Vorschau auf das Kanada-Wochenende

“WM-Generalproben“ Québec und Montréal wichtig wie selten

Von Felix Mattis

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Die steile Cote de la Montagne am Fuß der Schlusssteigung von Québec. | Foto: Cor Vos

10.09.2026  |  (rsn) – Das kanadische WorldTour-Wochenende steht an und ist in diesem Jahr so bedeutungsvoll wie selten. Denn auch wenn der Grand Prix Cycliste de Québec und der Grand Prix Cycliste de Montréal sonst etwas im Schatten der stets parallel stattfindenden Vuelta a Espana stehen – vor allem was die europäische Radsport-Aufmerksamkeit betrifft – so lohnt sich der Blick über den Atlantik 2026 ganz besonders:

Diesmal nämlich sind die beiden Rennen wahre Generalproben für das WM-Straßenrennen am 27. September. Das wird auf derselben Strecke ausgetragen wie der GP Montréal am Sonntag (Ziel um ca. 21:45 Uhr MEZ), nur mit noch mehr Runden als beim WorldTour-Event. Und auch der GP Québec am Freitag (Ziel um ca. 22:00 Uhr MEZ) verspricht mit dem seit dem vergangenen Jahr neuen Finale und dem diesmal besonders hochkarätigen Starterfeld große Spannung.

Angeführt wird die Liste der Siegkandidaten für beide Rennen vom Tour-de-France-Zweiten Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) sowie dem Tour-Dritten Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) und dem Tour-Vierten Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM). Dazu kommen Mountainbike-Weltmeister Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) und auch Tour-Etappensieger Mauro Schmid (Jayco – AlUla) liegen die Kanada-Rennen sehr.

Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden, gerade für den GP Québec am Freitag. Das dortige Rennen über 20 Runden scheint mit knapp 206 Kilometern und gut 2.780 Höhenmetern etwas offener, als der noch berglastigere Große Preis von Montréal, wo über 16 Runden auf insgesamt 214,4 Kilometern ganze 4.304 Höhenmeter zu bewältigen sind – im WM-Rennen sind es zwei Wochen später dann übrigens nur zwölf statt 16 Runden auf dem Rundkurs, da es dort vorher eine Anfahrtsschleife gibt. So kommt der WM-Parcours "nur" auf 3.803 Höhenmeter bei 273,7 Rennkilometern.

Die Strecke in Québec: Kürzere Runde mit seit 2025 härterem Finale

Doch zurück nach Québec. Dort wurde der Rundkurs des WorldTour-Rennens 2025 aufgrund von Straßenbauarbeiten im Vergleich zu den Vorjahren im Finale etwas verändert. Diese Änderungen wurden für 2026 beibehalten, zusätzlich wurde die Runde um sowie durch den Stadtpark Plaines d'Abraham aber an ihrem Anfang noch etwas gekürzt. Sie ist nun nur noch 10,3 Kilometer lang und muss in diesem Jahr 20 Mal bewältigt werden.

Auf den ersten drei Kilometern geht es dabei leicht wellig durch den Park, bevor dann eine schnelle Abfahrt das Peloton hinunter ans Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms bringt und das Rennen dann an diesem entlang auf dem Boulevard Champlain vier Kilometer lang flach gen Nordosten zurück ins Stadtzentrum führt. Dort beginnt am Place des Canotiers der 600 Meter lange und bis zu 13 Prozent steile Anstieg die Cote de la Montagne hinauf.

Streckenkarte und Streckenprofil des GP Québec 2026 | Grafik: Veranstalter

Nach dem steilen Stich, der durch zwei Serpentinen zur Rue Saint-Louis hinaufführt, wird es für etwas mehr als einen Kilometer nochmal flacher – wenn auch nur kurz, bevor die Straße wieder leicht ansteigt. Es geht links ab in den Stadtpark zurück und dort durch eine lange Rechtskurve hinein in die 300 Meter lange, nochmal steilere Schlussrampe in der Avenue George VI. Der Schlusskilometer wird mit einer Durchschnittssteigung von drei Prozent taxiert.

