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28.06.2026 | (rsn) - Abgehängte leben länger: Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) hat sich durch eine starke kämpferische Leistung in Bad Liebenstein zum Deutschen Meister im Straßenrennen gekrönt. Am Ende eines intensiven, 191,6 Kilometer langen Rennens durch den Thüringer Wald gewann der 25-Jährige bei großer Hitze den Sprint einer fünfköpfigen Ausreißergruppe vor Lennart Jasch (Tudor) und Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe).
Engelhardt hatte im Finale den Kontakt zur Spitze schon verloren. Doch weil dort in der Abfahrt zum Ziel das Pokern begonnen hatte, schloss der Ulmer 2000 Meter vor dem Ende wieder auf.
Im Sprint profitierte Engelhardt davon, dass Nils Politt (UAE – Emirates – XRG), auf dem Papier wohl der endschnellste der fünf Ausreißer, etwa zu früh antrat. Möglicherweise hatte der Zeitfahrmeister im Hinterkopf, dass dies für einige Zeit seine letzte Gelegenheit sein würde, auf eigene Kappe zu fahren. Politt blieb nur der vierte Platz. Titelverteidiger Georg Zimmermann (Lotto - Intermarché) wurde Fünfter.
"Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, davon träumt jeder, im Meistertrikot zu fahren. Vor allem, wenn man damit zur Tour fährt“, sagte der strahlende Sieger gegenüber dem MDR. "Ich hatte die letzte Runde schon sehr zu kämpfen und war schon kurz vor einem Krampf“, berichtete Engelhardt weiter. Als er angehängt worden sei, habe er gedacht: "Oh Mist, jetzt wird es eng.“ Doch Engelhardt glaubte bis zum Schluss an sich und holte seinen bislang größten Profisieg, der auch die Enttäuschung vom Vorjahr, als er Zweiter geworden war, vergessen ließ.
Jasch schilderte sein Finale gegenüber RSN so: “Ich wollte als Dritter um die letzte Kurve fahren, das hat auch ganz gut funktioniert. Aber dann kamen Nils und Felix mit deutlich mehr Geschwindigkeit von hinten. Und dann war ich erst mal ein bisschen eingebaut.“ Am Ende sei die Zielgerade 100 Meter zu kurz gewesen für ihn. Am Selbstbewusstsein des 25-Jährigen, der noch bis 2024 Eisschnellläufer war, lag es also gewiss nicht, dass er den Sieg verpasste.
Den Sprint um Platz sechs gewann Tim-Torn Teutenberg (Lidl – Trek) klar vor Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step). Beide hatten wie Politt lange zu einer Ausreißergruppe gehört. Lennard Kämna (Lidl – Trek), der wenige Sekunden hinter dem Duo Achter wurde, hatte durch eine Tempoverschärfung in der zweitletzten von sieben Runden dafür gesorgt, dass weitere als Favoriten gehandelte Fahrer nach vorn kamen.
Die Top 10 komplettierten Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) und Maximilian Walscheid (Lidl – Trek). Mit den Plätzen sechs, acht und zehn war das deutsche WorldTour-Team zwar mannschaftlich gut an der Spitze vertreten. Doch den prima Auftritt spiegelte das Ergebnis nicht wider. Alle drei Lidl-Profis hatten das Rennen fast von Beginn an entscheidend mitgeprägt. Kämna war zwischenzeitlich elf Kilometer lang als Solist unterwegs, wurde gegen Ende der vorletzten Runde aber wieder gestellt.
Das Rennen war auch stark von der enormen Hitze nahe 40 Grad Celsius geprägt. Immer wieder war zu sehen, wie sich die Fahrer Wasser über die Helme schütteten. Die Salzränder an manchen Rennhosen sprachen ebenfalls Bände. Selbst der neue Deutsche Meister zog im Zielinterview infrage, ob es unter solchen Bedingungen eines so langen Rennens bedarf.
