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15.01.2026 | (rsn) – Zwei Tage vor seinem 25. Geburtstag ist Maurice Ballerstedt in Adelaide gelandet und damit endgültig zurück im WorldTour-Zirkus angekommen. Der Berliner, der seine Karriere als Straßenprofi vor einem Jahr auf 'Hold' gesetzt hatte, um sich auf eigene Beine zu stellen und in den USA die Kriteriums-Szene aufzumischen, kehrt in der kommenden Woche mit der Tour Down Under ins Profi-Peloton zurück.
Und, wie er radsport-news.com auf dem Weg nach Australien erklärte, sei es wie vor der Pause. Mit der Aufregung von seinen ersten Profieinsätzen Anfang 2022 habe seine Gefühlslage wenig zu tun.
"Vor der AlUla Tour vor vier Jahren war ich mega aufgeregt. Das ist jetzt etwas ganz Anderes. Als ich ins Team-Trainingslager gekommen bin, hat es sich angefühlt, als wäre ich nie weg gewesen. Ich hoffe, dass ich dasselbe im Rennen dann auch noch behaupten und mithalten kann", so Ballerstedt, der mit Alpecin – Premier Tech auch zu der Mannschaft zurückgefunden hat, für die er vorher fuhr.
In den vergangenen zwölf Monaten aber war Ballerstedt auf sich allein gestellt – fast. Seine Partnerin Kristin begleitete ihn in die USA und das Paar heiratete im Frühjahr dort auch. Wie Ballerstedt erzählte, war vor Ort sie meist die Organisatorin in seinem Rücken, während er in die Pedale trat. Und das tat er kräftig: ___STEADY_PAYWALL___
Kristin und Maurice Ballerstedt in Wisconsin bei der Tour of America's Dairyland. | Foto: Privat
Ballerstedt gewann als Solokämpfer ohne Team die Gesamtwertung des American Crit Cup. Bei den sechs Rennen in Oklahoma, Utah, Wisconsin, Idaho, Illinois und Missouri blieb er zwar ohne Laufsieg, machte sich mit zwei zweiten und drei dritten Plätzen aber trotzdem einen Namen in der US-Szene.
Außerdem fuhr Ballerstedt mehrere nationale Rennen und Rundfahrten auf der anderen Seite des Atlantiks und holte dabei auch dabei mehrere Podestplätze sowie bei der Kwik Trip Tour of America's Dairyland in Wisconsin auch zwei Tagessiege.
Doch nach einem Jahr in Amerika zog es Ballerstedt nun doch wieder in die Heimat – vor allem auch sportlich. "Mit dem Gewinn des Crit Cups habe ich so ziemlich alles erreicht, was ich dort hätte erreichen können", erklärte er RSN. "Klar: einzelne Rennen noch gewinnen. Aber ich war ja Solofahrer gegen riesige Teams, von daher war das in meinen Augen schon ne Riesenleistung den Crit Cup zu gewinnen. Da ging sportlich nicht mehr viel mehr. Ich habe ja auch das Graveln ausprobiert, aber das liegt mir gar nicht. Und deswegen habe ich gesagt: Okay, was ist jetzt das nächste Ziel?"
Ballerstedt gewann in den USA die Gesamtwertung des über sechs Rennen angelegten American Crit Cup. | Foto: Privat
Ballerstedt hatte sich Ende 2024 vom Team Alpecin – Deceuninck verabschiedet, weil ihm dort etwas die Perspektive fehlte. Er wollte selbst auf Ergebnis fahren, um Siege kämpfen. Doch beim Rennstall von Mathieu van der Poel wollte man ihm die Freiheit dafür nicht geben. Dort war Ballerstedt Helfer. Und das wird er auch in Zukunft wieder sein. Ist er also mit seinem Jahr als Befreiungsversuch gescheitert? Mitnichten.
