Schachmann überzeugt als Zehnter

Evenepoel ist beim GP de Quebec eine Klasse für sich

Von Kevin Kempf

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Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat den GP Quebec gewonnen. | Foto: Cor Vos

11.09.2026  |  (rsn) - Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat nach sechs Wochen Rennpause beim GP Quebec (1.UWT) eine beeindruckende Vorstellung mit einem Sieg gekrönt. Der Belgier schlug Giulio Ciccone (Lidl – Trek) im Zweiersprint, nachdem Anthon Charmig (Uno-X Mobility) das Duo kurz zuvor fahren lassen musste.

Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) belegte 28 Sekunden nach dem Sieger Rang vier. Quinn Simmons (Lidl – Trek) berreichte das Ziel als Fünfter vor Paul Lapeira (Decathlon – CMA CGM), der den Sprint einer Vierergruppe mit Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) gewann. Der Deutsche komplettierte die Top Ten.

“Ich bin zum zweiten Mal hier und habe jetzt zum ersten Mal gewonnen. Der Sprint gegen Ciccone war schwer. Er war auch sehr stark“, erkannte Evenepoel die Leistung des Italieners im Ziel-Interview an. “Er hatte etwas Glück, weil einer seiner Teamkollegen hinter uns war, deswegen konnte er im Finale eine Zeit im Windschatten bleiben“, meinte er mit Blick auf Simmons, der das Führungstrio in der letzten Runde verfolgte.

Im Gegensatz zu Charmig ließ sich Ciccone bergauf nicht abschütten. “Ich hatte trotzdem Vertrauen in meinen Sprint. Ich habe ein wenig gepokert, weil ich trotz des Gegenwindes von vorn gesprintet bin. Aber als er mich überholen wollte, hat er wohl auch den Wind im Gesicht gespürt und da konnte ich meinen Vorsprung halten“, beschrieb Evenepoel die letzten Meter seines elften Saisonsieges.

Neben Schachmann zeigte sich von den Deutschen auch Nikias Arndt (Bahrain Victorious) und Jonas Rutsch (Lotto – Intermarché). Das Duo war Teil der Gruppe des Tages und vor allem Rutsch überzeugte auf ganzer Linie. Der 28-Jährige blieb auch nachdem er eingeholt wurde aktiv und wurde auf Rang 19 zweitbester Deutscher.

So lief der GP Quebec:

Mit Arndt und Rutsch hatten sich gleich zwei Deutsche in der sechsköpfigen Gruppe des Tages eingefunden. Sie wurden begleitet von Storm Ingebrigtsen (Uno-X Mobility), Frank van den Broek (Picnic – PostNL), Aivaras Mikutis (Tudor) und Samuel Boardman (Modern Adventure). Das Sextett konnte sich einen Vorsprung von maximal 3:30 Minuten ehrausarbeiten.

Der betrug noch eine Minute, als sich eingangs der letzten 80 Kilometer 12 Fahrer um Simmons, Tim Wellens (UAE – Emirates – XRG) und Maxim Van Gils (Red Bull – Bora – hansgrohe) absetzten. Deren Versuch wurde nach wenigen Kilometern vereitelt, jener der sechs Spitzenreiter 57 Kilometer vor dem Ziel ebenfalls.

Das Streckenprofil des GP Quebec | Foto: Veranstalter

Sie wurden von 28 Fahrer eingeholt, zu denen Schachmann und Ciccone gehörten. Im nächsten Anstieg teilte sich diese Gruppe, wobei Rutsch und Schachmann den Cut schafften. Fünf 10,3 Kilometer lange Runden vor Schluss betrug der Vorsprung dieser 13 Ausreißer 30 Sekunden. Red Bull hatte den Sprung verpasst und kontrollierte im Feld mit Jan Tratnik.

Der Slowene hielt für das Peloton bis zur Hügelzone den Rückstand. Dort griffen die Favoriten an, wobei Evenepoel zunächst den Zug verpasste, dann aber eindrucksvoll allein nach vorn sprang. Ihm folgte der Rest wenig später, wodurch die Meute beisammen blieb und die nächste Zielpassage 20 Sekunden nach Schachmann und Co. erreichte.

Dann wurde es chaotisch. Alberto Bettiol (XDS – Astana) griff vorn an, während seine Begleiter von einem Teil des Feldes eingeholt wurde. Zu dem gehörte unter anderem Evenepoel, Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM), Pidcock und Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG). Bergauf probierte es hinter dem Spitzenreiter nur Simmons, der allerdings vom starken Rutsch festgemacht wurde. Auf die letzten drei Runden ging Bettiol 15 Sekunden vor circa 45 Fahrern.

Evenepoel beendete die Alleinfahrt des Italieners 27 Kilometer vor dem Ziel. Seiner Attacke folgten Alessandro Pinarello (NSN), Charmig und Ciccone. Seine vier Begleiter hatten im Flachen große Probleme, das Hinterrad des Doppelolympiasiegers zu halten und unterstützen ihn deswegen kaum bei der Führungsarbeit. Die Hügelzone nahmen die Fünf mit 20 Sekunden Vorsprung in Angriff, wobei Bettiol und Pinarello direkt über Bord gingen.

Seixas sorgte dafür, dass ein Drittel seiner Gruppe den Anschluss verlor. Auch Rutsch musste jetzt die Segel streichen. 15 Sekunden trennten die beiden Gruppe eingangs der letzten beiden Runden. Charmig und Ciccone beteiligten sich jetzt mehr an der Führungsarbeit, was im Umkehrschluss bedeutete, dass Evenepoel sich etwas zurückhielt. Das Trio kam mit 25 Sekunden Vorsprung zur Hügelzone, wo hinten Pidcock das Tempo bestimmte.

Das führte dazu, dass die Glocke für elf Fahrer 16 Sekunden nach dem Spitzentrio geläutet wurde. Zu den Verfolgern gehörten Schachmann, Del Toro, Michael Matthews (Jayco – AlUla), Seixas und Simmons. Der griff acht Kilometer vor dem Ziel im Flachen an. Matthews probierte so folgen, konnte das Hinterrad des US-Meisters aber nicht ganz erreichen.

Die kleine Lücke wurde in den nächsten Minuten immer größer und Simmons‘ Teamkollege Ciccone führte nun vorn nicht mehr mit. Charmig und Evenepoel konnten den Lidl-Verfolger allerdings auch zu zweit auf Abstand halten. Eingangs der letzten zwei Kilometer begann die Hügelzone ein letztes Mal. Im Steilstück konnte Charmig nicht mehr mithalten.

Ciccone aber blieb dran und machte es sich anschließend im leicht ansteigenden Stück zum Ziel am Hinterrad seines Begleiters gemütlich. Als der seinen Spurt lancierte, kam der Italiener allerdings nicht mehr aus dem Windschatten des Belgiers. Im Sprint um Platz 11 stürzte Juan Ayuso (Lidl – Trek). Er blieb einige Zeit am Boden liegen und erreichte das Ziel mit 2:24 Minuten Rückstand zu Fuß.

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