“Man muss sich natürlich fragen, ob man bei der Hitze wirklich so lang fahren muss, es ist ja auch nicht wirklich unbedingt gesund“, sagte Engelhardt, der dann jedoch befand: “Mittlerweile machen wir alle viel Hitzetraining und nächste Woche in Frankreich wird es auch heiß, da darf man am Ende nicht jammern.“
Große Abstände kamen bei erneut großer Hitze nie zustande. Dafür war das Rennen schon früh ausgesprochen abwechslungsreich. Kurz nach der ersten Zielpassage griffen unter anderem Max Walscheid (Lidl – Trek) und Miguel Heidemann (Rembe – rad-net) aus dem Feld an und fuhren eine sechsköpfige Spitzengruppe auf. Zu Beginn der dritten von sieben Runden, 135 Kilometer vor dem Ziel, schafften auch Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) und Marco Brenner (Tudor) den Sprung nach vorn. Engelhardt führte eine große Gruppe wieder heran.
Aus diesem ersten Feld setzten sich Schachmann und Brenner zu zweit ab. Politt, Heidemann, Jonas Rutsch (Lotto - Intermarché ) und Teutenberg begaben sich auf die Verfolgung. 117 Kilometer vor dem Ende stellten sie den Zusammenschluss her. Gegen Mitte der vierte Schleife ereilte Rutsch Defektpech – der Wechsel des Vorderrads dauerte so lange, dass er sogar hinter die Hauptgruppe zurückfiel.
Dort sorgte in dieser Phase Red Bull – Bora – hansgrohe dafür, dass der auf bis zu 1:10 Minuten angewachsene Vorsprung der Spitzengruppe nicht größer wurde. Als Ben Zwiehoff 65 Kilometer vor dem Ziel am Berg beschleunigte, zerfiel die zuvor schon arg dezimierte Hauptgruppe in mehrere Teile. Hinter dem Spitzenquartett Politt, Schachmann, Brenner und Teutenberg bildete sich eine knapp 20 Mann starke Verfolgergruppe.
Das Streckenprofil des DM-Straßenrennens der Männer | Foto: Veranstalter
Die nächste Selektion führte Kämna herbei, der bergauf alle Begleiter außer Zimmermann, Denz, Jasch, Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) und Engelhardt abschüttelte. Diese Gruppe schloss 41 Kilometer vor dem Ziel zur Spitze auf. Die nunmehr elf Fahrer bauten ihren Vorsprung auf die nächste Gruppe schnell auf eine Minute aus.
Kämna griff 34 Kilometer vor dem Ziel nochmals an und löste sich von der Gruppe. Dort versuchte Teutenberg die Konterversuche zu neutralisieren. So baute der frühere Tour-Etappensieger bis zur vorletzten Zielpassage 35 Sekunden Vorsprung auf. Als es in der finalen Runde erneut bergauf ging, kam die Gruppe hinter ihm wieder näher und schloss 23 Kilometer vor dem Ende wieder zu Kämna auf.
Im letzten Anstieg des Tages setzten sich Zimmermann, Engelhardt, Politt, Jasch und Denz ab. Zehn Kilometer vor dem Ziel attackierte Politt, Engelhardt fiel dieser Beschleunigung zum Opfer. Kurz darauf versuchte es der UAE-Fahrer noch einmal – diesmal erwischte es Jasch, der sich aber in der letzten Abfahrt wieder heran saugen konnte.
In dem Quartett fing das Pokern an, so dass Engelhardt rund 1.000 Meter vorm Ziel wieder aufschloss. So ging es zu fünft auf die Zielgerade. Politt eröffnete den Sprint sehr früh, Denz war schon auf gleicher Höhe, als Engelhardt, der von der letzten Position losgespurtet war, vorbeischoss und klar gewann. Zwischen ihm und der Bande sprintete Jasch noch auf den zweiten Platz.
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