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12.09.2026 | (rsn) – Als neuen Topstar verpflichtete Red Bull – Bora – hansgrohe Remco Evenepoel für 2026 – und der Belgier hat diese Rolle inzwischen mehr als wahr gemacht. Nach furiosem Start mit sieben Saisonsiegen an seinen ersten neun Renntagen – hinzu kam der Sieg beim Mannschaftszeitfahren auf Mallorca – schien es beim Doppelolympiasieger danach nur noch mäßig zu laufen, gerade bergauf musste er bei der UAE Tour (2.UWT) und der Katalonien-Rundfahrt (2.UWT) anderen den Vortritt lassen.
Auch nach Platz drei bei der Flandern-Rundfahrt (1.UWT), dem Sieg beim Amstel Gold Race (1.UWT) und Rang drei bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.UWT) gab in den ersten zwei Wochen der Tour de France Zweifel, da Evenepoel am Berg die direkten Konkurrenten immer wieder ziehen lassen musste. In der dritten Woche schlug er aber mit zwei Etappensiegen und dem Platz neben dem übermächtigen Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) auf dem Podest in Paris zurück. Was dann folgte waren nur noch zwei Renntage; die Clasica San Sebastian (1.UWT) und der GP Quebec (1.UWT). An beiden war der Red-Bull-Profi siegreich.
Und bei elf Saisonerfolgen kann der moderne Radsportler schon mal ins Grübeln kommen, wie er einen Triumph noch innovativ feiern kann. “Ich wollte etwas Neues, denn die Telefonanruf-Geste hatte ich ja nur kopiert. Ich wollte etwas machen, das noch niemand zuvor gezeigt hatte“, verriet er Wielerflits. Bei der Zielüberquerung zeigte er mit der linken Hand und ausgestrecktem Arm nach vorn, während die rechte Hand zur Sonnenbrille ging. “Im letzten Monat hatte ich Zeit, gemeinsam mit Oumi darüber nachzudenken. Wir haben uns heute Morgen hierfür entschieden“, gab er Einblicke in die Beschlussfindung mit seiner Ehefrau.
Doch was bedeutet die auserwählte Geste? “Ich weiß nicht, ob es gut aussah, aber … ich muss selbst erst noch über die Bedeutung dahinter nachdenken. Aber ich konnte es ausprobieren - und das ist das Beste daran“, rückte er die Prioritäten nach seinem Erfolg wieder zurecht.
Der Weltranglistenzweite hatte gerade die schnellste Ausgabe des GP Quebec auf beeindruckende Art und Weise gewonnen. Rund 80 Kilometer lang war das Finale des Kanada-Auftakts. “Ich hatte den Eindruck, dass viele Fahrer ihren Angriff zu früh starten wollten. Ich glaube, die richtige Taktik bestand darin, defensiv zu fahren und erst etwa drei Runden vor Schluss alles zu geben“, sagte Evenepoel in der Mixed-Zone und erklärte damit eine auffällige Szene, als er als einziger der Favoriten 40 Kilometer vor dem Ziel nicht in einer großen Gruppe war, die sich in der Hügelzone gelöst hatte.
Doch das war nicht nur Taktik, wie der Flame verriet. “Als sie echt anfingen, ernst zu machen, hatte ich das Gefühl, dass es vielleicht nicht mein Tag werden würde. Aber ich blieb durchgehend ruhig und ging einige kalkulierte Risiken ein.“ Evenepoel bereinigte die gefährliche Situation selbst, indem er nach den steilsten Stücken im Alleingang zu den Ausreißern vor- und sogar an ihnen vorbeifuhr. Ab da war klar, dass er der zu schlagende Mann im Rennen ist.
Etwas mehr als eine Runde später bestätigte er das eindrucksvoll, indem er dem Feld im Flachen mit Alessandro Pinarello (NSN), Anthon Charmig (Uno-X Mobility) und Giulio Ciccone (Lidl – Trek) am Hinterrad davonfuhr. Das Begleittrio hatte zeitweise große Mühe, dem Red-Bull-Profi zu folgen, bis zum Ziel schaffte das nur Ciccone, der im Sprint keine Chance hatte.
Dementsprechend überraschend fiel Evenepoels Fazit aus: “Ich denke, dass ich in Richtung WM noch zulegen muss.“ Der 26-Jährige erläuterte auch, wie er zu dieser Einschätzung kam. “Quebec ist wirklich ein besonderes Rennen. Es ist sehr explosiv. Es gab viele Fahrer, die das Finale schon früh eröffnen wollten - und das kann hier wie ein Boomerang völlig nach hinten losgehen. Deshalb war es schwer einzuschätzen, ob ich tatsächlich in guter Form war oder nicht“, zweifelte der Weltmeister von Wollongong. “Am Ende habe ich gewonnen, also kann ich mich nicht beschweren“, sah allerdings auch er nach der dominanten Vorstellung ein.“
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