Kommentar

Stoppt den Giro-Wahn!

Von Pit Weber

29.05.2006  |  Arrivederci, Giro! Nur zu gern haben die Rad-Profis die Rundfahrt beendet. Dieser Giro d’Italia war für sie eine Zumutung. In dem Wahn, die Tour de France übertreffen zu wollen, wurden Höchstschwierigkeiten aneinander gereiht und den Teilnehmern die Ruhezeiten geklaut. Wer den Fahrern zumutet, bis zu acht Stunden im Sattel zu sitzen, der darf sich nicht wundern, wenn sie zu unerlaubten Mitteln greifen.

Wer weiß, wie viele Fahrer in Italien ohne die kurz vorher in Spanien beschlagnahmten Blutkonserven durchhalten mussten? Deren Freigabe zu fordern, wäre aber genau der falsche Weg. Die Anforderungen an die Rad-Profis müssen menschenwürdiger werden.

Etappen wie die zwischen Donnerstag und Samstag gehören bei der Tour de France aus gutem Grund der Vergangenheit an. Die Fahrt über eine 26 Grad steile Skipiste auf den Kronplatz fand nur nicht statt, weil der Wettergott Mitleid hatte und Schnee schickte.

Kaum noch sportlich zu nennen ist der Tagesabschnitt, der am Freitag auf dem Passo Di San Pellegrino endete. 224 km ging die Strapaze über vier schwere Berge. 7:13 war Tagessieger Manuel Garate unterwegs, fast acht Stunden das Gruppetto. 6:15 brauchte Ivan Basso am folgenden Tag, um die 212 km lange Etappe von Trento nach Aprica mit dem 2600 m hohen Passo di Gavia und dem mörderischen Mortirolo zu gewinnen.

Reichen diese Anforderungen schon zur Überforderung, so sind die Transfers vor und nach den Etappen menschenverachtend. Wie Vieh wurden die Fahrer hin und her gekarrt. 60 Kilometer über einen 2000 hohen Pass mussten zum Beispiel Ivan Basso und Jens Voigt am Freitag nach der mehr als siebenstündigen 19. Etappe nach Rovereto ins Hotel fahren. T-Mobile hatte diese eineinhalb Stunden lange Reise morgens vor dem Start nach Aprica zu absolvieren. Am Abend kam Jens Voigt dann nach 21 Uhr wieder ins Hotel. „Da lässt man manchmal die Massage ausfallen, um überhaupt noch etwas zu Essen zu bekommen. Das fördert die Regeneration nicht gerade“, hatte sich auch Jan Ullrich vor seinem Abschied über die vielen Transfers beklagt.

Um den gestressten Fahrern mehr Erholung zu gönnen, hatte die Tour nach dem Doping-Skandal um das Festina-Team 1998 zwei statt nur einen Ruhetage eingerichtet. Der Giro nutzte die beiden Pausen, um das Peleton von Belgien nach Italien und von Mittel-Italien in die Toskana zu transportieren. Nur Proteste der Fahrer verhinderten, dass sie von Belgien aus den Nachtzug nehmen mussten.

Dazu kommen die völlig normalen, schlechten Umstände wie miserables Wetter oder kalte Hotels.

Wenn UCI und ProTour es mit dem Kampf gegen Doping ernst meinen, müssen Mehr-Etappenfahrten wie dieser Giro verboten werden.

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