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11.02.2026 | (rsn) - Nachdem er auf Mallorca sein Debüt für Tudor gegeben hatte, war Lennart Jasch, der zum Kader des Development Teams gehört, auch im Oman für die Profimannschaft im Einsatz: zunächst bei der Muscat Classic (1.Pro), danach bei der fünftägigen Tour of Oman (2.Pro). RSN hat den 25-Jährigen an den sechs Renntagen auf der Arabischen Halbinsel begleitet.
Am Mittwoch stand das letzte Teilstück der Tour of Oman auf dem Programm, gemeinsam mit der davor geschalteten Muscat Classic waren das sechs Tage am Stück, mehr als Jasch je in Serie absolviert hat.
“Man muss aber sagen, dass es hier anfangs meist nicht so schwer war. Heute begann es auch ganz flach. Dadurch ist es nicht ganz so schwer und mit zwei Flachetappen hatte man auch ein bisschen Zeit sich zu erholen. Ich bin schon schwerere Sachen gefahren als mein erstes ‘Sechstageamstückrennen‘“, urteile der ehemalige Eisschnellläufer aber. “Es nicht so wie in Europa, wenn man manchmal fünf Berge hintereinander hat und jedes Mal Vollgas gefahren wird. Hier gibt es die ganze Zeit Ekeltempo und dann zum Schluss einmal richtig!“, fügte er an. ___STEADY_PAYWALL___
Trotzdem brachte das schwere Finale im Mittleren Osten nicht das, was sich Jasch davon erhofft hatte. “Anfangs lief es ganz gut. Wir hatten überlegt, ob wir mich oder Robin (Donzé) in den Breakaway schicken“, erläuterte er die Teamtaktik. Ziel war es, den Kapitän Will Barta am letzten Flachstück rund zwei Kilometer vor dem Ziel zu unterstützen. “Aber das hat nicht geklappt“, resümierte Jasch. “Es gab dann einen Breakaway, mit dem wir zufrieden waren. Von dem her haben wir unseren Job denke ich ganz gut gemacht.“
Auch am 5,8 Kilometer langen und offiziell 10,4 Prozent steilen Schlussanstieg, der aus unerfindlichen Gründen Jabal al Akhdar oder auf Englisch Green Mountain genannt wird, lief es nicht wie gewünscht für den Deutschen. “Mich hat es sehr, sehr früh im Berg schon aufgestellt und ich weiß nicht, ob das durch den Sturz oder die Hitze kam“, erzählte Jasch. Seine Sturzverletzungen von der 3. Etappe waren noch immer deutlich sichtbar und die Temperaturen blieben bei gleißender Sonneneinstrahlung nur ganz knapp unter 30 Grad Celsius hängen.
Lennart Jasch (Tudor) auf der Schlussetappe der Tour of Oman | Foto: Kevin Kempf
“Ich konnte leider nicht mehr so viel für Will tun und auch er hatte sich mehr erhofft und wird auch noch den Sturz gemerkt haben. Sein 16. Platz ist nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Aber so ist es manchmal“, meinte Jasch, der die Etappe auf Platz 49 und die Rundfahrt auf Rang 53 beendete.
Und so wurde es Zeit für Jasch, seinen ersten außereuropäischen, den längsten und wärmsten Rennblock seiner Radkarriere mit einem Fazit zu versehen: “Als Wiedereinstieg in die Saison war es sehr cool“, wählte er einen für die hiesigen Temperaturen gewagten Begriff. “Man hat keinen Regen, so wie bei vielen europäischen Rennen. Es ist aber ganz anders hier zu fahren als bei uns, weil die Straßen deutlich breiter sind und auch das Profil ist oft flach, bevor es zum Schluss – Buff! – richtig schwer den Berg hoch geht.“
Doch nicht nur auf der Strecke merkte man deutliche Unterschiede. “Vom Teamumfeld ist es auch ganz anders als normal, weil die Mannschaft alles hierher fliegen musste. Es gibt auch keinen Bus. Dadurch fühlt es sich an wie Back to the Basics. Wir ziehen uns auf einem Plastikstuhl am Straßenrand um“, nannte Jasch als Beispiel. Die weißen Gartenmöbel wurden von der örtlichen Organisation jeden Tag in LKWs zum Start und Ziel gebracht und unter Zelten aufgestellt. Mit einem dicken Edding wurde jeder Stuhl mit einem Teamnamen beschriftet – Ordnung muss sein.
(Fast) geschafft: Jasch am Green Mountain. | Foto: Cor Vos
Doch Jasch hatte noch mehr Beispiele. “Dann ging es ohne Dusche zum Hotel zurück. Da hat man nicht den Luxus, den man sonst hat, dass man im Teambus duschen kann und dann schön angenehm nach Hause fährt. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, hier wieder ein bisschen geerdet zu werden und sieht, dass es so auch funktioniert“, lachte er.
Dort, wo es im Oman genügend Luxus gibt, im Vier-Sterne-Hotel der Teams in Maskat, wird Jasch am Donnerstag wieder ausziehen. Sein nächster Renneinsatz steht in zehn Tagen in Frankreich auf dem Plan. Dann geht es mit der Classic Var (1.1) und der Tour des Alpes Maritimes (1.1) für ihn weiter.
Bevor es aber weitergeht, lag ihm noch eine Sache am Herzen. Das von RSN benutzte Wort “Gastfahrer“ verwunderte ihn. “Gastfahrer wäre eher, wenn man für ein anderes Team fährt. Aus meiner Sicht hätte man dann den Stempel, ganz unten in der Hierarchie zu stehen – egal was passiert. Wenn man als Fahrer aus dem Devo-Team beiden Profis mitfährt und die Chance zu lernen bekommt, muss das aber nicht sein“, erklärte Jasch.
Rückblick auf sechs Renntage am Stück: Lennart Jasch. | Foto: Kevin Kempf
“Es kann ja auch sein, so wie bei mir, dass man im Finale eingesetzt wird. Einem Gastfahrer würde man im Normalfall so etwas nicht anvertrauen“, so Jasch, der als Beispiel gleich die geplante Taktik für den Schlusstag im Oman anführte, als er Barta bis zum Plateau begleiten sollte. “Da sollte ich ihm dann entweder eine Attacke lancieren oder ihn zur Not wieder an die Gruppe heranzufahren. Dann hätte er nur die letzten 2,5 Kilometer allein fahren müssen“, sagte er.
Klar, keine Aufgabe für einen Gast. Als besseren Begriff für Fahrer aus dem Development-Team, die bei den Profis ran dürfen, schlug Jasch deshalb Devo-Fahrer vor. RSN kann diese Sichtweise nachvollziehen und wird den von Jasch angetragenen Begriff in Zukunft übernehmen.
Teil 1 - “Welpenschutz“ und “gleichwertige Aufgaben“
Teil 2 - Gefühlte Autobahnen und “fiese Laktatbeine“
Teil 3 - “Gespür dafür“ und “Ahhhhhh!“
Teil 4 - “Über Kreuz schauen“ und “aufrauchen“
Teil 5 - Glätte und Gesichtswunden
Teil 6 - Immer geradeaus und Busersatzverkehr
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