Teil 1: Von Ackermann bis Heßmann

Die zwölf deutschen Starter bei der 113. Tour de France

Von Jens Claussen

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Felix Engelhardt (Jayco - AlUla) wurde in Bad Liebenstein Deutscher Meister im Straßenrennen | Foto: Christian Heilwagen

30.06.2026  |  (rsn) - Alte Hasen, ambitionierte Debütanten und hohe Erwartungshaltungen speziell an einen Fahrer – die Voraussetzungen, mit denen die zwölf deutschen Starter aus neun verschiedenen Teams in die 113. Tour de France gehen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Fokus steht dabei der Vorjahresdritte Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe), auf dem die Hoffnungen der deutschen Fans bei der am Samstag in Barcelona beginnenden Frankreich-Rundfahrt 2026 ruhen.

Wir präsentieren in einer zweiteiligen Übersicht die deutschen Tourstarter.

Pascal Ackermann (Jayco - AlUla / 32 Jahre / 3. Teilnahme)

Auch wenn Pascal Ackermann als Sprint-Routinier im Peloton gilt, hat er bei der Tour nicht allzu viele Erfahrungen sammeln können. Ein Teamwechsel Anfang des Jahres sei nochmal eine Riesenmotivation für ihn gewesen, endlich den ersehnten ersten Etappensieg bei der Tour einfahren zu können, wie der Pfälzer RSN gegenüber erzählte.

So viel zur Theorie. In der Praxis blieb Ackermann bei seinen bis dato 45 Renneinsätzen den endgültigen Nachweis noch schuldig, dass die veränderte Umgebung ihm einen neuen Schub verliehen haben könnten. Platz zwei bei der Bredene Koksijde Classic (1.Pro) und fünf Top-Ten-Platzierungen, darunter zweimal Etappensiebter beim Giro sind gewiss keine schlechte Ausbeute. Doch der erlösende Sieg blieb bislang aus. 

Und sollte der ausgerechnet gegen Sprintgrößen wie Jasper Philipsen (Alpecin - Premier Tech) oder Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) gelingen, käme das einer kleinen Sensation gleich. Zumal Ackermann beim Giro bereits feststellen musste, dass Grand-Tours-Sprintfinals “wie bescheuert“ reingehalten werde.

Phil Bauhaus (Bahrain - Victorious/ 31 Jahre / 4. Teilnahme)

Da es Bauhaus bei seinen bisherigen Tour-Teilnahmen immer bei mindestens einer Etappe in die Top-Ten geschafft hat, entschied sich das Management, auch in diesem Jahr auf ihn zu setzen. Einen Hinweis darauf, dass er seinen besten Platzierungen aus den Jahren 2023 und 2024, in denen er jeweils einmal Etappenzweiter wurde, bei dieser Tour zumindest nahekommen könnte, hat der Bocholter in der bisherigen Saison noch nicht geben können.

Ein dritter Platz bei der Generalprobe, der Tour Auvergne-Rhone-Alpes (2.UWT), könnte allerdings ein Hoffnungsstreifen am Horizont für Bauhaus sein, der es in seiner Karriere bislang auf 22 Siege brachte. Unwahrscheinlich, dass bei der Tour ein weiterer hinzukommt. Bauhaus’ letzter Sieg in der WordTour datiert aus dem März 2024, als er die 3. Etappe bei Tirreno-Adriatico (1.UWT) gewinnen konnte.

John Degenkolb (Picnic - PostNL / 37 Jahre / 11. Teilnahme)

Nachdem er wegen eines Sturzes bei der Flandern-Rundfahrt  die Tour 2025 verpasst hatte, erhält der Oberurseler vom niederländischen Team auch im fortgeschrittenen Rennalter nochmals die Chance, sich auf der größten Bühne des Sports zu zeigen. Mit Blick auf Degenkolbs bisherige Saison wäre ein Tagesergebnis unter den Top 20 schon als Erfolg zu werten. Als bestes Resultat hat der Paris-Roubaix- und Mailand-Sanremo-Sieger von 2015 in dieser Saison Rang drei auf der Abschlussetappe der Boucles de la Mayenne (2.Pro) zu Buche stehen.

Degenkolbs Wert für das Team wird schon seit einigen Jahren jedoch nicht mehr an Siegen gemessen. Das unterstrich Teammanager Iwan Spekenbrink mit der Verlängerung seines Vertrages, die im Mai bekannt gegeben wurde. Vielmehr soll der 37-Jährige die Mannschaft, die ohne Ambitionen auf die Gesamtwertung an den Start geht, in Frankreich als Road Captain anführen.

Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe / 32 Jahre / 2. Teilnahme)

“Alles für meine Kapitäne” - der Auftrag eines der besten Helfer im Peloton ist eindeutig formuliert. Denz’ Nominierung im hochkarätig besetzten Kader von Red Bull wird primär daran gemessen, wie gut er seine Chefs Florian Lipowitz und Remco Evenepoel vor allem durch die frühe Phase der Tour schleust. 

Und Denz ist nicht zum Spaß in Frankreich, wie er unmittelbar nach seinem dritten Platz bei den Deutschen Straßenmeisterschaften auf der Pressekonferenz mitteilte: “Wir haben zwei sehr starke Leader mit an Bord und gehen nicht in den Urlaub nach Frankreich. Wir haben große Ambitionen und sind mit einer sehr starken Mannschaft am Start. Ich denke, wir brauchen uns nicht zu verstecken und wir werden alles versuchen, um Ergebnisse einzufahren.“

Auch wenn er erst zum zweiten Mal bei der Grand Boucle dabei ist, verfügt der 32-Jährige durch seine Einsätze bei Giro und Vuelta über viel Erfahrung bei großen Landesrundfahrten. Und sollte der starke Allrounder mal einen Freifahrtsschein erhalten, wird er sich nicht zweimal bitten lassen, um ähnliche Coups zu landen wie beim Giro 2023 und 2025. 

Dort gewann er sensationell insgesamt drei Etappen aus Fluchtgruppen heraus. Als Red Bull Anfang des Jahres mit nahezu identischem Kader wie bei der kommenden Tour das Mannschaftszeitfahren de Trofeo Ses Salines (1.1) gewann, gehörte Denz auch schon dazu.

Felix Engelhardt (Jayco - AlUla / 25 Jahre / 1. Teilnahme)

In seiner mittlerweile vierten Saison bei der australischen Mannschaft wurde der Ulmer erstmals in den Tour-Kader berufen. Mit dem Gewinn seines ersten Deutschen Meistertitels auf der Straße konnte "Engel" seine Nominierung vor der Teamleitung schon jetzt rechtfertigen. Mit Stolz wird der 25-Jährige im Meistertrikot durch Frankreich fahren, wie er RSN nach seinem größten Karriereerfolg erzählte. “Das Trikot ist etwas ganz Besonderes, und ich werde es mit Stolz nach Frankreich tragen. An unserem Plan, rein für Etappenjagden bei der Tour zu sein, ändert das aber im Grunde nichts“, fügte er hinzu. Zuvor stand ein elfter Platz bei Eschborn-Frankfurt (1.UWT) als bislang bestes Saisonergebnis zu Buche.

Nachdem er sich beim Giro aufgrund eines Magen-Darm-Virus “ziemlich leer fühlte“ und die Rundfahrt nach der 5. Etappe aufgeben musste, wird Engelhardt nun darauf brennen, bei seinem Tour-Debüt die Champ Élyséés zu erreichen. Hauptaufgabe für den ehemaligen Teamkollegen von Lipowitz bei Tirol KTM wird es sein, Ben O’Connor bei dessen GC-Ambitionen und auch Ackermann sowie Michael Matthews bestmöglich im Jayco-Sprintzug zu unterstützen.

Michel Heßmann (Movistar / 25 Jahre / 1. Teilnahme)

Wo Schatten ist, kommt auch bekanntlich irgendwann wieder Licht – dieses Szenario konnte Michel Heßmann gleich zweimal binnen eineinhalb Jahren erleben. Hatte er zunächst nach seiner 21-monatigen Dopingsperre wieder ein WorldTeam gefunden, das ihn aufnahm, kam nun unmittelbar vor Tour-Beginn die Nachricht, dass er genau in dieser Mannschaft auch seine Premiere in Frankreich geben wird. 

Der Freiburger kann mit seinen Qualitäten schon beim Grand Départ ein wichtiger Baustein im Mannschaftszeitfahren werden, wenn es darum geht, Movistar-Kapitän Cian Uijtdebroeks auf Schlagdistanz zu den Favoriten zu halten.Und auch auf den dann folgenden 20 Etappen wird sich Heßmann ganz in den Dienst des Belgiers stellen, der ebenfalls erstmals die Frankreich-Rundfahrt bestreiten wird.

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