Gall macht bei der Vuelta weiter Boden gut

Mut zur Offensive: Decathlon versteckt sich nicht hinter UAE

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Mut zur Offensive: Decathlon versteckt sich nicht hinter UAE"
Felix Gall und Gregor Mühlberger (Decathlon - CMA CGM) machen Tempo auf der 7. Etappe der Vuelta a Espana. | Foto: Cor Vos

28.08.2026  |  (rsn) – Für das Peloton mit den Favoriten im Gesamtklassement hätte diese 7. Etappe der Vuelta a Espana ein vergleichsweise ruhiger Tag werden können. Ein wenig Luft holen nach dem Gravel-Chaos vom Vortag. Man hätte die Spitzengruppe gewähren lassen und sich angesichts des nicht übermäßig steilen Schlussanstiegs auf die kommenden Herausforderungen konzentrieren können. Aber Decathlon – CMA CGM mit Kapitän Felix Gall hielt sich nicht ans Drehbuch, das vom UAE-Team um Spitzenreiter Tadej Pogacar regelmäßig geschrieben wird.

Am Schlussanstieg nach Aramòn Valdelinares übernahm die französische Equipe im Feld das Kommando – und riss die Gruppe der Favoriten auseinander. Matthew Riccitello und Gregor Mühlberger sorgten mit ihrem Tempodiktat dafür, dass die Gruppe der Favoriten schmolz und schließlich auseinander brach. Mattias Skjelmose (Lidl – Trek) und Jarno Widar (Lotto – Intermarché) waren die ersten Opfer. Auch Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) konnte nicht mehr mitgehen. Als dann Kapitän Gall selbst überhahm, waren nur noch Pogacar und Enric Mas (Movistar) an seinem Hinterrad.

Von wegen Waffenstillstand also. “Es ist schön, so ein starkes Team an meiner Seite zu wissen“, sagte ein sichtlich zufriedener Gall am Eurosport-Mikrofon nach der Etappe. “Die Jungs haben mich den ganzen Tag gepusht und wir sind ziemlich aggressiv gefahren, so macht es Spaß.“ Decathlon machte dort weiter, wo das Team schon beim Giro d’Italia angesetzt hatte und zeigte, dass es keine Angst vor großen Namen hat. Pogacar, dessen Team zuvor das Tempo kontrolliert hatte, war schnell isoliert, während Decathlon zu viert die Tachonadel in die Höhe schraubte.

In der Mannschaftswertung führt das Team nun mit 12 Minuten Vorsprung auf UAE. Und Gall? Der musste sich am Ende zwar Pogacar wieder geschlagen geben, kam aber bis auf elf Sekunden an den dritten Podiumsplatz heran, den aktuell Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) hält. “Heute habe ich mich viel besser gefühlt“, sagte der Giro-Gesamtzweite. “Gestern war es am Ende auch okay, aber vor dem Finale habe ich mich nicht gut gefühlt. Aber so ist es manchmal in einer Grand Tour.“

Gall: "Wollten es eigentlich konservativer angehen"

Die Attacke am Schlussanstieg war nicht von langer Hand geplant. Sie entstand aufgrund der kollektiven Stärke: “Wir wollten es eigentlich etwas konservativer angehen, aber es wurde zu einem guten Tag, um etwas zu versuchen“, sagte Gall. “Und mit so starken Teamkollegen geht das dann auch, zum Beispiel mit Gregor (Mühlberger) und Callum (Scotson), die sind immer motiviert." Mühlberger, im Juli Gewinner der Tour of Austria, kletterte seinerseits auf den zehnten Platz in der Gesamtwertung hoch. 

Decathlon beeindruckte bei der Vuelta von Tag eins an, da fuhren die beiden Youngster Leo Bisiaux und Oscar Chamberlain im Auftaktzeitfahren von Monaco in die Top Ten. Und wenn es auch nicht reichen mag, um Pogacar in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen – der Preis des besten Teams der ersten sieben Tage geht an die Mannschaft aus Frankreich. 

Und Galls Ambitionen auf einen Podiumsplatz dürften auch dank seines Teams immer größer werden.

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