging es dann am Ende um Sekunden: Derer 22 rettete Lipowitz gegenüber Onley, der Tagesvierter wurde, während Roglic auch noch zurückfiel und Rang sieben belegte.
Auf der letzten Alpenetappe wird es nun wohl zu einem Duell um den letzten freien Podiumsplatz und das Weiße Trikot kommen. “Morgen wird nochmal ein super harter Tag, eine kurze Etappe, viele Höhenmeter. Jetzt will ich mich erstmal erholen und dann denke ich, dass wir als Team einen guten Plan machen“, sagte Lipowitz mit Blick auf die 19. Etappe, die über 130 Kilometer von Albertville nach La Plagne führt und 4.600 Meter aufweist.
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