"Ich denke es wird ein anderes Rennen, als sonst", erklärte Québec-Rekordsieger Michael Matthews (Jayco – AlUla), der hier 2018, 2019 und 2024 gewann, 2015 und 2022 Zweiter sowie 2017 und 2023 Dritter war, gegenüber cyclingnews.com mit Blick nicht nur auf den veränderten Parcours, sondern auch auf die in diesem Jahr besonders starke Kletterer-Konkurrenz. Und auch Evenepoel bestätigte diesen Eindruck:

"Das leicht veränderte Finale in Quebec ist besser für mich – mit einem sehr steilen Abschnitt am Anfang und einem etwas flacheren Teil gegen Ende", meinte der Belgier am Vortag des Rennens in einer Medienrunde laut wielerflits.nl.

Die Strecke in Montréal:

In Montréal stehen am Sonntag 16 Runden auf einer 13,4 Kilometer langen Runde um den Parc du Mont-Royal an – mit Start und Ziel in der Avenue du Parc. Der Parcours dort wurde im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls leicht modifiziert, weil er eben zwei Wochen später auch für die Weltmeisterschaften genutzt werden soll und diese einen etwas großzügigeren Zielbereich nötig machen. Deshalb wird auf dem Schlusskilometer nicht die Avenue du Parc hinunter und nach einer 180-Grad-Kehre wieder raufgefahren, sondern es geht am Ende noch um einen kompletten Block herum mit zwei 90-Grad-Kurven anstelle des 180-Grad-Turns.

Ansonsten aber ist die Montréal-Runde altbekannt: Es geht nach dem Start über einen 1,8 Kilometer langen und im Schnitt acht Prozent steilen Anstieg die Voie Camillien-Houde hinauf. Darauf folgt eine langgezogene, 3,5 Kilometer lange Abfahrt ans Westende des Parks, wo in der Chemin de Polytechnique eine bis zu 11 Prozent steile 6-%-Rampe über 780 Meter folgt.

Streckenkarte und Streckenprofil des GP Montréal 2026 | Grafik: Veranstalter

400 Meter steil bergab geht es durchs Universitäts-Gelände wieder aus dem Park heraus und anschließend immer an selbigem entlang wellig durchs Wohngebiet, wobei in der Avenue Pagnuelo noch eine weitere 500 Meter lange 7,5-%-Steigung folgt, deren Kuppe knapp vier Kilometer vor Ende der Runde wartet. Zum Ziel hin ist es dann sehr schnell bis die letzten 600 Meter in der Avenue du Parc nochmal mit vier Prozent ansteigen.

Evenepoel will gewinnen: "Egal welches, am liebsten beide"

Es zeigt sich: Das Ende der Runde ist in Québec tatsächlich schwerer als das in Montréal. Insgesamt aber hält der Rundkurs in der WM-Stadt mehr Schwierigkeiten bereit und es dürfte dort mit deutlich kleineren Gruppen auf die Zielgerade gehen – die Kletterer sind hier klar im Vorteil, während in Québec auch bergfeste Sprinter immer wieder Chancen haben, wie die Siege von Matthews oder auch Peter Sagan bewiesen.

Evenepoel versprach: "Ich habe Ambitionen, beide Rennen zu gewinnen. Es sind zwei sehr schöne WorldTour-Rennen. Außerdem ist Quebec ein ganz besonderes Rennen – es kann in jeder Runde passieren, wie wir letztes Jahr gesehen habe. Es wäre großartig, eines der beiden zu gewinnen – egal welches und am liebsten beide", so der Belgier, der allerdings auch betonte: "Aber ich würde Montreal lieber in drei Wochen gewinnen als jetzt."

Das geht wohl den meisten Startern an diesem Wochenende so – vor allem, wenn sie sich für die schwere WM wirklich etwas ausrechnen. Entsprechend ist die Frage, wer schon jetzt in Top-Form in Kanada angereist ist, und wer diese erst in den kommenden zwei Wochen noch erreichen wird. So kam Matthews etwa bereits vor dem Bretagne Classic Ende August aus dem Höhentrainingslager in Livigno, Evenepoel, der ebenfalls in Livigno trainierte, erst später – nur zwei Beispiele unterschiedlicher Ausgangslagen zu Beginn des diesmal längeren und dadurch wichtigeren Kanada-Blocks.

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