"Ich bin superfroh um das Jahr in Amerika. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich ein Jahr später wahrscheinlich aufgehört, glaube ich. Es war super, um nochmal andere Einblicke zu sammeln – ob ins sportliche Berufsleben als auch einfach in einen anderen Lebensstil. Es war die beste Entscheidung, dass ich das gemacht habe", ist er sicher und erklärte seine Entscheidungsfindung in Richtung Rückkehr zum alten Rennstall konkret:
"Ich habe natürlich auch mit ProTeams für einen Platz als Sprinter gesprochen. Darauf hatte aber leider keiner Lust. Ich glaube, mir wurde ein bisschen zum Verhängnis, dass alle gedacht haben, Alpecin hätte mich letztes Jahr gehen lassen und nicht andersrum, dass ich von mir aus weggegangen bin. Es war also kein Platz als Sprinter zu bekommen, aber ich habe für mich selbst entschieden, dass ich auch gerne mal die Tour de France, den Giro d'Italia oder Paris-Roubaix fahren würde. Also war die Schlussfolgerung klar: Wenn auch nicht im Rampenlicht, würde ich auch als Leadoutfahrer doch gerne nochmal zurückkommen."
Platz 2 bei der Ronde van Limburg 2024 hinter Dylan Groenewegen und vor Arnaud De Lie sowie Alexander Kristoff und Gerben Thijssen war bislang Ballerstedts beeindruckendstes Profi-Ergebnis. | Foto: Cor Vos
"Natürlich nagt es noch ein bisschen", gab Ballerstedt zu. "Ich bin jemand, der gerne auf Sieg fahren würde. Aber man muss sich auch eingestehen: Im Radsport hängt viel mit Talent zusammen. Ich glaube, es gibt einige, die weniger hart trainieren, aber trotzdem viel schneller sind. Ich bin leider nicht mit der absoluten Schnelligkeit gesegnet wie ein Philipsen und andere. Deswegen werde ich mich da jetzt erstmal als Leadoutfahrer unterordnen."
Mit dieser Erkenntnis und Einstellung lief Ballerstedt bei seinen alten und neuen Arbeitgebern, den das Alpecin-Team führenden Roodhooft-Brüdern aus Belgien, offene Türen ein. Er bekam einen neuen Zweijahresvertrag und wird nun versuchen, sich in der Hierarchie der Leadout-Fahrer hochzuarbeiten, wie er RSN erklärte.
"Ich hoffe schon, dass ich bei kleineren Rennen auch mal eine Chance bekomme – es wird ja auch mal jemand krank. Aber ich kann mich gut damit abfinden, im stärksten Team, wenn es um Sprints geht, im Leadout zu arbeiten und will mich dort hocharbeiten, um früher oder später auch die ganz großen Rennen mit den ganz großen Fahrern zu bestreiten und hoffentlich auch erfolgreich mit ihnen sein zu können."
Vielleicht wird ihm dabei das Jahr in den USA auch helfen. Denn auch wenn die dortige Kriteriums-Szene nur wenig mit dem WorldTour-Peloton gemein hat, so könnten die Erfahrungen von der anderen Seite des Atlantiks gerade beim Positionieren im Sprint-Leadout helfen, überlegte er auf Nachfrage von RSN: "Eventuell stimmt das, ja", so Ballerstedt.
Schon 2024 war Ballerstedt bei der Tour Down Under im Einsatz. | Foto: Cor Vos
"Ich würde sagen, dass gerade das Fahren aufs eigene Ergebnis mir geholfen haben könnte – einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo man wann sein muss und was Momentum ausmacht. Der Perspektivwechsel wird mir bestimmt geholfen haben, zu verstehen, was der Sprinter braucht, um am Ende perfekt abgeliefert zu werden."
Bei der Tour Down Under in der kommenden Woche wird er erstmals wieder die Chance haben, das zu zeigen. Dort fährt Ballerstedt für den 25-jährigen Australier Jensen Plowright und das aus dem Development-Team in den WorldTour-Kader aufgestiegene, 20-jährige Sprint-Talent aus Belgien, Sente Sentjens.
"Wenn wir ein Podium holen, wären alle happy", setzte Ballerstedt die Erwartungen bewusst nicht zu hoch an. "Ich soll erstmal reinkommen, habe aber natürlich schon meine Aufgaben – will unsere Sprinter möglichst gut abliefern. Die Etappen hier sind etwas härter, vielleicht ergibt sich da auch noch eine Chance. Aber in erster Linie hoffe ich, einen guten Job zu machen und mich wieder im Feld wohlzufühlen und einfach einen guten Start zu haben."
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